Ein Antigen-Test auf Covid-19 wird nach der Eröffnung des kommunalen Corona-Testzentrums des Landkreises Ludwigslust bearbeitet (Archvbild). | dpa

RKI-Lagebericht Die vierte Welle nimmt Fahrt auf

Stand: 20.08.2021 09:27 Uhr

Die vierte Corona-Welle hat laut Robert Koch-Institut begonnen - anders als 2020 können sich nun aber alle ab 12 Jahren mit Impfungen schützen. Gesundheitsminister Spahn betonte, der Impfstoff reiche auch für Drittimpfungen.

Nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts hat in Deutschland die vierte Welle der Corona-Pandemie begonnen. Der Anteil der positiven Proben unter den PCR-Tests in Laboren sei binnen einer Woche bis Mitte August von vier auf sechs Prozent gestiegen, heißt es im jüngsten Wochenbericht des Instituts vom Donnerstagabend. Grundlage ist rund eine halbe Million Tests aus fast 200 Laboren.

Steigende Inzidenz bei Jüngeren

Von Infektionen betroffen seien vor allem jüngere Menschen. In den Altersgruppen der 10- bis 49-Jährigen steige die Inzidenz seit Anfang Juli. "Damit zeigt sich nun deutlich der Beginn der vierten Welle, die insbesondere durch Infektionen innerhalb der jungen erwachsenen Bevölkerung an Fahrt aufnimmt", heißt es im jüngsten Bericht. Angesteckt hat sich ein Teil der Betroffenen auch in Urlaubsländern, zum Beispiel auf dem Balkan, in der Türkei oder in Spanien.

Unterdessen steigt auch die Sieben-Tage-Inzidenz weiter an. Nach Angaben des RKI vom Morgen lag sie bei 48,8. Am Vortag hatte der Wert 44,2 betragen, vor einer Woche 30,1. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 9280 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche hatte der Wert für Deutschland bei 5578 Ansteckungen gelegen.

Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 13 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 19 Todesfälle gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.853.055 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.693.400 an. In Verbindung mit Sars-CoV-2 gab es insgesamt 91.956 Todesfälle.

In Kitas und Schulen lägen Ausbrüche bis Mitte August jedoch noch auf einem niedrigen Niveau. In einigen Bundesländern sind aber auch noch Ferien. Ferner sei mit Nachmeldungen zu rechnen. Ein ähnlicher Anstieg der Infektionen in der jüngeren Bevölkerung sei auch schon im Sommer 2020 zu beobachten gewesen, heißt es im Bericht. Allerdings erst fünf Wochen später, also Ende September oder Anfang Oktober.

Wieder mehr Patienten hospitalisiert

Der zuletzt allgemein abnehmende Trend von Covid-Patienten in Kliniken setze sich zurzeit nicht fort, heißt es im RKI-Bericht. Die Zahlen befänden sich noch auf niedrigem Niveau, stiegen nun aber sichtbar an. Auch hier sei mit Nachübermittlungen zur rechnen, weil Covid-Patienten häufig erst ein bis zwei Wochen nach der Diagnose in ein Krankenhaus kämen - zumeist mit schweren Atemwegsinfekten.

Hohe Gefährdung Ungeimpfter

Das RKI schätzt eine Gefährdung für die Gesundheit der noch nicht oder erst einmal geimpften Bundesbürger insgesamt weiterhin als hoch ein. Für vollständig Geimpfte stufen die Forscher sie als moderat ein.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sprach sich dafür aus, allen Bürgern eine Auffrischimpfung anzubieten. "Eine Booster-Impfung ist von den Zulassungen gedeckt, sie verstärkt und verlängert den Impfschutz", sagt der CDU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Länder starteten jetzt bereits schrittweise mit den Booster-Impfungen in den Pflegeeinrichtungen und für besonders gefährdete Menschen.

Außerdem könnten sich diejenigen noch einmal impfen lassen, die bislang nur Vektorimpfstoffe bekommen hätten. "In einem zweiten Schritt können wir dann darüber nachdenken, auch allen anderen eine Auffrischimpfung anzubieten", so der Minister. Impfstoff sei ausreichend vorhanden.

Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité hatte allerdings darauf hingewiesen, dass eine dritte Impfung für die meisten Bürger in diesem Herbst seiner Ansicht nach nicht nötig sei.

Lauterbach: Impfdurchbrüche werden mehr

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte indes vor vermehrten Impfdurchbrüchen. Den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte er, dies betreffe "Personen, deren Corona-Impfung länger als sechs Monate zurückliegt". "Wir werden also vermutlich bald mehr Fälle sehen, sobald die Impfung bei etlichen Geimpften in Deutschland mehr als ein halbes Jahr zurückliegt." Bei allen Impfstoffen gegen das Coronavirus steige das Risiko eines Impfdurchbruchs nach sechs Monaten an, führte der Mediziner aus. In der Regel sei die Erkrankung dann aber nicht so gefährlich wie bei Ungeimpften.

Delta-Variante hat Anteil von 99 Prozent

Laut RKI dominiert in diesem Sommer bisher die ansteckendere Delta-Variante - inzwischen zu 99 Prozent. Am Montag hat die Ständige Impfkommission auch grünes Licht für Covid-Impfungen bei Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren gegeben. Die Nachfrage steigt nach Angaben der Kinder- und Jugendärzte im Moment sprunghaft an.

Insgesamt haben derzeit rund 64 Prozent der Bundesbürger mindestens eine Impfung gegen Covid-19 bekommen. Mehr als 58 Prozent wurden bereits vollständig gegen das SARS-CoV-2-Virus immunisiert.

Der Wochenbericht des RKI erscheint zeitversetzt. Die meisten Ergebnisse in der jüngsten Analyse beziehen sich auf Daten aus der ersten Augustwoche.

Über dieses Thema berichteten am 20. August 2021 das ARD-Morgenmagazin um 06:16 Uhr, die tagesschau ab 05:30 Uhr und BR24 um 07:32 Uhr.

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Moderation 20.08.2021 • 10:34 Uhr

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