"Jetzt Impfschutz boostern!" ist auch in türkischer Sprache auf einem Werbedisplay in einer Fußgängerzone zu lesen. | dpa

RKI-Studie Wegen Sprachbarrieren ungeimpft

Stand: 03.02.2022 14:15 Uhr

Nicht der Migrationshintergrund, sondern Einkommen, Alter, Bildungsabschluss und Sprachkenntnisse sind ausschlaggebend dafür, ob sich ein Mensch für die Corona-Impfung entscheidet. Das zeigt eine neue Studie des RKI.

Für die Impfbereitschaft spielt der Migrationshintergrund nur eine untergordnete Rolle, zeigt eine aktuelle Studie des Robert Koch-Instituts (RKI). Nicht das Herkunftsland sei ausschlaggebend, sondern Faktoren wie Bildung, Einkommen, Alter und Sprachkenntnisse.

Für die Studie wurden 2000 Menschen befragt - 1000 ohne und 1000 mit eigener oder familiärer Einwanderungsgeschichte. Aus der ersten Gruppe waren 92 Prozent mindestens einmal geimpft, bei der zweiten Gruppe lag die Impfquote bei 84 Prozent.

Unterschied kommt durch Sprachbarrieren

Sprachbarrieren könnten diesen Unterschied erklären, sagt die RKI-Gesundheitswissenschaftlerin Elisa Wulkotte: "Je besser die Deutschkenntnisse eingeschätzt werden, umso höher ist die Impfquote."

92 Prozent der Befragten, die Deutsch als Muttersprache sprechen oder sehr gute Deutschkenntnisse haben, waren demnach mindestens einmal geimpft. Die Impfquote bei Menschen mit mittelmäßigen Deutschkenntnissen lag bei 83 Prozent. 75 Prozent der Befragten mit sehr schlechten Deutschkenntnissen waren geimpft.

Auch das Alter ist entscheidend

Auch das Alter sei ausschlaggebend für die Impfentscheidung. In der Altersgruppe von 18 bis 29 war die Impfquote mit knapp 93 Prozent in beiden Gruppen gleich hoch. Die 30- bis 39-Jährigen waren in beiden Gruppen am seltensten geimpft.

Das Einkommen, der Bildungsabschluss und frühere Diskriminierungserfahrungen im medizinischen Bereich wirkten sich der Studie zufolge in beiden Gruppen ebenfalls negativ auf die Impfentscheidung aus.

Falschinformationen breiten sich unterschiedlich gut aus

Es gibt Falschinformationen, die sich besonders in bestimmten Gruppen ausbreiten. So sind laut der Studie 58 Prozent der Menschen mit Migrationsgeschichte unsicher, ob die Impfung Risiken für Personen mit Kinderwunsch hat. Bei der Gruppe ohne Migrationshintergrund sind es 51 Prozent.

Die Hälfte der Befragten mit Einwanderungsgeschichte ist unsicher, ob die Impfung Chemikalien in giftigen Dosierungen enthält - gegen 40 Prozent in der anderen Gruppe. 51 Prozent sind zudem unsicher, ob die Corona-Impfung die menschliche DNA verändern kann - gegen 41 in der Gruppe ohne Migrationshintergrund.

"Größerer Anteil bereit, sich impfen zu lassen"

"Falschinformationen sollten deshalb wirksam entkräftet werden", so Wulkotte. "Eine zielgerichtete Impfkampagne sollte sich an Personen mit wenig Deutschkenntnissen und niedrigem sozioökonomischen Status richten."

Nach der Befragung gehe sie davon aus, "dass unter den Ungeimpften mit Migrationsgeschichte noch ein größerer Anteil bereit ist, sich impfen zu lassen".

Es braucht mehrsprachige Informationen

Auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Reem Alabali-Radovan, hob hervor, dass nicht die Herkunft über die Impfbereitschaft entscheide, sondern sozialer Status, Alter und Sprachkenntnisse. Das sehe man auch im Vergleich der Bundesländer.

"In Sachsen oder Thüringen sind die Impfquoten niedrig, hier leben aber wenige Menschen mit Einwanderungsgeschichte", so Alabali-Radovan. Es müsse "mehr auf aufsuchende Beratung" gesetzt werden, ohne lange Warteschlangen und Termin. Es brauche außerdem mehrsprachige Informationen. 

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 03. Februar 2022 um 07:13 Uhr.