Leeres Krankenbett in Zeiten der Corona-Pandemie. | dpa

Corona-Pandemie Andere Krankheiten nach Lockdown seltener

Stand: 11.01.2021 09:33 Uhr

Grippe, Windpocken, Norovirus: Es gibt noch andere Krankheitserreger als das Coronavirus. Im vergangenen Jahr wurden sie aber deutlich seltener registriert. Die Gründe dafür sind vielschichtig.

Das Coronavirus rückt andere Krankheiten in den Hintergrund - nicht nur in der Berichterstattung, sondern auch leibhaftig. Das haben nun Zahlen des Robert-Koch-Instituts bestätigt.

Nach dem ersten Lockdown in der Corona-Pandemie 2020 seien die Fallzahlen von vielen anderen Infektionskrankheiten im Vergleich zu den Vorjahren zurückgegangen, teilte Sonia Boender vom Fachgebiet Surveillance am RKI mit.

35 Prozent weniger Krankheitsfälle

Zwischen März und Anfang August 2020 seien rund 140.000 Fälle gemeldet worden - 35 Prozent weniger als aufgrund der Daten von Januar 2016 bis Februar 2020 zu erwarten gewesen wären. Saisonale Effekte und Trends seien berücksichtigt worden.

Für die Analyse wurden Zahlen von meldepflichtigen Krankheiten und Erregern wie beispielsweise Grippe, Tuberkulose, Windpocken, Syphilis und Noroviren berücksichtigt. Die Gründe für den Rückgang beschreibt das RKI als vielschichtig und erregerspezifisch.

Ein Schulzimmer in Berlin mit hochgestellten Stühlen | dpa

Auch die Schul- und Kitaschließungen haben Übertragungen von Atemwegs- und Magen-Darm-Erregern verhindert. Bild: dpa

Corona-Maßnahmen wirken sich aus

Sicherlich hätten auch die Corona-Maßnahmen einen Einfluss auf die Übertragung von anderen Krankheiten gehabt, erläuterte Boender. So hätten Maßnahmen wie etwa Schul- und Kitaschließungen, Homeoffice, Abstandsregeln, Kontaktbeschränkungen und Handhygiene insbesondere die Übertragung von Atemwegs- und Magen-Darm-Erregern von Mensch zu Mensch verhindert.

Rückgänge gab es zudem bei Krankheiten wie Malaria, die bisher bei Reiserückkehrern diagnostiziert wurden. Die einzige Zunahme wurde für die Hirnentzündung FSME verzeichnet, die von Zecken übertragen wird.

Deutlich weniger Grippefälle

Auch die aktuelle Grippe-Saison 2020/21 hat nach bisherigen Meldedaten sehr verhalten begonnen. Erfasst sind 266 im Labor bestätigte Fälle seit Anfang Oktober, wie aus dem Wochenbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza hervorgeht. Im Vorjahr seien um diese Zeit wesentlich mehr solcher Infektionen übermittelt worden, hieß es. Bereits im Frühjahr 2020 hatte die Grippesaison ein verfrühtes Ende gefunden. Das wurde auch auf die Corona-Maßnahmen zurückgeführt.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 11. Januar 2021 um 08:300 Uhr in den Nachrichten.

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Moderation 11.01.2021 • 16:25 Uhr

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