Karl Lauterbach | REUTERS

Lauterbach zur Corona-Lage Wachsam im Sommer - neue Maßnahmen im Herbst

Stand: 17.06.2022 11:33 Uhr

Minister Lauterbach sieht trotz der "Sommerwelle" keinen Grund, in Panik zu geraten. Er riet aber zum Maskentragen in Innenräumen. Zugleich kündigte er mehrere neue Maßnahmen an - darunter eine Impfkampagne.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sieht eine Corona-"Sommerwelle" mit hohen Inzidenzzahlen kommen. "Wir müssen wegen der Sommerwelle nicht in Panik geraten", beschwichtigte der SPD-Politiker aber zugleich. Dennoch müsse man wachsam sein, sagte er auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Vizepräsidenten des Robert Koch-Instituts (RKI), Lars Schaade.

Die Verläufe seien laut Lauterbach zwar bei der Omikron-Variante BA.5 gerade bei den Geimpften und Genesenen milder. Aber wenn die Zahl der Infizierten stark steige, werde auch die Zahl der von Long-Covid Betroffenen zunehmen. Er empfehle, freiwillig in den Innenräumen Maske zu tragen. Es sei eine Bitte, dass man sich selbst und andere schütze.

RKI-Vize Schaade: BA.5-Variante dominierend

RKI-Vizepräsident Schaade sagte, er gehe davon aus, dass es weiter steigende Corona-Zahlen geben werde. Als Grund nannte er unter anderen die Aufhebung verpflichtender Maßnahmen und die neue Omikron-Variante. Es gebe aber keine Hinweise, dass BA.5 zu schwereren Krankheitsverläufen führe, sie sei aber deutlich ansteckender, sagt er weiter. Das RKI empfiehlt, in Innenräumen Maske zu tragen - besonders für ältere Personen und Menschen mit Grundsymptomen.

Inzidenz bei 427,8

Das RKI gab die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Freitagmorgen mit 427,8 an. Am Vortag hatte der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche bei 480,0 gelegen (Vorwoche: 318,7; Vormonat: 437,6). Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI zudem 28.118 Corona-Neuinfektionen (Vorwoche: 77 878) und 19 Todesfälle (Vorwoche: 106) innerhalb eines Tages.

Neue Impfkampagne und Testkonzept

Lauterbach kündigte zudem mehrere Maßnahmen für den Herbst an. Zum einen werde die Regierung eine Impfkampagne vorbereiten. "Ziel ist ganz klar, dass wir besser in den Herbst hineingehen wollen, als wir das im letzten Jahr konnten und auch im Jahr davor". Er erwarte, dass es ab September die von den Herstellern angepassten Corona-Impfstoffe geben werde.  Geplant sei es, drei Impfstoffe anbieten können, "um jedem eine Impf-Empfehlung geben zu können".

Lauterbach zufolge soll es zudem ein neues Testkonzept geben. Die Verhandlungen für die weitere Finanzierung der Bürgertests liefen derzeit. Es müsse geklärt werden, wer die Bürgertests weiterhin bekommen solle, wie diese finanziert würden und wie verhindert werde, dass es zu Missbrauch komme. Das Konzept solle in den nächsten Tagen vorgestellt werden. Er gehe aber davon dass, "wir die Bürgertest im Sommer weiter nutzen können".

Er kündigte zudem einen gezielteren Einsatz von Corona-Medikamenten an. Derzeit würden viele zur Verfügung stehende Arnzeimittel nicht ausreichend eingesetzt.

Infektionsschutzgesetz angekündigt

Auch solle, so Lauterbach, das Infektionsschutzgesetz reformiert werden. Er sei hier mit Bundesjustizminister Marco Buschmann im Austausch. "Die Inhalte sollen noch vor dem Sommer entwickelt werden, so dass klar wird, was vor dem Herbst auf uns zukommt", sagte er weiter. Die derzeit geltenden Regeln des Infektionsschutzgesetzes zu Corona laufen am 23. September aus. Sie enthalten nur noch wenige sogenannte Basis-Schutzmaßnahmen. 

Zu einer laut einem Medienbericht angeblich geplanten neuen, generellen Maskenpflicht ab Oktober äußerte er sich nicht konkret. Die "Welt am Sonntag" hatte unter Berufung auf Regierungskreisen gemeldet, dass im Gespräch eine sogenannte "O-O-Regel" sei Diese "Oktober bis Ostern-Regel" ist bislang vor allem als Empfehlung bekannt, für diesen Zeitraum Autos mit Winterreifen auszurüsten. Die neue Maskenpflicht könnte dem Bericht zufolge weiterhin wie bisher in öffentlichen Verkehrsmitteln, medizinischen Einrichtungen und Seniorenheimen gelten, zusätzlich aber auch wieder im Einzelhandel und der Gastronomie.

Der Deutsche Städtetag forderte derweil von Bund und Ländern ein Sofortprogramm zur Eindämmung der Corona-Sommerwelle. "Wir brauchen schnelle Entscheidungen und ein neues Bundesinfektionsschutzgesetz noch vor der Sommerpause", sagte Städtetagspräsident Markus Lewe den Zeitungen der Funke Mediengruppe ". "Die Menschen müssen sich verlässlich auch im Sommer testen und impfen können. Und wir brauchen besseren Schutz und Sofortmaßnahmen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Juni 2022 um 12:00 Uhr.