"Maske tragen" steht auf einem Schild am Eingang zum Weihnachtsmarkt. | picture-alliance/dpa

Sorge vor Omikron RKI für "maximale Kontaktbeschränkungen"

Stand: 21.12.2021 14:06 Uhr

Mit Blick auf die hochansteckende Omikron-Variante ruft das RKI zu sofortigen "maximalen Kontaktbeschränkungen" auf. Der weitere Verlauf der Pandemie hänge auch "vom Verhalten der Bevölkerung an den Festtagen" ab.

Unmittelbar vor der Bund-Länder-Konferenz empfiehlt das Robert Koch-Institut "maximale Kontaktbeschränkungen". Diese sollten sofort eingeführt und zunächst bis Mitte Januar beibehalten werden, erklärte das Institut. Zudem brauche es "maximale infektionspräventive Maßnahmen" und eine "maximale Geschwindigkeit bei der Impfung der Bevölkerung".

Reisen sollten auf das unbedingt Notwendige reduziert werden, zum Verständnis der Maßnahmen brauche es intensive Begleitkommunikation. Das RKI empfiehlt in einem Strategiepapier zudem unter anderem, Restaurants sofort zu schließen und die Weihnachtsferien für Kitas und Schulen zu verlängern.

Mit Blick auf die neue Omikron-Variante des Coronavirus spricht das RKI von einer "aktuell in Deutschland beginnenden pandemischen Welle". Auch wenn diese Welle hierzulande noch am Anfang stehe, zeige der Blick ins Ausland, "dass durch diese Variante mit einer Infektionswelle von bisher noch nicht beobachteter Dynamik gerechnet werden muss".

Bund-Länder-Beratungen am Nachmittag

Auch mehrere Politiker sprachen sich für eine schnelle Umsetzung von neuen Corona-Maßnahmen aus. "Es macht jetzt keinen Sinn, bei fallenden Zahlen die Panik auszurufen", sagte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder im ARD-Morgenmagazin. "Aber umgekehrt muss man natürlich auch konsequent sein und auch ehrlich sein, in dem, was auf uns zukommt." Zudem brauche man möglichst bald mehr Informationen darüber, ob genügend Impfstoff für die Auffrischungsimpfungen vorhanden sei.

Am Nachmittag beraten Bund und Länder erneut über Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie. Es wird davon ausgegangen, dass es keinen bundesweiten Lockdown, dafür aber Kontaktbeschränkungen - auch für Geimpfte und Genesene - geben wird.

Söder betonte, es müsse schnell Klarheit darüber geben, ob genügend Vakzine für Auffrischungsimpfungen vorhanden seien und dass angesichts der bevorstehenden Weihnachtsfeiertage weiter geboostert werde. Auch ein rasches Signal für die Impfpflicht sei dringend notwendig. "Wir müssen zunächst mal tatsächlich eine klare Einschätzung bekommen, wie gefährlich Omikron ist, wie es sich auswirkt auf die Krankenhäuser, wie insbesondere die Gefährdungslage auch für die jüngere Generation ist."

Dahmen: Jetzt weitergehenden Lockdown vorbereiten

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen hält es für erforderlich, bereits jetzt einen weitgehenden Lockdown vorzubereiten. Dies sei wichtig, um solche Maßnahmen dann je nach Lage-Entwicklung und der Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus schnell und "ohne neue lange Beratungen" umsetzen zu können, sagte Dahmen im ARD-Morgenmagazin. Der Grünen-Politiker äußerte sich im Vorfeld der Spitzenberatungen von Bund und Ländern.

Bei einem weitergehenden Lockdown müsse man auch in Erwägung ziehen, dass normale Geschäfte nicht mehr offen bleiben könnten, sondern nur Apotheken und Geschäfte zur Abdeckung des täglichen Bedarfs, so Dahmen. Es sei wichtig, jetzt "konsequent vorausschauend zu handeln", damit dann der Lage entsprechend reagiert werden könne. 

Dann könne es auch durchaus sein, dann man die epidemische Lage von nationaler Tragweite wieder beschließen müsse. Dahmen verwies dabei auf die bereits massiv verschärfte Lage in anderen Ländern aufgrund der Omikron-Variante. Dies sei "eine zusätzliche gravierende Gefahr".

Neue Gespräche notfalls über die Feiertage

Bund und Länder müssten notfalls über die Feiertage zusammenkommen, um weitere Maßnahmen zu beschließen. "Der kontinuierliche Dialog von Bund und Ländern, der nahezu wöchentlich jetzt zusammentritt, ist gut und richtig aufgrund der hohen Dynamik. Das sollte fortgeführt werden, damit man lage-entsprechend frühzeitig reagieren kann."

Auch der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, warb für einen klaren Plan in den kommenden Wochen. Rechtlich sei es aktuell zwar nicht möglich, Schulen oder Restaurants zu schließen. Das habe die neue Mehrheit im Bundestag durch Beendigung der pandemischen Notlage ausgeschlossen, sagte Wüst bei "Bild live". "Ob das ausreichend ist, was wir heute haben, werden wir diskutieren." Angesichts der drohenden Omikron-Welle müssten jetzt Entscheidungen getroffen werden, damit die kritische Infrastruktur aufrechterhalten könne. "Niemand kann heute sagen, wann das vorbei sein wird oder zu welchen Maßnahmen wir noch gezwungen sein werden."

Der FDP-Gesundheitsexperte Andrew Ullmann forderte, die Testbefreiung nach einer Booster-Impfung zurückzunehmen. Man habe auch dann nur einen Schutz von etwa 75 Prozent und könne andere Menschen weiter anstecken, sagte er dem SWR-Hörfunk. Die Gesundheitsministerinnen und -minister von Bund und Ländern hatten vor einer Woche beschlossen, dass Menschen mit einer Booster-Impfung dort, wo 2G-Plus gilt, von einer Testpflicht befreit werden sollen.

RKI: Infektionsgefahr auch für Geimpfte "hoch"

Das RKI meldete binnen 24 Stunden 23.428 Corona-Neuinfektionen. Das sind 7395 Fälle weniger als am Dienstag vor einer Woche. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz sank auf 306,4 von 316,0 am Vortag. Auf eine Entspannung der Lage deutet das aber nicht hin. Experten warnen vor einer rasanten Ausbreitung der Omikron-Variante.

So schätzt das RKI die Infektionsgefährdung nun auch für Geimpfte als "hoch" ein und nicht mehr nur als "moderat". Letzteres gilt nun nur noch für Geboosterte mit dreifacher Impfung. Insgesamt schätzt das RKI die Gefährdung für die Bevölkerung als "sehr hoch" ein. Wegen Omikron könne es zu einer schlagartigen Erhöhung der Infektionsfälle und einer schnellen Überlastung des Gesundheitssystems und auch weiterer Versorgungsbereiche kommen.

Erste Analysen deuteten trotz noch vorhandener Unsicherheiten darauf hin, dass Omikron bereits Anfang Januar 2022 die Mehrzahl der Infektionsfälle in Deutschland ausmachen könne. Es könnten mehrere Zehntausend Infektionsfälle durch Omikron täglich sein, teilte das RKI mit.

Beeinträchtigung bei kritischer Infrastruktur droht

Unter den derzeitigen Bedingungen liege die Verdopplungszeit in Deutschland bei etwa drei Tagen. "Die Konzepte 2G/3G sollten unter Berücksichtigung der Omikron-Variante geschärft werden, da von einer erheblichen Transmission dieser Variante auch durch Genesene und vollständig Geimpfte ohne Auffrischimpfung ausgegangen werden muss", schreibt das RKI. Die Neuerkrankungszahlen der vierten Welle durch die Delta-Variante seien zwar rückläufig, dennoch lägen die Krankenhausaufnahmen und die Auslastung der Intensivstationen noch auf sehr hohem Niveau. "Sollte die Dynamik der bevorstehenden Omikron-Welle nicht gebremst werden, ist aufgrund der in kurzer Zeit zu erwartenden hohen Fallzahlen mit einer Überlastung der Gesundheitsversorgungsstrukturen in Deutschland zu rechnen."

Auch mit einer darüber hinausgehenden Beeinträchtigung der kritischen Versorgungsstrukturen - beispielsweise Transport- und Produktionsketten, Energie, Polizei, Feuerwehr - müsse gerechnet werden. Der weitere Verlauf der epidemiologischen Situation in den nächsten Wochen hänge vom Verhalten der Bevölkerung an den Festtagen und der nicht vorhersehbaren Stärke der Grippe-Zirkulation als weiterem Erreger mit epidemischem Potenzial ab.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Dezember 2021 um 14:00 Uhr.