In einem Testzentrum nimmt eine Mitarbeiterin den Abstrich für einen Corona-Schnelltest. | dpa

Coronavirus in Deutschland Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter an

Stand: 08.02.2022 06:45 Uhr

Dem RKI wurden 169.571 Neuinfektionen gemeldet - die Inzidenz steigt dadurch auf 1441. Experten gehen davon aus, dass zudem viele Fälle nicht erfasst werden. Die Debatte um mögliche Lockerungen geht dennoch weiter.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat einen Anstieg der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz gemeldet und damit erneut einen Höchstwert. Das RKI gab am Morgen den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche mit 1441,0 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 1426,0 gelegen, vor einer Woche bei 1206,2 (Vormonat: 335,9).

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 169.571 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 5.24 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche waren es 162.613 Ansteckungen.

Die Zahlen haben allerdings nur noch begrenzt Aussagekraft. Experten gehen von einer hohen Zahl von Fällen aus, die in den RKI-Daten nicht erfasst sind. Testkapazitäten und Gesundheitsämter sind vielerorts am Limit, Kontakte werden nur noch eingeschränkt nachverfolgt. Zudem dürfte mit der geplanten Priorisierung bei PCR-Tests die Zahl der Menschen steigen, die ihre Infektion nicht mehr über einen PCR-Test bestätigen lassen - die damit nicht in die offizielle Statistik einfließt.

177 neue Todesfälle

Deutschlandweit wurden den neuen Angaben vom Morgen zufolge binnen 24 Stunden 177 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 188 Todesfälle gewesen. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 118.943.

Die Zahl der in Kliniken gekommenen Corona-infizierten Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Montag mit 5,41 an (Sonntag: 5,63). Darunter können auch Menschen mit positivem Corona-Test sein, die eine andere Haupterkrankung haben.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 11.287.428 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI am Morgen mit 8.257.400 an.

Günther für individuelle Öffnungsschritte

In der Debatte um mögliche Öffnungsschritte sprach sich Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther dafür aus, dass die Länder die Corona-Regeln unabhängig voneinander lockern können. Schleswig-Holstein werde sich bei der Konferenz der Ministerpräsidenten mit dem Bundeskanzler am 16. Februar dafür einsetzen, den eingeschlagenen Weg zurück in die Normalität weiter zu beschreiten, sagte Günther dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). "Das kann auch unterschiedliche Geschwindigkeiten in den Ländern aufgrund der abweichenden Impfquoten bedeuten."

Die hohe Impfquote in Schleswig-Holstein sehe er als Legitimation für die Lockerung der Maßnahmen. "Auch wenn täglich von einer bundesweit steigenden Inzidenz berichtet wird, muss klar sein: Diese Daten haben eine andere Qualität als noch vor einem Jahr", sagte Günther. Es sei wichtig gewesen, vorsichtig zu bleiben, um zu schauen, ob Omikron für die Krankenhäuser zu einem großen Problem wird. Nun sei klar, dass dies nicht der Fall ist. Jetzt müsse der Schwerpunkt sein, schwere Krankheitsverläufe bei verletzlichen Gruppen zu verhindern und nicht jede Infektion.

Dahmen warnt vor vorschnellen Lockerungen

Der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen warnte hingegen davor, falsche Hoffnungen zu schüren. Die Erarbeitung von Öffnungsperspektiven dürfe nicht an ein Datum geknüpft sein, sondern müsse von Daten über die aktuelle und zukünftige Pandemiesituation geleitet sein, sagte Dahmen der "Rheinischen Post". Er nannte eine tagesaktuelle Hospitalisierungsinzidenz, die Auslastung der Betten auf Normal- und Intensivstationen sowie die Personalverfügbarkeit im Gesundheitswesen. "Wir brauchen eine realistische Perspektive anstatt falsche Hoffnungen zu machen."

Man müsse vorausschauend planen und dürfe nicht vorschnell lockern, argumentierte Dahmen. "Hier müssen wir in den nächsten Wochen für eine entsprechende Datengrundlage sorgen. Auf dieser Grundlage kann das RKI dann unter Einbezug der Empfehlungen des Expertenrates ein entsprechendes Stufenschema entwickeln." Die Pandemie werde auch in den nächsten Monaten eine Rolle spielen, deshalb würden weiterhin "verschiedene Schutzmaßnahmen" benötigt.

Die Bundesregierung hatte gestern ihre vorerst zurückhaltende Linie bei Lockerungen von Alltagsauflagen bekräftigt. Mehrere Länder gehen aber bereits mit Öffnungsschritten voran. Für den 16. Februar ist die nächste Bund-Länder-Runde zum weiteren Vorgehen geplant. Dort könnten Lockerungen Thema sein.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Februar 2022 um 08:00 Uhr.