Zahlreiche brennende Grablichter stehen zum Gedenken an Corona-Tote an einem Gedenkort. | AP

Seit Pandemie-Beginn Mehr als 100.000 Corona-Tote in Deutschland

Stand: 25.11.2021 10:25 Uhr

In der vierten Welle der Pandemie steigen die Corona-Infektionszahlen in Deutschland weiter rasant. Die Zahl der Menschen, die im Zusammenhang mit dem Virus gestorben sind, liegt inzwischen bei mehr als 100.000.

Die Zahl der an oder mit Corona gestorbenen Menschen in Deutschland hat die Schwelle von 100.000 Toten überschritten. Das geht aus Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor. Demnach meldeten die Gesundheitsämter dem RKI jüngst 351 Todesfälle binnen 24 Stunden, die Gesamtzahl seit Beginn der Pandemie liegt nun bei 100.119. Die meisten Corona-Toten gab es laut RKI im vergangenen Winter mit teils mehr als 1000 pro Tag gemeldeten Fällen. Momentan sind die Sterbezahlen wesentlich niedriger, obwohl es deutlich mehr Infektionen gibt.

Sieben-Tage-Inzidenz erreicht neuen Höchstwert

Die Sieben-Tage-Inzidenz erreichte einen erneuten Höchststand von 419,7. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 404,5 gelegen, vor einer Woche bei 336,9 (Vormonat: 110,1). Die Zahl der binnen eines Tages übermittelten Corona-Neuinfektionen überschritt erstmals die Schwelle von 70.000 Neuinfektionen. Die Gesundheitsämter meldeten laut RKI-Angaben 75.961 Fälle in 24 Stunden. Vor genau einer Woche waren es 65.371 erfasste Neuinfektionen.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 5.573.756 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI am Morgen mit 4.744.400 an.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI gestern mit 5,74 an (Dienstag: 5,60). Der Wert spielt eine wesentliche Rolle für die Beurteilung des Infektionsgeschehens. Bei Überschreitung der Grenzwerte 3, 6 und 9 in den Bundesländern können dort jeweils schärfere Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie verhängt werden.

Impfungen machen sich bemerkbar

Dass jetzt weniger Infizierte sterben, liegt auch daran, dass große Teile der Bevölkerung geimpft sind - insbesondere ältere Menschen, die anfälliger für schwere Verläufe sind. So sei der Anteil der Infizierten, die intensivmedizinisch behandelt werden, von sechs Prozent in der ersten Welle auf nun 0,8 Prozent gesunken, sagte Reinhard Busse von der TU Berlin kürzlich.

Unter den Patienten, die eine intensivmedizinische Behandlung bekommen, liegt die Sterblichkeit laut Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, bei 30 bis 50 Prozent.

Um die Zahl der Corona-Toten aber dauerhaft niedrig zu halten, müssten deutlich mehr Menschen in Deutschland geimpft sein. Sollte es da keinen Fortschritt geben, müsse sich Deutschland auf mindestens 100.000 weitere Corona-Tote vorbereiten, "bevor sich das Fahrwasser beruhigt", sagte kürzlich der Berliner Virologe Christian Drosten. "Das ist eine konservative Schätzung." Er leitet die Zahl durch vergleichende Überlegungen mit Großbritannien her.

Verlegung von Corona-Patienten schon heute?

Die Verlegung der ersten Corona-Intensivpatienten aus Thüringen nach Norddeutschland könnte bereits heute starten. Insgesamt zehn Patienten aus dem Freistaat seien derzeit dafür vorgesehen, teilte eine Sprecherin des Innenministeriums von Sachsen-Anhalt, an das die Koordinierung des Kleeblatt Ost angedockt ist, mit. Der konkrete Zeitpunkt werde aktuell geplant und koordiniert.

Das Kleeblatt-Konzept

Das 2020 beschlossene Kleeblatt-Konzept sieht vor, dass zunächst innerhalb von fünf Regionen - West, Nord, Ost, Süd, Südwest - verlegt wird. Gibt es in einer dieser Regionen absehbar keine freien Plätze mehr, wird im Austausch mit dem Gemeinsamen Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) die Verlegung auch in andere Gebiete organisiert. Zu der Sondersitzung der Gesundheitsminister wurden auch das Bundesamt und die Bundesministerien für Inneres und Verteidigung eingeladen.

Es wären die ersten bundesweiten Verlegungen in der vierten Corona-Welle. Die Kranken würden in das Kleeblatt Nord verlegt, voraussichtlich nach Niedersachsen, sagte die Sprecherin weiter. Einem Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" zufolge will das Klinikum Siloah in Hannover drei Patienten aufnehmen.

Bei den zehn angemeldeten Kranken gehe es ausschließlich um Covid-Fälle, sagte die Sprecherin. Auch Sachsen habe perspektivisch bereits einen Verlegungsbedarf von rund zwei Dutzend Patientinnen und Patienten angemeldet. Sachsen-Anhalt hingegen werde noch keine Patienten überregional verlegen, könne derzeit aber auch niemanden von außerhalb aufnehmen.

Norddeutsche Bundesländer nehmen zehn Patienten auf

Die norddeutschen Bundesländer werden in den kommenden Tagen zehn Corona-Patienten aus Ostdeutschland aufnehmen. Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und Niedersachsen werden die Verlegung der Intensivpatienten organisieren, wie das niedersächsische Innenministerium mitteilte.

"Es war wichtig, dass wir die Möglichkeit der Verlegungen von auf Intensivbetreuung angewiesenen Patienten schon zu Beginn der Pandemie mit initiiert haben", erklärte der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius. Damit würden die besonders stark von der Pandemie betroffenen Bundesländer unterstützt. Pistorius appellierte noch einmal eindringlich an alle, sich impfen zu lassen.

Luftwaffe hält zwei Flugzeuge bereit für Corona-Hilfe

Auch aus Bayern könnten in den nächsten Tagen rund 50 Kranke verlegt werden. Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin sind im Kleeblatt Ost organisiert. Gemeinsam mit Bayern, das das Kleeblatt Süd bildet, aktivierten sie am Dienstag das Kleeblatt-System. Damit werden bundesweite Patientenverlegungen möglich.

Um bei der Verlegung von Intensivpatienten helfen zu können, hält die Luftwaffe in Köln zwei Flugzeuge bereit. Dazu gehört der Airbus A310 MedEvac, die fliegende Intensivstation, sowie eine umgerüstete Spezialmaschine, das Überwachungsflugzeug A319OH. In dieses seien am Vortag zwei Plätze zur Intensivbehandlung eingebaut worden, sagte ein Luftwaffen-Sprecher. Über sechs Intensivplätze verfüge der Airbus A310 MedEvac.

Schnelle Transportkapazitäten sollen bereitgehalten werden, um Intensivpatienten bei einer regionalen Überlastung von Krankenhäusern in Regionen mit freien Kapazitäten fliegen zu können.

Vier Länder in Westeuropa mit mehr als 100.000 Toten

In Westeuropa haben nur Großbritannien, Italien und Frankreich mehr Tote im Zusammenhang mit dem Virus zu beklagen als Deutschland - allerdings bei einer deutlich kleineren Bevölkerungszahl. In Relation zu den Einwohnern steht Deutschland noch vergleichsweise gut da, wie aus Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) in Baltimore hervorgeht. Fast doppelt so viele Corona-Tote pro 100.000 Einwohner wie Deutschland verzeichnen beispielsweise die USA, mehr als drei Mal so viele sind es in Bulgarien.

Dagegen gibt es in Dänemark bislang weniger als halb so viele Corona-Tote pro 100.000 Einwohner wie in Deutschland. Allerdings ist zu beachten, dass die Zahlen wegen unterschiedlicher Meldesysteme nur bedingt Vergleiche zulassen.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 25. November 2021 um 05:44 Uhr.

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Moderation 25.11.2021 • 13:06 Uhr

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