Eine Mitarbeiterin des Labors Bioscientia in Ingelheim am Rhein hält eine Probe in den Händen.  | dpa

Corona-Pandemie Inzidenz sinkt zweiten Tag in Folge leicht

Stand: 01.12.2021 07:05 Uhr

Nach wochenlangem Anstieg ist die Inzidenz in Deutschland den zweiten Tag in Folge zurückgegangen: Sie liegt nun bei 442,9. Unterdessen äußern sich Experten skeptisch über das von Olaf Scholz angepeilte Impfziel bis Weihnachten.

Zum zweiten Mal in Folge ist die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland gesunken: Laut dem Robert Koch-Institut lag der Wert am Mittwoch bei 442,9. Am Montag war ein Höchstwert von 452,4 erreicht worden, am Dienstag hatte die Inzidenz leicht darunter bei 452,2 gelegen.

Wie das RKI zudem unter Berufung auf Daten der Gesundheitsämter mitteilte, wurden binnen 24 Stunden 67.186 Neuinfektionen verzeichnet. Vor einer Woche waren es 66.884 Neuansteckungen. Die Gesamtzahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus stieg um 446 auf 101.790. Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Dienstag mit 5,73 an (Montag: mit 5,52). Der Wert spielt eine wesentliche Rolle für die Beurteilung des Infektionsgeschehens.

Wieler: Ausmaß der vierten Welle zeigt sich im Frühjahr

Auch wenn die Infektionswerte zuletzt immer neue Höchststände erreichten: Das wirkliche Ausmaß der vierten Welle dürfte laut RKI-Chef Lothar Wieler erst in einigen Monaten deutlich werden. "Wir werden erst im Frühjahr sehen, wie schlimm diese vierte Welle wirklich ausgegangen ist", sagte Wieler der Nachrichtenagentur dpa. Bei Blutspende-Untersuchungen oder bevölkerungsrepräsentativen Stichproben werde sich zum Beispiel zeigen, wie hoch der Anteil der Menschen ist, die bereits Antikörper gegen Corona gebildet haben - sei es durch Impfung oder durch Infektion. So lässt sich unter anderem das Ausmaß unerkannter Fälle besser einschätzen.

Ende 2020, als es mit dem Impfen noch nicht losgegangen war, hätten erst etwa zwei Prozent der Bevölkerung die entsprechenden Antikörper gehabt, sagte Wieler. Mit dem mittlerweile großen Teil an Geimpften in der Bevölkerung sei viel erreicht. Allerdings könnten neue Varianten oder auch Veränderungen bei existierenden Varianten den weiteren Verlauf stark beeinflussen. Der globale Erfolg von Maßnahmen sei wichtig, "weil wir gerade wieder sehen, dass die Eindämmungsmaßnahmen uns lediglich etwas Zeit verschaffen können". Die Ausbreitung von neuen oder veränderten Varianten zu verhindern, sei indes extrem schwer.

Angesichts der noch bestehenden Impflücke in Deutschland hänge auch der Verlauf des nächsten Winters davon ab, was jetzt getan wird. "Wenn viele Menschen immer noch keine Grundimmunität haben, könnten wir nächsten Winter wieder eine große Welle haben." Das Beste wäre, wenn sich alle impfen ließen, die geimpft werden können, so der RKI-Chef. "Dann haben wir zwar immer noch dieses Virus in unserem Land, aber der Anteil der schwer Erkrankten nächsten Winter wäre wesentlich geringer."

Experten halten 30-Millionen-Impfziel für ehrgeizig

Dabei halten Experten die vom künftigen Bundeskanzler Olaf Scholz angepeilten 30 Millionen zusätzlichen Impfungen bis Weihnachten für ein sehr ehrgeiziges Ziel. "Das ist logistisch schwer umzusetzen, da etwa 1,5 Millionen Impfungen am Tag verabreicht werden müssten", sagte Thomas Schulz, Leiter des Instituts für Virologie an der Medizinischen Hochschule Hannover, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Zum Vergleich: Am Montag wurden nach Angaben des RKI rund 532.000 Impfdosen in Deutschland verabreicht, 422.000 davon waren Auffrischungsimpfungen. Rekordtag war der 9. Juni mit insgesamt 1,4 Millionen Dosen.

Der Epidemiologe Hajo Zeeb, Leiter der Abteilung Prävention und Evaluation am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen, sagte dem RND, er habe auch wegen eines möglichen Impfstoffmangels Zweifel an der Umsetzung des Ziels, "aber auch ein knappes Scheitern wäre schon etwas". Bei der Umsetzung des 30-Millionen-Ziels soll ein neuer Krisenstab unter Leitung des Bundeswehr-Generals Carsten Breuer helfen.

Scholz und die geschäftsführende Bundeskanzlerin Angela Merkel hatten sich am Dienstag mit den Regierungschefs der Länder darauf verständigt, dass in den kommenden Tagen neue Maßnahmen gegen die hohen Corona-Fallzahlen in weiten Teilen Deutschlands beschlossen werden sollen. Geplant sind demnach Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte, strengere Auflagen bei Großveranstaltungen und 2G für weitere Bereiche wie den Einzelhandel. Auch eine allgemeine Impfpflicht soll auf den Weg gebracht werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Dezember 2021 um 12:00 Uhr.