Lothar Wieler | Bildquelle: dpa

RKI-Präsident zu Corona-Zahlen "Massive Weiterverbreitung noch vermeidbar"

Stand: 14.10.2020 14:25 Uhr

Mehr als 5000 neue Corona-Fälle innerhalb eines Tages - so viele wie seit April nicht mehr. Aus Sicht von RKI-Präsident Wieler kann Deutschland ein exponentielles Wachstum der Neuinfektionen aber verhindern - durch gemeinsame Anstrengung.

Trotz der zuletzt stark gestiegenen Zahl von Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist eine massive Weiterverbreitung aus Sicht des Robert Koch-Instituts (RKI) derzeit noch vermeidbar. Er gehe davon aus, dass man in Deutschland das exponentielle Wachstum noch unterdrücken könne, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Gesundheitsminister Jens Spahn. "Aber dafür müssen wir uns auch anstrengen", so Wieler.

Erstmals seit April meldeten die Gesundheitsämter nach Angaben des RKI mehr als 5000 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages. Insgesamt belief sich die Zahl laut RKI auf 5132. Das sind mehr als 1000 Fälle mehr als noch am Vortag. Der letzte Höchstwert seit April waren 4721 neu nachgewiesene Fälle am vergangenen Samstag.

Allerdings sind die jetzigen Werte mit dem Frühjahr nur bedingt miteinander vergleichbar, weil mittlerweile wesentlich mehr getestet wird - und damit auch mehr Infektionen entdeckt werden. Das RKI schreibt zur momentanen Situation: "Aktuell ist ein beschleunigter Anstieg der Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten. Daher wird dringend appelliert, dass sich die gesamte Bevölkerung für den Infektionsschutz engagiert."

Wieler: Mehr Wissen im Umgang mit dem Virus

RKI-Chef Wieler bemerkte dazu, er halte die derzeitige Situation nicht für gefährlicher als die im Frühjahr. Insgesamt sehe er heute im Vergleich zum März viel mehr Erfahrung und Wissen im Umgang mit dem Virus, etwa um die Maßnahmen geschickter einzusetzen und um bei Ausbrüchen schnell zu reagieren. Sollten die Zahlen jedoch weiter steigen, steige aber die Gefahr, mahnte Wieler. Man müsse versuchen, sie klein zu halten. Entscheidend sei das Verhalten der Gesellschaft, das Virus selbst habe sich nicht verändert.

Angesichts eines steigenden Anteils von Covid-19-Fällen in der älteren Bevölkerung, rief Gesundheitsminister Spahn zur Grippeimpfung auf. Es sei wichtig, dass die Grippe die Pandemielage nicht erschwere und das öffentliche Gesundheitssystem nicht zusätzlich belaste. Wieler erinnerte daran, dass beide Erkrankungen, die Grippe und Covid-19, besonders für Ältere und chronisch Kranke gefährlich seien.

9000 freie Intensivbetten

Die Zahl der Corona-Patienten auf der Intensivstation stieg zwar in den vergangenen Tagen merklich, ist aber weiterhin vergleichsweise niedrig. So werden laut Daten des DIVI-Intensivregisters rund 620 Covid-Patienten intensivmedizinisch behandelt - eine Woche zuvor waren es noch rund 450. Insgesamt sind demnach in Deutschland aber noch knapp 9000 Intensivbetten frei.

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich nach RKI-Angaben mindestens 334.585 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion lag bei 9677. Das sind 43 mehr als am Vortag. Nach Schätzungen des RKI gibt es etwa 281.900 Genesene.

R-Wert sinkt leicht

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, liegt nach RKI-Schätzungen bei 1,18 (Vortag: 1,29). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas mehr als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Zudem gibt das RKI ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen liegt dieser Wert bei 1,20 (Vortag: 1,25). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Oktober 2020 um 09:00 Uhr.

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