Fläschchen mit Corona-Abstrichen in einem Labor | dpa

Coronavirus-Pandemie Inzidenz steigt erstmals auf Wert über 500

Stand: 16.01.2022 08:20 Uhr

Mit 515,7 erreicht die Sieben-Tage-Inzidenz laut RKI erneut einen Höchstwert - und steigt zum ersten Mal über die Schwelle von 500. Gesundheitsminister Lauterbach warnt davor, die Lage in den Kliniken zu unterschätzen.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat erneut einen Höchstwert bei der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz gemeldet. Demnach lag der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Sonntagmorgen bei 515,7 - und damit erstmals über der Schwelle von 500. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 497,1 gelegen. Vor einer Woche lag die bundesweite Inzidenz bei 362,7.

Schwerpunkt derzeit im Norden

Der Schwerpunkt der Virus-Ausbreitung liegt weiter in Norddeutschland und dort in den Stadtstaaten: Die höchste Sieben-Tage-Inzidenz weist laut RKI weiterhin Bremen auf mit einem Wert von 1401,2. Dahinter folgen Berlin mit 965,3 und Hamburg mit 831,5. Schleswig-Holstein verzeichnet einen Wert von 665,6. Aber auch in Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg und Hessen liegen die Werte inzwischen wieder über der Schwelle von 500.

Vor Beginn der Omikron-Welle hatten die meisten Bundesländer im Norden noch Inzidenzwerte deutlich unter dem Bundesdurchschnitt.

52.504 Corona-Neuinfektionen

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 52.504 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 04.32 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche waren es 36.552 Ansteckungen. Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 47 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 77 Todesfälle.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 7.965.977 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Lauterbach warnt vor "schweren Wochen"

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach warnt angesichts der Omikron-Welle und der geringen Impfquote in Deutschland vor einer hohen Zahl an Toten und massiven Einschränkungen bei Krankenhausbehandlungen. "Uns drohen in Deutschland sehr schwere Wochen", sagt Lauterbach der "Bild am Sonntag".

Derzeit erkrankten vor allem die Jüngeren mit vielen Kontakten. Doch sobald sich auch die Älteren infizierten, werde die Zahl der Krankenhauseinweisungen wieder steigen. Dann könne der Platz auf den Intensivstationen und auf den Normalstationen knapp werden. Deutschland habe im internationalen Vergleich eine ältere Bevölkerung mit vielen chronisch Kranken. Dies sei "brandgefährlich".

In dem Zeitungsinterview sagte er zudem, dass eine Impfpflicht seiner Ansicht nach drei Spritzen umfassen sollte. Nur so sei man gegen alle Corona-Varianten geschützt - zumindest vor schwerer Krankheit und Tod. "Daran muss sich die Impfpflicht orientieren", so der SPD-Politiker.

Mehr Covid-Kranke auf den Normalstationen

Die deutschen Klinken spüren bereits erste Auswirkungen der Omikron-Welle durch mehr Patientenaufnahmen mit Covid-Erkrankungen auf den Normalstationen. "Wir sehen diesen Anstieg auf den Normalstationen bereits in manchen Regionen, so zum Beispiel in Bremen, Berlin, Hamburg und Schleswig-Holstein", sagt der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, der "Augsburger Allgemeinen".

Wenn die Modelle sich bewahrheiteten, müsse man schon sehr bald mit mehr als 100.000 Infizierten pro Tag rechnen. Viele von ihnen müssten im Krankenhaus versorgt werden. Doch wegen der hochansteckenden Omikron-Variante werde es zu mehr Personalausfällen in den Kliniken kommen. Er appelliere deshalb an Haus- und Fachärzte, Patienten, die nicht unbedingt im Krankenhaus behandelt werden müssten, soweit es gehe ambulant zu versorgen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Januar 2022 um 04:50 Uhr.