Eine Frau in Schutzkleidung nimmt einen Abstrich. | dpa

Corona-Lage in Deutschland Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter an

Stand: 30.01.2022 07:45 Uhr

Täglich verzeichnet das RKI neue Corona-Höchstwerte: Die Inzidenz liegt inzwischen bundesweit bei 1156,8 - obwohl Experten von einer Untererfassung der Fälle ausgehen. Bremen kritisiert zudem die Hospitalisierungsinzidenz.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat einen weiteren Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz gemeldet und damit erneut einen Höchstwert für Deutschland. Das RKI gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Sonntagmorgen mit 1156,8 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 1127,7 gelegen. Vor einer Woche lag die bundesweite Inzidenz bei 806,8 (Vormonat: 207,4).

Die Stadtstaaten Hamburg und Berlin verzeichnen derzeit mit 1891,4 und 1848,1 die höchsten Inzidenzen, gefolgt von Bremen mit 1516,2. Am niedrigsten ist der Wert in Thüringen (448,5) Sachsen (621,5) und Sachsen-Anhalt (753,0). In allen anderen Bundesländern liegt er weit darüber. Zehn Länder melden eine Inzidenz über 1000.

Untererfassung wahrscheinlich

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages insgesamt 118.970 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche waren es 85.440 Ansteckungen.

Experten gehen von einer hohen und weiter steigenden Zahl von Fällen aus, die in den RKI-Daten nicht erfasst sind, unter anderem, weil Testkapazitäten und Gesundheitsämter vielerorts am Limit sind. Zudem melden einige Städte und Kreise seit Tagen Probleme bei der Übermittlung der Corona-Fallzahlen, weswegen das RKI die tagesaktuellen Daten häufig im Laufe des Tages noch nach oben korrigieren muss.

"Arbeitsquarantäne" bei zu vielen Ausfällen?

Angesichts der hohen Fallzahlen kann Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey es sich vorstellen, Infizierte ohne Symptome arbeiten zu lassen. "Sollte es in Bereichen der elementarsten Grundversorgung dazu kommen, dass wir den Betrieb mit dem gesunden Personal allein nicht mehr aufrechterhalten können, müssen wir schwerwiegendere Maßnahmen in Betracht ziehen", sagte die SPD-Politikerin der "Bild am Sonntag". "Dann ist es eine Option, dass Infizierte, die aber keinerlei Symptome haben, in bestimmten Bereichen im Ausnahmefall weiter zur Arbeit kommen."

Eine solche Arbeitsquarantäne könne natürlich nur unter strengen Schutzmaßnahmen umgesetzt werden: "Wer im Wasserwerk allein eine Maschine bedient, wer bei der Feuerwehr einen Brand löscht, kann das auch ohne größere Probleme mit symptomfreier Corona-Infektion tun." Anders sehe es bei Menschen aus, die im Krankenhaus oder in der Pflege mit Patienten zu tun hätten.

Bremen kritisiert Hospitalisierungsinzidenz

Die Zahl der in Kliniken gekommenen Corona-infizierten Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Freitag mit 4,72 an (Donnerstag 4,64). Darunter können auch Menschen mit positivem Corona-Test sein, die eine andere Haupterkrankung haben.

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte übte Kritik an diesem Wert, der sogenannten Hospitalisierungsinzidenz. "Da in der Pandemie harte Einschränkungen an die Hospitalisierungsinzidenz geknüpft sind, ist es zwingend erforderlich, dass die Zahlen vom RKI künftig nach genau definierten und einheitlichen Kriterien erhoben werden", sagte Bovenschulte der "Bild am Sonntag".

Hintergrund von Bovenschultes Kritik sind Schwankungen bei der Meldequalität in den einzelnen Bundesländern. Bremen, das auch an Wochenenden und Feiertagen zuverlässige Zahlen meldet, hatte am Freitag mit 13,82 die höchste Hospitalisierunginzidenz - drei Mal höher als der Durchschnitt. Selbst im November, als Corona-Patienten aus Sachsen in Bremer Krankenhäuser geflogen wurden, hatte Bremen einen höheren Wert als Sachsen, das mit dem Melden nicht hinterherkam. Bovenschulte forderte deswegen Änderungen bei der Erhebung des Wertes, "um eine bundesweite Vergleichbarkeit zu gewährleisten".

59 weitere Todesfälle

Deutschlandweit wurden mach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 59 Todesfälle verzeichnet. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 seit Beginn der Pandemie gestorben sind, stieg damit insgesamt auf 117.725. Vor einer Woche waren es 54 Todesfälle.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie rund 9,7 Millionen nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. Januar 2022 um 06:20 Uhr.