Studenten warten auf dem Unigelände in Mainz, um sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. | dpa

Corona-Pandemie Inzidenz steigt vor allem unter Jüngeren

Stand: 14.07.2021 15:55 Uhr

Bundesweit nimmt die Sieben-Tage-Inzidenz wieder zu - laut RKI vor allem in der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen. Erste Regionen reagieren bereits auf den erneuten Anstieg der Ansteckungen.

Seit mehreren Tagen nimmt die Sieben-Tage-Inzidenz bundesweit wieder zu. Derzeit liegt sie nach Angaben des Robert Koch-Institutes bei 7,1. Dabei stecken sich vor allem jüngere Menschen wieder mehr mit dem Coronavirus an, wie aus dem aktuellen Lagebericht des Institutes hervorgeht.

Besonders stark sei die Inzidenz in der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen innerhalb von zwei Wochen wieder angestiegen - von 10 auf 19. Auch bei Jugendlichen ab 15 Jahren spricht das RKI von einer leichten Zunahme der Infektionen. In anderen Altersgruppen hingegen sei die Inzidenz rückläufig oder konstant. Bei Senioren etwa lag der Wert ebenfalls binnen zwei Wochen kontinuierlich bei 1.

Längeres Warten auf die Impfung

RKI-Chef Lothar Wieler sieht einen Grund für die unterschiedliche Entwicklung bei der Inzidenz in der Impfquote. Jüngere Erwachsene mussten oder müssen teils deutlich länger auf einen Impftermin warten als ältere Bürgerinnen und Bürger. In der Altersgruppe ab 60 Jahren sind bisher fast 72 Prozent vollständig gegen das Virus geimpft. In den Altersgruppen darunter liegt die Quote derzeit bei insgesamt etwa 42 Prozent.

Im vergangenen Sommer war laut RKI ein ähnlicher Verlauf zu beobachten: Zunächst stiegen die Neuinfektionen unter den 15- bis 30-Jährigen wieder an, später auch in höheren Altersklassen. Doch Wieler betonte, dass die Voraussetzungen in diesem Jahr andere seien, ebenfalls mit Verweis auf die voranschreitende Impfkampagne. Allerdings bestehe aufgrund der Ausbreitung der Delta-Variante auch für Ältere noch ein Risiko, sich trotz Impfschutzes anzustecken.

Leichtes Plus an eingeschleppten Fällen

Das Reisen in den Ferien- und Sommerwochen zeigt bislang den Zahlen des RKI zufolge nur geringe Auswirkungen auf das Infektionsgeschehen in Deutschland. Allerdings hat die Zahl der eingeschleppten Fälle laut Wieler leicht zugenommen: In der vergangenen Woche verzeichnete das RKI 555 Corona-Fälle, bei denen sich die Betroffenen wohl im Ausland angesteckt hatten. In den Wochen zuvor schwankten die Zahlen zwischen 259 und 412 solcher Fälle.

Mehr als 1500 Neuinfektionen binnen eines Tages

Seit dem 6. Juli mit einem Tiefstwert von 4,9 steigt die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland wieder an. In den vergangenen 24 Stunden meldeten die Gesundheitsämter dem RKI 1548 Corona-Neuinfektionen und damit rund 550 mehr als vor einer Woche. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion stieg binnen eines Tages um 28.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.738.683 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. 91.287 nachweislich mit dem Virus infizierte Menschen starben.

Bundesregierung besorgt über Inzidenz-Anstieg

Die Bundesregierung zeigte sich angesichts der wieder steigenden Inzidenzwerte besorgt. "Wir hatten jetzt mehrere Tage, bei denen jeweils die Infektionszahl um 50, 55 Prozent höher als in der Vorwoche lag - das ist natürlich eine Entwicklung, die wir nicht gleichmütig betrachten können", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Lage in anderen Ländern Europas wie Spanien, den Niederlanden oder Großbritannien zeige, "wie schnell sich eine Situation wieder sehr verschärfen kann".

Die Sieben-Tage-Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen "Bundesnotbremse". Künftig sollen daneben nun weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

Verschärfungen in Niedersachsen

Vorerst greifen aber Städte und Landkreise weiter auf die Inzidenz zurück. So werden in manchen Regionen Niedersachsens die Regeln wieder verschärft, da die Zahlen hier stabil den ersten Schwellenwert von zehn Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche überschreiten. Von heute an gilt im Wolfsburger Stadtgebiet (Sieben-Tage-Inzidenz bei 16,9) bis auf Weiteres "Stufe 1". Dazu gehören Beschränkungen der Kontakte auf maximal zehn Personen, geschlossene Feiern in Restaurants mit nicht mehr als 100 Personen sowie eine Maskenpflicht auf Wochenmärkten. Diskotheken und Clubs dürfen nur noch bis zu 50 Prozent ihrer Kapazität nutzen.

In der Region Hannover (12,2) treten die verschärften Maßnahmen am Donnerstag in Kraft. Die entsprechende Allgemeinverfügung wurde bereits erlassen. Die Verschärfungen werden demnach erst zurückgenommen, wenn der Inzidenzwert an fünf aufeinander folgenden Werktagen wieder unter zehn liegt, wie der NDR berichtet.

Lockerungen in Sachsen

In Teilen Sachsens werden die Maßnahmen hingegen gelockert. Wie am Dienstag bekannt wurde, soll dort die Maskenpflicht beim Einkaufen bei einer Inzidenz von unter zehn fallen. Die Regelung greife ab kommenden Freitag, hatte Gesundheitsministerin Petra Köpping mitgeteilt. Ein Mund-Nasen-Schutz muss aber weiter in Bus und Bahn sowie in medizinischen Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Pflegeheimen getragen werden. Derzeit liegen alle Landkreise und Städte im Freistaat unter dem Schwellenwert von zehn wöchentlichen Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Juli 2021 um 16:00 Uhr.