Flugreisende mit Koffern am Frankfurter Flughafen | Bildquelle: dpa

Pläne der Bundesregierung Weniger Papier bei "Risiko"-Einreisen

Stand: 22.08.2020 18:59 Uhr

Mehr als 2000 Neuinfektionen: Die Zahl der Corona-Fälle steigt - und damit der Druck, dagegen vorzugehen. Die Bundesregierung plant etwa, Reiserückkehrer digital zu erfassen. Die bisherige Praxis hatte vor allem in Bayern für Probleme gesorgt.

Es ist laut dem Robert Koch-Institut der höchste Wert seit Ende April: Erstmals hat die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen in Deutschland wieder die Schwelle von 2000 überschritten. Insgesamt meldeten die Gesundheitsämter 2034 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages.

Die steigenden Fallzahlen seien derzeit nicht nur mit dem vermehrten Testaufkommen zu erklären, hatte das Robert Koch-Institut vor einigen Tagen mitgeteilt. Bundesweit gebe es eine große Anzahl kleinerer Ausbruchsgeschehen, die beispielsweise mit größeren Feiern im Familien- und Freundeskreis in Verbindung stehen, hieß es am Freitag. Corona-Fälle werden außerdem vermehrt unter Reiserückkehrern festgestellt.

Elektronische Einreiseanmeldung geplant

Im Kampf gegen eine weitere Ausbreitung der Pandemie sagt die Bundesregierung nun der Zettelwirtschaft beim Reisen den Kampf an: In anderen EU-Staaten ist es bereits möglich, sich bei der Rückkehr von einer Auslandreise elektronisch über eine spezielle Internetseite erfassen zu lassen. In Deutschland passiert dies bisher handschriftlich - auf sogenannten "Aussteigekarten" verzeichnen Reiserückkehrer aus Risikogebieten im Flugzeug oder Bus Angaben zu ihrer Person, zu Reiseorten, Gesundheitszustand. Das Bundesinnenministerium bestätigte die Digital-Pläne, über die das Magazin "Business Insider" zuerst berichtet hatte.

Demnach soll die Einreisemeldung für Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten künftig elektronisch erfolgen. Ziel sei es, dass alle Rückreisenden aus Risikogebieten die Möglichkeit bekommen, die derzeitige analoge Aussteigekarte noch vor der Rückreise über ein Onlineformular auszufüllen. Nach Abschluss der Anmeldung sollen die Reisenden eine Bestätigung erhalten, die zum Nachweis der erfolgten Registrierung genutzt werden kann.

In Bayern hatte die schriftliche Erfassung zwischenzeitlich für Chaos gesorgt: Mehr als 40.000 Rückkehrer waren tagelang nicht über ihr Ergebnis informiert worden, darunter Hunderte positiv Getestete. Der "Spiegel" berichtet, einige Fluglinien wüssten noch immer nicht, wie sie mit den ausgefüllten Selbstauskunftspapieren der Passagiere umgehen sollten.

Städtetag fordert Ausweitung der Tests

Auch der Deutsche Städtetag kritisiert die bisherige Praxis. Die von den Reisenden ausgefüllten Formulare gehen zuerst an die Gesundheitsämter des Einreiseortes und werden von dort an die Gesundheitsämter des Wohnortes überstellt. "Das sind Kisten voller Papiere", sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy. Das binde Personal und sei "vorsintflutlich". Man brauche einen Datenaustausch.

Der Städtetag fordert zudem, Reiserückkehrer in noch größerer Zahl zu testen. "Wir konzentrieren uns stark auf Flughäfen", so Dedy. "Aber wir haben ja auch Auslandsverkehre mit der Bahn oder mit Flixbus oder dem Auto. Und da haben wir noch eine Lücke, die wir füllen müssen." Das Angebot auch an Bahnhöfen und Busbahnhöfen für Rückkehrer aus Risikogebieten müsse verstärkt werden. "Das wird nicht überall gehen, aber kann helfen, um die Zeit bis zum Test nach der Rückkehr zu verkürzen."

Flugzeug bricht Start ab

Erst heute wurde der Fall einer Lufthansa-Maschine bekannt, die wegen eines Corona-Falles ihren Start am Frankfurter Flughafen abbrechen musste. Dem "Spiegel" zufolge hatte eine Frau an Bord des Flugzeugs, das bereits auf dem Weg zur Rollbahn gewesen sei, per E-Mail von einem positiven Corona-Testergebnis erfahren und das Kabinenpersonal informiert. Daraufhin habe der Pilot das Startmanöver gestoppt, die Frau verließ die Maschine.

Dem Bericht zufolge war sie in der vergangenen Woche aus einem Urlaub in Kroatien zurückgekehrt und hatte sich am Flughafen in München testen lassen. Das Testergebnis sei aber erst jetzt per E-Mail gekommen. Der Flug hob mit gut zwei Stunden Verspätung in Richtung Minsk ab.

Mit Informationen von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio

Reiserückkehrer: Bundesregierung will Daten digital erfassen
Kai Küstner, ARD Berlin
22.08.2020 18:48 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. August 2020 um 18:00 Uhr.

Darstellung: