Menschen beim Einkaufen in Lübeck | dpa

RKI warnt vor Omikron-Welle Fallzahlen sinken nicht schnell genug

Stand: 16.12.2021 22:10 Uhr

Das RKI schätzt die aktuelle Corona-Entwicklung als sehr besorgniserregend ein. Zwar gingen die Fallzahlen zurück, der der Anteil mit der Omikron-Variante steige. Das Problem: die hohe Verbreitungsgeschwindigkeit.

Nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) ist die aktuelle Entwicklung der Corona-Lage weiter sehr besorgniserregend. Die Zahl der Neuinfektionen sinke im Hinblick auf die hohe Belastung der Intensivstationen und die bevorstehende Omikron-Welle nicht stark und nicht schnell genug, schreibt das RKI in seinem aktuellen Wochenbericht. Alle Maßnahmen - etwa die Reduktion von Kontakten, das Tragen von Masken oder das Einhalten der Hygieneregeln - müssten aus diesem Grund aufrechterhalten oder sogar intensiviert werden.

Daneben sei eine rasche weitere Erhöhung der Impfraten dringend erforderlich, um die Kliniken vor Beginn einer zu erwartenden Omikron-Welle so weit möglich zu entlasten. Die maximale Reduktion der Übertragungen sei notwendig, um die zu erwartende Ausbreitung zu verlangsamen. Deshalb werde die Unterstützung jedes Einzelnen gebraucht.

Das RKI geht zudem davon aus, dass die Zahl der schweren Erkrankungen und der Todesfälle weiterhin zunehmen wird und die verfügbaren intensivmedizinischen Behandlungskapazitäten regional überschritten werden.

Sinkende Infektionszahlen, mehr Omikron-Fälle

Die Zahl der gemeldeten Corona-Neuinfektionen sei zwischen dem 6. und 12. Dezember um 13 Prozent im Vergleich zur Vorwoche gesunken, heißt es im aktuellen RKI-Wochenbericht. Auch der Anteil positiv getesteter Proben habe sich nicht weiter erhöht und liege nun bei 19,8 Prozent (Vorwoche: 20,6 Prozent). Trotz dieser Entwicklung würden nach wie vor sehr hohe Fallzahlen verzeichnet, die Belastung der Intensivstationen bleibe hoch.

Einen Zuwachs registrierte das RKI bei der Zahl der nachgewiesenen Infektionen mit der Omikron-Variante des Coronavirus. Bis zum 14. Dezember sind demnach 112 Fälle der besorgniserregenden Variante über eine Genomsequenzierung nachgewiesen. Bei 213 weiteren Fällen bestehe aufgrund eines spezifischen PCR-Tests der Verdacht darauf. Es gebe bereits erste Ausbrüche.

Anstieg der Omikron-Fälle bis Jahresende

Wenn die Verbreitungsgeschwindigkeit von Omikron in Deutschland der in anderen Ländern entspricht, sei ein Anstieg der Fallzahlen bis zum Jahresende möglich, sagte die Epidemiologin Berit Lange vom Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung in den tagesthemen. "Wenn es mit einer Verbreitungsgeschwingkeit von zwei bis vier Tagen auch bei uns vorangeht", so Lange, "dann ist es natürlich möglich, dass wir bereits Ende des Jahres, Anfang Januar tägliche Fallzahlen von mehreren Tausend bis mehreren Zehntausend durch Omikron haben".

Wie hoch die Fallzahlen letztendlich würden, dies sei vom Verhalten aller abhängig und von den Maßnahmen, die getroffen würden. Nach aktuellem Kenntnisstand seien zudem auch Geimpfte an der Vorbereitung der Omikron-Variante relevant beteiligt, sagte Lange in den tagesthemen, insbesondere dann, wenn sie noch keine Auffrischimpfung erhalten haben. "Das heißt, dass Kontaktbeschränkungen auch für Geimpfte möglicherweise notwendig werden."

"Frage der Zeit, bis Omikron übernimmt"

Bezogen auf die Gesamtzahl der Infektion spielt die Omikron-Variante allerdings in Deutschland noch kaum eine Rolle: Praktisch alle Infektionen würden zum jetzigen Zeitpunkt noch von der Delta-Variante verursacht, so das RKI. Doch es sei nur "eine Frage der Zeit, bis Omikron übernimmt", sagte RKI-Chef Lothar Wieler bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsministerr Karl Lauterbach (SPD). In Großbritannien und Dänemark breite sich Omikron schon rasant aus.

Mit Blick auf die Weihnachtstage sagte Wieler: "Weihnachten darf nicht zum Kickstart für Omikron werden." Er appellierte an die Bevölkerung, sich nur in kleinem Kreis und immer mit denselben Personen zu treffen. Diesen Kreis sollte man bereits jetzt festlegen. Und auch mit Impfung sollten sich Angehörige oder Freunde, die mit zu einer Risikogruppe zählenden Personen zusammenkommen, zuvor testen lassen. "Die Feiertage dürfen nicht zum Fest für das Virus werden", sagte Wieler.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Dezember 2021 um 02:15 Uhr.