Moselbrücke
Reportage

Corona-Sonderregel für Luxemburg Bloß keine Staus an der Grenze

Stand: 03.08.2020 12:08 Uhr

Wer aus Risikogebieten nach Deutschland einreist, soll künftig zu einem Coronatest verpflichtet werden. Für Luxemburg, das einzige an Deutschland grenzende Risikogebiet, gibt es jedoch Ausnahmen.

Von Lisa Krauser, SR

Im Laufe der Woche will Bundesgesundheitsminister Spahn verpflichtende Corona-Tests für Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten anordnen. Luxemburg ist momentan das einzige Risikogebiet, das direkt an Deutschland grenzt. Um den Pendlerverkehr nicht zu beeinträchtigen, soll es für das Land eine Sonderregelung geben.

Einmal über die Moselbrücke und Isabelle Licata ist in Luxemburg. Die Saarländerin fährt gerade zum Tanken über die Grenze. Unter der Woche arbeitet sie als Sozialpädagogin in einer luxemburgischen Nachmittagsbetreuung. Unwohl fühlt sie sich damit nicht, denn Luxemburg testet flächendeckend. Sowohl ihre Kollegen als auch Berufspendler aus dem Ausland wie sie bekommen alle paar Wochen eine Einladung zum kostenlosen Corona-Test. Das gebe ihr eher ein Gefühl von Sicherheit, sagt Licata.

Grenzkontrollen während der ersten Welle

Dass sie ohne Staus und Kontrollen nach Luxemburg fahren kann, ist nicht selbstverständlich. Während der ersten Welle der Corona-Pandemie im Frühjahr waren viele Grenzübergänge nach Luxemburg geschlossen. An den anderen kontrollierte die Bundespolizei. Nur Berufspendler und der Warenverkehr durften durch.

Als das Robert Koch-Institut Luxemburg Mitte Juli zum Risikogebiet erklärte, stand in der Grenzregion fest: Das will hier keiner mehr. Deshalb änderte die saarländische Landesregierung, wie zuvor Rheinland-Pfalz, ihre Quarantäneverordnung: Nur wer mehr als 72 Stunden in Luxemburg verbringt, muss im Saarland in Quarantäne. Auch Berufspendler, Studierende, Lebenspartner oder pflegende Angehörige sind von der Quarantänepflicht befreit.

Keine Teststationen oder Kontrollen an der Grenze

Und dabei bleibt es - auch wenn im Laufe der Woche die verpflichtenden Tests für Rückkehrer aus solchen Gebieten kommen sollen. Darauf hat sich die saarländische Gesundheitsministerin Monika Bachmann mit Bundesgesundheitsminister Spahn geeinigt.

Spahn habe zugestimmt, dass nur Einreisende, die länger als drei Tage in Luxemburg waren, zum Corona-Test verpflichtet werden können, sagt Bachmann erleichtert: "Uns war es so wichtig, dass keine Grenzen mehr geschlossen werden und dass man ungehindert den Pendlerverkehr nutzen kann. Und nicht jeden Tag eine neue Bescheinigung braucht."

Weder Kontrollen, noch Test-Stationen werde es an der saarländisch-luxemburgischen Grenze geben, so Bachmann. Es gelte aber weiterhin: Wer länger als drei Tage im Risikogebiet Luxemburg war, sei verpflichtet, das dem zuständigen Gesundheitsamt oder der Ortspolizeibehörde zu melden.

Monika Bachmann

Die saarländische Gesundheitsministerin Bachmann ist erleichtert, dass Bundesgesundheitsminister Spahn die Ausnahmeregelung mitträgt.

Asselborn: Luxemburg ist kein Ballermann

Die Regelung, die das Saarland mit dem Bundesgesundheitsministerium ausgehandelt hat, dürfte auch den luxemburgischen Außenminister freuen. Er hatte Mitte der Woche gewarnt: Mit Pflicht-Tests auf der deutschen Seite werde Luxemburg abgeriegelt.

Die Corona-Zahlen in Luxemburg seien vor allem deshalb so hoch, weil so viel getestet werde. Dafür dürfe sein Land nicht bestraft werden. Außerdem sei Luxemburg nicht mit anderen Risikogebieten vergleichbar, so Jean Asselborn: "Tests wenn man raus will, das geht nicht. Wir sind ein Land. Und wir sind auch keine Ballermann-AG. Menschen hier in Luxemburg leben nicht wie alle, die auf dem Ballermann feiern."

Jean Asselborn

Luxemburgs Außenminister Asselborn hatte vor einer Abriegelung seines Landes gewarnt.

Luxemburger benötigen meist negatives Testergebnis

Auch wenn die Pflichttests auf deutscher Seite nicht kommen - die Luxemburger sind trotzdem eingeschränkt: Seit das Großherzogtum Risikogebiet ist, müssen sie ein negatives Testergebnis mitbringen, außer sie arbeiten im Saarland oder haben einen anderen triftigen Grund, etwa die Pflege eines Angehörigen.

Das wird zwar nicht an der Grenze kontrolliert, viele schreckt es aber ab - sagt auch die Luxemburgerin Carol Goldschmit. Sie macht einen Sonntagsspaziergang an der Uferpromenade im luxemburgischen Remich. Fünf Minuten zu Fuß über die Moselbrücke und die Familie wäre im saarländischen Perl. Aber sie lässt es lieber: "Wir müssen ja dann alle einen negativen Test haben, die Kinder auch, und ich muss sagen, da haben wir keine Lust zu."

Carol Goldschmit

Die Luxemburgerin Carol Goldschmit verzichtet, über die Moselbrücke zu gehen.

Romano Wolf

Der Saarländer Romano Wolf hält sich vom Risikogebiet Luxemburg lieber fern.

Saarländische Camper meiden Luxemburg

Gegenüber der Promenade, auf der anderen Seite der Mosel, liegt ein saarländischer Campingplatz. Von dort hat man einen direkten Blick auf die Remicher Promenade. Der Blick nach drüben reicht den meisten. Nach der Quarantäneverordnung dürfen die Saarländer zwar rüber, solange sie nicht länger als drei Tage bleiben. Viele wollen aber gar nicht. Vom Risikogebiet halte er sich lieber fern, sagt der saarländische Urlauber Romano Wolf.

Berufspendler wie Isabelle Licata können sich nicht fernhalten. Sie ist froh, dass die Pflichttests auf deutscher Seite nicht kommen und Staus wegen Kontrollen damit ausbleiben.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 02. August 2020 um 23:15 Uhr.