Großraumbüro | Bildquelle: a (Weiss)

Stickstoffdioxid Richtwert gilt nun auch für Innenräume

Stand: 10.12.2018 16:17 Uhr

Zigarettenrauch, Gasöfen, Kerzen - sie lassen die Stickstoffdioxid-Belastung in Innenräumen steigen. Künftig sollen dort die gleichen Anforderungen wie für die Außenluft gelten.

Von Tobias Lübben, hr

Für den Schadstoff Stickstoffdioxid gilt demnächst auch für Innenräume der gleiche Wert für die maximale Jahresbelastung wie für die Außenluft. Das hat ein Bundes-Länder-Ausschuss beschlossen, wie der Ausschuss-Vorsitzende Martin Kraft auf hr-Anfrage bestätigte.

Der "Ausschuss für Innenraumrichtwerte" (AIR) verweist demnach auf den Richtwert der Weltgesundheitsorganisation WHO. Und der ist identisch mit dem für die Außenluft: 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel. Der Beschluss soll im kommenden Jahr im Bundesgesundheitsblatt veröffentlicht werden und dann als Richtwert für öffentliche Gebäude wie Kindergärten, Schulen oder Krankenhäuser gelten.

Ausschuss für Innenraumrichtwerte

Der Richtwert I beschreibt die Konzentration eines Stoffes in der Innenraumluft, bei der bei einer Einzelstoffbetrachtung nach gegenwärtigem Erkenntnisstand auch dann keine gesundheitliche Beeinträchtigung zu erwarten ist, wenn ein Mensch diesem Stoff lebenslang ausgesetzt ist

Der Richtwert II stellt die Konzentration eines Stoffes dar, bei deren Erreichen beziehungsweise Überschreiten unverzüglich zu handeln ist.

Arbeitsplätze, an denen mit Gefahrstoffen umgegangen wird, gelten Grenzwerte nach der Gefahrstoffverordnung. Für normale Innenräume treffen diese nicht zu.

Gleicher Richtwert wie für Außenluft

Verkehr | Bildquelle: picture alliance/dpa
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Für Innen- und Außenluft sollen künftig die gleichen Richtwerte gelten.

Damit wird denjenigen, die den Stickstoffdioxid-Grenzwert für die Außenluft von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft für zu streng halten, ein beliebtes Argument genommen. In der Diskussion um Dieselfahrverbote war dieser Grenzwert immer wieder als willkürlich kritisiert worden. Dabei wurde oft auf den vermeintlich höheren Innenraumrichtwert von 60 Mikrogramm verwiesen.

Dieser Verweis war allerdings auch schon bisher unzutreffend. Denn der Innenraum-Richtwert bezog sich nicht auf das Jahresmittel, sondern auf die maximale Belastung pro Woche. Zum Jahresmittel hatte der Ausschuss bisher gar keine Angaben gemacht. Diese Lücke wurde nun mit dem Verweis auf die WHO-Werte geschlossen.

Neue Richtwerte auch für kurzfristige Belastungen

Außerdem wurden zwei Richtwerte für die kurzzeitige Belastung durch Stickstoffdioxid festgelegt. Sie beziehen sich auf die maximale Stickstoffdioxid-Belastung innerhalb einer Stunde: Zum einen der so genannte Gefahrenwert von 250 Mikrogramm. Oberhalb dieses ist laut Ausschuss "unverzügliches Handeln" erforderlich.

Mann raucht eine Zigarette | Bildquelle: dpa
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Zigarettenrauch enthält ebenfalls viele Stickoxide.

Die Schadstoffquelle - zum Beispiel Abgase von Dieselfahrzeugen, die durchs Fenster in den Raum strömen, müsse gefunden und gestoppt werden. Ansonsten sei eine Gefährdung der Gesundheit nicht auszuschließen. Tatsächlich sind die Hauptquellen für Stickoxide in Innenräumen Experten zufolge aber nicht Dieselabgase, sondern Zigarettenrauch, Gasöfen oder qualmende Kerzen.

Daneben gibt es den "Vorsorgewert" von 80 Mikrogramm pro Stunde. Auch hier sollten die Betroffenen sicherheitshalber aktiv werden, auch wenn keine unmittelbare Gefahr drohe. Geringere Konzentrationen gelten als unbedenklich.

Den alten Wochen-Richtwert von 60 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft hat das Experten-Gremium fallen lassen. Der Ausschuss, dem Experten des Umweltbundesamtes und anderer Behörden angehören, hat sich nach eigenen Angaben dabei am aktuellen Stand der Forschung orientiert.

Leitschnur für öffentliche Gebäude und Büroarbeitsplätze

Anders als die EU-Grenzwerte für die Außenluft, die im Abgasskandal viel diskutiert werden, haben die Innenraumrichtwerte keine unmittelbare Gesetzeskraft. Sie gelten aber als entscheidende Richtmarke für die Luftqualität in öffentlichen Gebäuden oder an Büroarbeitsplätzen.

Schweißerin | Bildquelle: dpa
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Für Arbeitsplätze mit besonders hoher Stickoxid-Belastung gibt es Sonderregelungen.

Für Arbeitsplätze, die naturgemäß höhere Stickoxid-Konzentrationen mit sich bringen, gibt es Sonderregeln - zum Beispiel bei Schweißarbeiten oder beim Betrieb von Dieselmaschinen. Dort wird der Arbeitsplatzgrenzwert der Gefahrstoffverordnung herangezogen - und der liegt mit 950 Mikrogramm um ein Vielfaches über dem bestehenden Grenzwert für die Außenluft.

Manche sehen darin den Beleg, dass die EU-Grenzwerte für die Außenluft und nun auch die Innenraumrichtwerte zu streng sein. Dem widerspricht das Umweltbundesamt. Die Arbeitsplatzgrenzwerte hätten eine ganz andere Funktion: Sie dienten dazu, etwa bei Schweißarbeiten unmittelbare Gesundheitsschäden zu verhindern, zum Beispiel Augen- oder Lungenreizungen. Sie seien nicht als Maßstab für die Atemluft aller Menschen geeignet.

 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Dezember 2018 um 11:50 Uhr.

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