Soldaten des Panzergrenadierbataillons 371 aus dem sächsische Marienberg verladen Schützenpanzer "Marder" auf Güteranhänger der Eisenbahn (Archivbild). | dpa

Rüstungskonzern Rheinmetall 16 Marder-Panzer "auslieferfähig"

Stand: 13.09.2022 12:47 Uhr

Die Rufe nach Kampf- und Schützenpanzern aus Deutschland an die Ukraine werden immer lauter. Nun hat der Rüstungskonzern Rheinmetall 16 Marder-Panzer instand gesetzt - doch es fehlt die Ausfuhrgenehmigung.

Von Martin Schmidt, ARD-Hauptstadtstudio

Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat auf eigene Kosten 16 Marder-Schützenpanzer aus alten Bundeswehrbeständen weitestgehend wiederhergestellt, das teilt das Unternehmen auf Anfrage von NDR und ARD-Hauptstadtstudio mit. Sie seien auslieferfähig, doch bislang gebe es für diese keine Ausfuhrgenehmigung durch die Bundesregierung. Mit der Aufbereitung 14 weiterer Marder habe Rheinmetall bereits begonnen. Bei Bedarf könnten noch 70 weitere Fahrzeuge aus Altbeständen wieder nutzbar gemacht werden.

Martin Schmidt ARD-Hauptstadtstudio

Bislang lehnt die Bundesregierung ab, dass Schützen- oder Kampfpanzer westlicher Bauart in die Ukraine geliefert werden - unter Verweis auf eine derartige Verabredung mit anderen Partnerländern, die die Ukraine militärisch unterstützen.

FDP fordert mehr Waffenlieferungen

"Noch kein Land hat Schützen- oder Kampfpanzer westlicher Bauart geliefert und wir haben uns mit unseren Partnern darauf verständigt, dass wir da keine deutschen Alleingänge machen", erklärte Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht am Montag. Doch in den vergangenen Tagen kamen auch aus den Reihen der Ampelkoalition vermehrt Forderungen, Deutschland müsse die Ukraine stärker mit schweren Waffen unterstützen.

"Dadurch, dass die Ukraine derart kampfwillig ist, um ihr Land zu verteidigen, muss jetzt unterstützt werden, um die Erfolge zu untermauern", sagte die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses Strack-Zimmermann, FDP, im ARD-Morgenmagazin. Es sei wichtig, sofort entsprechende Panzer zu liefern.

Auf Twitter schrieb FDP-Parteichef Christian Lindner, die Regierung müsse jeden Tag prüfen, ob sie noch mehr tun könne, um der Ukraine beizustehen. Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Johannes Vogel, legte nach: Wenn er sich anschaue, "was wir an Marder oder Fuchs, an Panzern und gepanzerten Fahrzeugen an Möglichkeiten haben, finde ich, die müssen jetzt in die Ukraine geliefert werden".

Grünen-Co-Chefin Lang: Waffensysteme können Unterschied machen

Auch die Grünen-Co-Chefin Ricarda Lang sprach sich eindeutig für weitere Waffenlieferungen aus. Man müsse sich dabei auch die Bestände der Industrie anschauen. "Westliche Waffensysteme könnten in dem Abwehrkrieg der Ukraine gegen Russland einen Unterschied machen", so Lang. Es müsse mehr geliefert werden.

Die Verabredung, dass kein Land Schützen- oder Kampfpanzer liefere, sei "nicht in Stein gemeißelt", sagte SPD-Außenpolitiker Michael Roth im Deutschlandfunk. Entsprechende Gespräche könnten "ganz schnell gehen", so Roth, der auch Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag ist. Seines Wissens nach "könnten sowieso nur die USA und Deutschland diese Panzer liefern, die jetzt auch von der Ukraine erwartet werden."

Derweil erklärte die amerikanische Botschafterin Amy Gutmann, ihre Erwartungen an Deutschlands Ukraine-Hilfe sei "noch höher". "Wir müssen noch mehr tun, wir verteidigen ja gerade unseren eigenen Wohlstand, unsere eigene Demokratie", so Gutmann kürzlich im ZDF. Via Twitter legte die US-Botschaft nach: Die USA riefen alle Verbündeten und Partner dazu auf, "der Ukraine im Kampf um ihre demokratische Souveränität so viel Unterstützung wie möglich zu gewähren." Die Entscheidung über die Art der Hilfen liege letztlich aber bei jedem Land selbst.

Über dieses Thema berichtete am 13. September 2022 Inforadio um 07:00 Uhr und die tagesschau um 12:00 Uhr.