Kölner Dom | Bildquelle: dpa

Unternehmer in Corona-Krise "Existenzgefährdende Einbußen"

Stand: 11.03.2020 20:17 Uhr

Großveranstaltungen und Dienstreisen werden wegen der Corona-Krise abgesagt. Das trifft viele kleine Unternehmen hart. Wie gehen die Menschen mit der Situation um? Eindrücke aus NRW.

Von Marion Kerstholt, WDR

"Die Wartezeiten unserer Fahrer am Flughafen haben sich verdreifacht. Wo sie früher zwei Stunden auf Fahrgäste gewartet haben, stehen sie jetzt sechs Stunden", sagt Aleksandar Dragicevic vom Taxiruf Köln. Die Anzahl der Fahrten sei um mehr als die Hälfte zurückgegangen, erzählt er. "Solch einen Rückgang gab es noch nie."

Auch Caterer Felix Bartsch aus Brühl bei Bonn hat viele Absagen. Zwei große Messeaufträge sind bei ihm weggebrochen. Außerdem wurden auch kleinere Veranstaltungen abgesagt. 80 bis 90 Prozent Ausfälle hat er im März. Doch die Zutaten lagern bereits im Kühlhaus. Noch kommt er damit klar, aber Sorge hat er natürlich. "Ich weiß nicht, wie es weitergeht, wenn wir jetzt über drei, vier, fünf oder sechs Monate sprechen, dann ist das definitiv existenzbedrohend."

Das stellt auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Köln fest. "Unternehmen aus allen Branchen, die von den Absagen von Veranstaltungen, aber auch allgemein von der derzeit verringerten Mobilität und Reisetätigkeit betroffen sind, erleiden im Moment teils existenzgefährdende Einbußen", so Ulf Reichardt von der IHK Köln.

Taxistand
galerie

Ein Taxi-Unternehmer aus Köln sagt: "Solch einen Rückgang gab es noch nie."

"Es kommen nur Absagen rein"

So ergeht es nicht nur den Betrieben im Rheinland. Die Hotel- und Gastronomie in ganz Deutschland ist enorm getroffen, stellt der Bundesverband Dehoga fest. An einer Blitzumfrage des Verbands nahmen 11.000 Hotels, Restaurants und Caterer teil - 76 Prozent von ihnen kämpfen mit Ausfällen. "Es kommen nur Absagen rein, berichten unsere Mitglieder. Keine Neubuchungen", sagt Dehoga-Geschäftsführerin Ingrid Hartges.

"So etwas haben wir noch nie erlebt. Selbst in der Finanzkrise lag der Umsatzrückgang im Februar und März 2009 nur bei elf beziehungsweise zwölf Prozent. Doch jetzt gibt es auch keine Perspektive, wann es wieder besser wird", berichtet Hartges. Hilfe vom Staat sei in dieser Situation dringend notwendig, sonst seien viele Betriebe bald pleite.

Staatliche Hilfen - auch für kleine Firmen

"Wir sind immer für die Menschen da", sagt Aleksandar Dragicevic vom Taxiruf. "Bei Sturm, bei Katastrophen - wir sind dazu verpflichtet. Wir haben ja eine Beförderungspflicht. Wir würden unsere Konzession verlieren, wenn wir jetzt nicht mehr fahren würden." Systemrelevanten Unternehmen würde vom Staat geholfen werden, kleinen Betrieben aber nicht. Dabei benötigten gerade sie nun Hilfe, um die schwere Zeit zu überstehen.

Auch das Kurzarbeitergeld ist für die Betriebe in den nun betroffenen Branchen keine Hilfe. Die Taxibranche ist ein Niedriglohnbereich. Die Fahrer bekommen meist Mindestlohn. Doch beim Kurzarbeitergeld bekämen die Fahrer nur 60 Prozent des Gehalts. Da sie keine Rücklagen hätten, wäre das für sie keine Lösung. Sie würden dem Kurzarbeitergeld dann nicht zustimmen.

Kostenlose Suppe aus den Resten

Ähnlich ist es auch in Hotels und Gaststätten. In der Branche gibt es keine Erfahrungen mit Kurzarbeitergeld. "Wir haben bei uns viele kleine Betriebe. Da gibt es keine Personalabteilung. Da weiß keiner, wie man Kurzarbeitergeld beantragen muss und wir hören auch, dass die Service-Hotline der Agentur für Arbeit nur schwer erreichbar ist", sagt Dehoga-Geschäftsführerin Hartges. 55 Prozent der bei ihrer Organisation registrierten Betriebe haben einen Jahresumsatz unter 200.000 Euro. Diese Unternehmen haben kaum Rücklagen. Die Betriebskosten wie Pacht oder Zulieferleistungen laufen jedoch weiter.

Caterer Bartsch will der Lage nun wenigstens etwas Gutes abringen. Die Zutaten aus dem Lager hat er mit seinen 20 Mitarbeitern zu Kürbissuppe und Gulaschsuppe verarbeitet. Am Samstag auf dem Wochenmarkt in Brühl wird er die Gerichte als Streetfood austeilen. Die Beschenkten bittet er um Spenden für den Kinderschutzbund Brühl.

Über dieses Thema berichtete "Brisant" im Ersten am 11. März 2020 um 17:15 Uhr.

Darstellung: