Eine Rentnerin in einem Supermarkt. (Archivbild: 24.03.2020) | picture alliance/dpa

Vollzeitbeschäftigte Jedem Dritten droht Rente unter 1300 Euro

Stand: 01.01.2022 13:23 Uhr

Viele Vollzeitbeschäftigte müssen im Alter mit einer niedrigen Rente rechnen. Beim derzeitigen Rentenniveau landet jeder dritte Arbeitnehmer bei einer Bruttorente von unter 1300 Euro. Die Linkspartei fordert eine höheres Rentenniveau.

Jedem dritten Beschäftigten in Deutschland droht derzeit nach 45 Berufsjahren in Vollzeit eine Bruttorente von unter 1300 Euro im Monat. Das geht aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor, über die zuerst die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichtet hatten.

Den Angaben nach waren in Deutschland zum Stichtag 30. Dezember 2020 rund 21,45 Millionen Menschen in sozialversicherungspflichtiger Vollzeitbeschäftigung gemeldet. Davon müssen rund sieben Millionen mit einer Rente unter 1300 Euro kalkulieren. Nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung bedeute dies netto etwa 1160 Euro an Altersbezügen.

3200 Euro Lohn für 1500 Euro Rente

Beschäftigte müssen beim derzeitigen Rentenniveau den Angaben nach mindestens 2800 Euro im Monat vor Abzügen verdienen, um auf eine gesetzliche Rente von 1300 Euro brutto zu kommen.

Wer im Alter auf 1500 Euro Rente kommen will, muss nach derzeitigem Stand monatlich mindestens 3200 Euro brutto in Vollzeit verdienen. Um 2500 Euro brutto von der Rentenversicherung zu erhalten, ist aktuell ein Monatslohn von 5350 Euro vor Steuern und Abgaben erforderlich.

Bartsch fordert höheres Rentenniveau

"Es untergräbt das Vertrauen in die gesetzliche Rentenversicherung, wenn nach einem kompletten Arbeitsleben nur wenige hundert Euro über Hartz-IV-Niveau bleiben", sagte der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch den Zeitungen.

Die Zahlen der Bundesregierung zeigten, "dass viele Arbeitnehmer nicht nur zu wenig verdienen, sondern auch zu wenig Rente für ihre Lebensleistung erhalten". Bartsch fordert, das Rentenniveau müsse mindestens auf über 50 Prozent steigen. Es lag laut dem Rentenversicherungsbericht 2021 zuletzt bei 49,4 Prozent.

Bundesregierung: Eingeschränkte Aussagekraft

Das Bundesarbeitsministerium verwies in seiner Antwort auf die Anfrage jedoch darauf, dass die Auswertung der Zahlen keine direkten Aussagen zur Verdiensthöhe im Lauf eines gesamten Arbeitslebens zuließe. Es könne in Zukunft Lohnerhöhungen geben, die für die aktuellen Erhebungen noch nicht berücksichtigt werden konnten.

Ferner betonte die Regierung, aus erworbenen Rentenansprüchen könnten grundsätzlich keine Rückschlüsse auf den Lebensstandard im Alter gezogen werden, da etwa weitere Alterseinkommen außerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung berücksichtigt werden müssten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. Januar 2022 um 10:00 Uhr.