Die Wallfahrtskirche "Unserer Lieben Frau" steht kurz vor Sonnenaufgang im Morgennebel. | Bildquelle: dpa

"Religions for Peace"-Gipfel Den Glauben an die Religion schützen

Stand: 20.08.2019 02:42 Uhr

"Religions for Peace" ist das weltweit größte Bündnis von Religionsgemeinschaften. Die Erwartungen an das Treffen am Bodensee sind hoch: Es geht unter anderem um die Konflikte in Myanmar und Uganda.

Von Tilmann Kleinjung, BR

Schon die Ankunft der Delegierten in Lindau bietet ein Bild von hoher Symbolkraft. Aus den Shuttlebussen steigen muslimische Geistliche, jüdische Rabbiner, buddhistische Mönche. Alle leicht zu identifizieren an ihren traditionellen Gewändern und Kopfbedeckungen. Der Turban der Sikhs, der Schleier der katholischen Nonne.

Doch Lindau ist mehr als ein multireligiöses Panoptikum. Es geht darum, dass die Vertreter der verschiedensten religiösen Traditionen und Konfessionen miteinander ins Gespräch kommen. Zum Beispiel in Uganda. Hier gibt es zwischen der christlichen Bevölkerungsmehrheit und der muslimischen Minderheit immer wieder kleinere Konflikte, Reibereien. Drijaru Allen Solance ist eine Delegierte aus Uganda und setzt große Hoffnung in diese Versammlung:

"Ich hoffe, dass es zwischen den Religionen in meinem Land Einheit gibt, dass als Ergebnis dieser Konferenz die Religionen in Frieden und Harmonie miteinander leben."

Es sollen konkrete Ziele erarbeitet werden

Mit ähnlich hohen Erwartungen sind auch Teilnehmer aus Myanmar an den Bodensee gereist. 700.000 muslimische Rohingya wurden aus dem Land vertrieben, von radikalen Buddhisten. Hinter verschlossenen Türen versuchen Vertreter der Religionen aus Myanmar in Lindau wieder miteinander ins Gespräch zu kommen. Im besten Fall soll es konkrete Vereinbarungen geben, sagt Ulrich Schneider, der als Geschäftsführer das Treffen in Lindau vorbereitet hat.

"Es wird am Ende eine Abschlusserklärung geben, und das Besondere an dieser Erklärung ist, dass die tatsächlich hier erarbeitet wird. Und es soll ein Aktionsplan im Zentrum stehen, der konkrete Handlungsverabredungen für die nächsten Jahre gibt in einzelnen Nationen und Regionen."

"Religions for Peace" ist das weltweit größte Bündnis von Religionsgemeinschaften, aktiv in rund 100 Ländern. 1961 wurde die Organisation gegründet mit dem erklärten Ziel, dass Religionsvertreter in Krisen und Konflikten Friedensarbeit leisten. Das ist in Zeiten, in denen vor allem das Konfliktpotential von Religionen wahrgenommen wird, aktueller denn je, sagt der Generalsekretär von "Religions for Peace", William Vendley:

"Gewalt im Namen der Religion erregt Aufmerksamkeit. Gleichzeitig beginnen in kleinen Dörfern der Imam, der Geistliche, der Priester zusammenzuarbeiten; das ist ein globales Phänomen." 

Der sogenannte "Ring for Peace", ein 7,5 Meter hohes, hölzerneres Friedenssymbol steht im Luitpoldpark in Lindau. | Bildquelle: dpa
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Der sogenannte "Ring for Peace", ein 7,5 Meter hohes, hölzerneres Friedenssymbol steht im Luitpoldpark in Lindau.

Gewalt im Namen der Religion im Fokus

Doch auch in diesem Jahr haben vor allem verheerende Anschläge im Namen der Religion Schlagzeilen gemacht. Die Angriffe auf Kirchen in Sri Lanka und das Massaker in einer Moschee im neuseeländischen Christchurch. In Lindau wollen sich Spitzenvertreter von Glaubensgemeinschaften für einen weltweiten Schutz religiöser Stätten einsetzen, sagt der Buddhist Kyoichi Sugino aus Japan:

"Der Schutz heiliger Stätten ist immens wichtig, und eine Kultur des Friedens und des Respekts zu fördern. Diese Punkte müssen hier in Lindau gestärkt werden."

Die Bundesregierung unterstützt diese Ziele. Auch finanziell. Zusammen mit dem Freistaat Bayern ist das Auswärtige Amt ein wichtiger Sponsor der Lindauer Versammlung. Bundespräsident Frank Walter Steinmeier wird den Religionsgipfel eröffnen. Schon als Außenminister hat sich Steinmeier dafür stark gemacht, dass das Friedenspotential von Religionen ein Thema der Außenpolitik wird.

Vor dem Religionsgipfel in Lindau: Religions for Peace
Tilmann Kleinjung, ARD Rom
19.08.2019 23:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. August 2019 um 12:00 Uhr.

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