Strandkörbe stehen am Strand von Westerland | dpa

Trotz dritter Welle Bundesländer für kontaktloses Reisen

Stand: 19.03.2021 11:30 Uhr

In der Ferienwohnung oder im Wohnmobil trifft man kaum andere Menschen. Deshalb sollte diese Form des Reisens über Ostern erlaubt sein, argumentieren einige Bundesländer. Experten haben jedoch Bedenken.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig will sich für "kontaktlosen Urlaub" im eigenen Bundesland einsetzen. "Dass jetzt wieder der Mallorca-Urlaub sozusagen dem Urlaub im eigenen Land aus epidemiologischen Gründen vorgezogen wird, das versteht niemand", sagte sie im Deutschlandfunk.

"Die gegenwärtige Lage spricht für Rostock und gegen Mallorca", betonte Schwesig. Schon im vergangenen Jahr habe man schlechte Erfahrungen mit Auslandsreisen in Zeiten von Corona gemacht. Losgetreten wurde die Debatte unter anderem durch die Streichung Mallorcas von der Liste der Corona-Risikogebiete am vergangenen Freitag. Damit ist seit Sonntag der Urlaub auf der Insel im Mittelmeer wieder ohne Quarantäne und Testpflicht bei der Rückkehr möglich.

Werbung für Urlaub im eigenen Bundesland

Ähnlich argumentiert Sachsen-Anhalts Landeschef. Man sollte innerhalb des Bundeslandes sowohl reisen als auch Unterkünfte buchen können, forderte Ministerpräsident Reiner Haseloff in der "Bild". "Ich kann doch niemandem erklären, warum der gleiche Hausstand, der ohnehin zusammen wohnt, sich nicht mit den Kindern ins Auto setzen und in eine Ferienwohnung im eigenen Bundesland fahren darf", sagte er zur Begründung.

Der CDU-Politiker warnte davor, die Akzeptanz der Corona-Maßnahmen in der Bevölkerung durch nicht nachvollziehbare Regeln zu verspielen. "Wenn wir Regeln machen, die keiner versteht und viele ignorieren, erreichen wir auch nichts", sagte Haseloff. Neben Ferienwohnungen will Haseloff den Einwohnern seines Bundeslandes der "Bild" zufolge auch das Reisen in Wohnmobilen erlauben.

Niedersachsen skeptisch

Andere Länder wie Niedersachsen - das auch einen großen Tourismus-Sektor hat - sehen das jedoch anders. Er könne Bürger nur auffordern, auf Osterurlaub lieber zu verzichten, sagte Ministerpräsident Stephan Weil. Lockerungen für die Tourismusbranche in Niedersachsen hält er derzeit für unmöglich. "Da kann ich nach jetzigem Stand niemandem Hoffnungen machen." Derzeit gehe die Corona-Infektionskurve "deutschlandweit spürbar nach oben". Allerdings kritisierte auch er die Entscheidung, Urlaub auf Mallorca zu ermöglichen.

Experten warnen

Auch Experten sehen den Vorstoß zu mehr Reisen im Inland kritisch. So rät der Essener Virologe Ulf Dittmer generell von Osterreisen ab. Auch bei einem innerdeutschen Urlaub, etwa in einer Ferienwohnung, gab er zu bedenken: "Virusverbreitung und Infektionszahlen haben etwas mit Mobilität zu tun. Und natürlich würde das die Mobilität erhöhen."

Da die Infektionszahlen derzeit wieder exponentiell steigen, ist davon auszugehen, dass die Inzidenz um Ostern wieder über 200 liegen wird. Das zeigen Modellierungen verschiedener Institute und die Prognosen von führenden Experten wie dem Berliner Virologen Christian Drosten. "Wir werden kurz nach Ostern eine Situation haben wie um Weihnachten herum", sagte er in dem Podcast "Coronavirus-Update".

RKI rät von Reisen ab

Auch das Robert Koch-Institut rät von Reisen ab. "Das Infektionsgeschehen gewinnt an Dynamik", sagte Vizepräsident Lars Schaade zur Begründung. Er bat darum, Ostern im engsten Kreis zu verbringen und auf Reisen im In- und Ausland zu verzichten. "Mobilität und Kontakte sind die Treiber der Pandemie." Wenn an Ostern Menschen aus verschiedenen Regionen Deutschlands zusammenkämen, könne die Pandemie zusätzlich angeheizt werden. "Das müssen wir verhindern."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. März 2021 um 11:00 Uhr in den Nachrichten.