Mann und Frau durchstreifen das Feld mit einer speziellen Maschine

Thüringen Lavendelanbau - Wird Thüringen die kleine Provence?

Stand: 09.07.2024 19:10 Uhr

Die Lavendelfelder der Provence in Südfrankreich sind berühmt. Kilometerweit wogt dort das lila-blaue Meer. Nun wird in Thüringen erstmals auch Lavendel in etwas größerem Stil - auf 6.000 Quadratmetern - angebaut. Es ist ein Test, der von der FH Erfurt wissenschaftlich begleitet wird. Am Dienstag hat auf den sechs Probefeldern vom Altenburger Land über den Landkreis Gotha und Sömmerda bis nach Erfurt die Lavendelernte begonnen.

Von Antje Kirsten, MDR THÜRINGEN

Es duftet und es summt und brummt. Über die Lavendelbüsche hinter der Erfurter Fachhochschule flattern Tagfalter, fliegen Honig- und Wildbienen, einige Hummeln. In acht Reihen wächst hier der Lavendel und steht in prächtig lila-blauer Blüte. Bevor gleich die Erntemaschine mit lautem Brummen über die Pflanzen hinweggezogen wird, werden sie noch einmal vermessen.

Erste Lavendelernte in Thüringen beginnt

Jonas Buck, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Fachbereichs Gartenbau der Fachhochschule Erfurt, legt den Zollstock an: "Bei der Breite haben wir jetzt 63/65 Zentimeter. Bei der Höhe sind es 43 Zentimeter. Alles gut. Er hat sich sehr schön entwickelt".

Das duftet hier wie Urlaub. Meike Luderer-Pflimpfl |

Bucks Kollegin Meike Luderer-Pflimpfl staunt, dass der Lavendel im zweiten Standjahr schon so groß geworden ist. Der Klimawandel mit den heißen, trockeneren Sommern begünstige den Lavendelanbau. Allerdings haben der Regen und die Gewitter in den letzten Wochen den Erntetermin immer wieder nach hinten verschoben.

Nass kann die Arzneipflanze nicht geerntet werden, dann würde sie schimmeln. Beim Erntestart am Dienstag schien die Sonne und Meike brauchte schon am frühen Morgen ihren Sonnenhut: "Das duftet hier wie Urlaub", schwärmte sie.

Ein Mann hockt im Lavendelfeld und misst. Eine Frau steht daneben und schreibt sich die Daten auf.

Rebekka Döhnel und Jonas Buck von der Fachhochschule Erfurt begleiten den Lavendelanbau wissenschaftlich.

24.000 Pflanzen gesetzt

Im vergangenen Frühjahr waren thüringenweit auf sechs Versuchsflächen insgesamt 24.000 Pflanzen gesetzt worden. Da die Fördergelder erst spät bewilligt worden waren, musste man zur Sorte "Hidcote Blue" greifen. Die war schlichtweg die einzige noch schnell Verfügbare.

 Lavendel im starken Gegenlicht

Lavendelpflanzen haben einen hohen Gehalt an ätherischen Ölen. (Symbolfoto)

Sie hat einen nicht ganz so hohen Ölgehalt wie beispielsweise die Sorte Maillete, die in der Provence wächst. "Aber der Hidcote Blue wächst richtig gut hier in Thüringen", zieht Meike Luderer-Pflimpfl ein erstes noch vorsichtiges Fazit.

Aufwendiges Unkraut-Jäten

Das Forschungsprojekt läuft noch bis Sommer 2025 und erst dann wird feststehen, ob sich der Lavendelanbau für Agrarbetriebe im Freistaat lohnen könnte. "Es wird sicher eine Nische bleiben, aber für Direktvermarkter wird es vielleicht interessant", meint Jonas Buck.

Lavendelfeld

Manche Lavendelfelder in Südfrankreich erstrecken sich bis zum Horizont. (Symbolfoto)

Als problematisch, weil aufwendig, hat sich das Unkraut-Jäten erwiesen. Ackerwinde, Diestel und Co. mussten in Handarbeit entfernt werden. "Wir erforschen nicht nur, wie die Pflanzen sich auf den Thüringer Böden entwickeln sondern auch was das für die Insekten und für die Artenvielfalt insgesamt bedeutet und ob sich der Anbau rechnen könnte", erklärt Meike Luderer-Pflimpfl.

Ein Mann und eine Frau stehen an einem Tisch mit getrocknetem Lavendel

Der Lavendel soll destilliert und zu Öl verarbeitet werden.

Sechs Versuchsfelder in Thüringen

Das Forschungsprojekt "LaWiTa" wird von der Deutschen Bundestiftung Umwelt mit 300.000 Euro gefördert. Um den Anbau unter unterschiedlichen Bedingungen zu testen, wurden sechs Standorte quer über Thüringen verteilt ausgewählt.

Auf thüringenweit insgesamt einem halben Hektar blüht Lavendel nun in Versuchsreihen bei Nöbdenitz im Altenburger Land, bei Ollendorf im Landkreis Sömmerda, in Dachwig bei Gotha, am Gut Sambach bei Mühlhausen, am Ökohof Vorwerk Heygendorf im Kyffhäuserkreis und in Erfurt.

Mit einer Kräutererntemaschine wird die Arzneipflanze jetzt geerntet. Die Maschine wird von zwei Gärtnern langsam über die Büsche gezogen. Die Blüte landet in einem Sack, der an der Maschine angebracht ist. Insekten, die so gleich mit "geerntet" werden, werden gleich wieder freigelassen, während das Erntegut auf der Waage landet.

Meike ist zufrieden: "Das sieht sehr gut aus. Herrliche Blüten. Und wie das duftet! 24 Kilo pro Reihe. Wir haben hier acht Reihen. Das wird ein gutes Ergebnis".

Lavendel-Öl "made in thuringia"

Der Lavendel soll später destilliert und zu Öl verarbeitet werden. Vielleicht gibt es bald literweise Lavendel-Öl "made in thuringia".

MDR (caf)