Ein Stappel Papierkarten mit dem Schriftzug "Respekt für jeden" liegt auf einem Tisch in der AWO-Kita Meldorf.

Schleswig-Holstein Aktionswoche in Meldorf: Respekt wird auch zum Kita-Thema

Stand: 08.07.2024 20:26 Uhr

Lehrer und Erzieher beobachten mit Sorge, dass der Ton auch zwischen Kindern und Jugendlichen rauer wird. Ein Bündnis aus Meldorf will dieser Tendenz mit einer Woche für Respekt etwas entgegensetzen.

Von Julia Schumacher

Der Montagmorgen in der AWO-Kita in Meldorf (Kreis Dithmarschen), wie ihn Leiterin Annette Eckhardt beschreibt: 112 Kinder sitzen in der Kita-Halle im Morgenkreis zusammen - und: rappen. Im sogenannten Schutz-Rap geht es um Respekt, denn der steht im Mittelpunkt einer Aktionswoche in der Stadt Meldorf - auch bei den Kleinsten. "Wir haben uns mit dem Begriff Respekt auseinandergesetzt. Was bedeutet das eigentlich?", sagt Eckhardt, Mitinitiatorin der Woche "Wir für Respekt".

Anhand von Liedern, Büchern und Bildern wird in der Kita mit den Kindern über das zentrale Thema der Woche gesprochen: "Das sind Bildkarten, wo Kinder miteinander streiten oder wo sie sich gegenseitig in den Arm nehmen oder wo sie Bauklötze umhauen. Das sind Situationen, die wir mit den Kindern besprechen", sagt Eckhardt. Die Erzieher und Erzieherinnen stellen Fragen wie: Was habt ihr gesehen? Wie macht man das, was passiert da?

Annette Eckhardt, Leiterin AWO-Kita Meldorf, hält ein Blatt Papier hoch vor einer Kita-Gruppe in einem großen Raum.

In der AWO-Kita in Meldorf ist die Bedeutung von Respekt Thema im Morgenkreis.

Die Kita - ein Spiegelbild der Gesellschaft

Alles, was es in der Gesellschaft draußen gibt, gebe es in der kleinen Welt der Kitas auch, sagt Eckhardt. Dazu zählt neben intakten Familien und verschiedenen Kulturen eben auch Gewalt. "Wir stellen fest, dass das immer mehr ein Thema wird: Es gibt Gewalt zwischen Kindern, zwischen Eltern, zwischen Eltern und Kindern, zwischen jungen Erwachsenen und Eltern." Es sei vielfältig und viele Kinder würden das Thema Gewalt erleben. Und was in der Familie vorgelebt werde, hielten Kinder oftmals für richtig und ahmten es nach, so Eckhardt - auch dann, wenn Probleme mit Gewalt gelöst würden.

Mehrere Aktionen in der ganzen Stadt

Dass es auch ohne Gewalt und mit einem respektvollen Umgang geht, soll in dieser Woche intensiv gezeigt werden. Fairness und Respekt kann man zum Beispiel gut im Sport üben, deshalb soll es am Sonnabend ein großes Fußballturnier geben. Auch außerhalb von Kitas und Schulen gibt es ein Programm zum Mitmachen: einen Workshop zu Zivilcourage etwa im Familienzentrum. Für Freitag sind auf dem Rathausplatz in Meldorf dann zum Abschluss gleich mehrere Aktionen geplant. Alle Teilnehmenden erhalten ein Bändchen mit der Aufschrift "Wir für Respekt" - am Ende sollen 5.000 solcher Bändchen verteilt werden.

Annette Eckhardt, Leiterin AWO-Kita Meldorf, blickt in die Kamera bei einem Interview.

Kita-Leiterin Annette Eckhardt ist Mitinitiatorin der Woche "Wir für Respekt".

Auch alle Meldorfer Schulen nehmen teil

Seit 2008 gibt es in Meldorf bereits das Bündnis "Wir gewinnt" - gegründet wegen einer zunehmenden Zahl an Kindern und Jugendlichen in schwierigen Lebenssituationen und einem fehlenden Draht zwischen den verschiedenen Einrichtungen. "Wir für Respekt" sei eine Untergruppe davon, so Eckhardt. Seit einem Jahr planen und organisieren sie die Aktionswoche für Respekt in Meldorf.

Mit dabei sind das Jugendzentrum Meldorf, alle Schulen der Stadt, der Kreis Dithmarschen, die AWO, die Diakonie, die Polizei, das Förderzentrum und das Kinderschutzzentrum. Außerdem beteiligen sich Geschäfte und das Dithmarscher Landesmuseum an der Woche. "Wir wollen ein Signal für ein starkes Miteinander setzen," sagt Annette Eckardt.

Dieses Thema im Programm:
NDR Fernsehen | Schleswig-Holstein Magazin | 08.07.2024 | 19:30 Uhr