Für den Getöteten sind Blumen und Kerzen aufgestellt worden.

Sachsen-Anhalt Tödliche Prügelattacke in Magdeburg: Opfer wollte offenbar Freund schützen

Stand: 17.05.2024 13:49 Uhr

Vergangene Woche sollen Jugendliche in Magdeburg einen 33-Jährigen so schwer verprügelt haben, dass dieser an den Folgen starb. Nun sind in dem Fall weitere Details öffentlich geworden. Danach wollte der 33-Jährige offenbar einen Freund beschützen. Ein Haftbefehl gegen die Verdächtigen wurde bisher nicht erlassen.

Von MDR SACHSEN-ANHALT

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Nach der tödlichen Prügelattacke auf einen Mann in Magdeburg sind weitere Einzelheiten bekannt geworden. Wie die Bild-Zeitung am Freitag berichtet, wollte der 33-Jährige einen Freund beschützen, der eine geistige und körperliche Behinderung hat. Eine Polizeisprecherin wollte dazu auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT nichts sagen. Sie bestätigte aber, dass das Opfer zusammen mit zwei anderen Männern in der vergangenen Woche unterwegs war. Sie waren dann von einer Gruppe Jugendlicher angegriffen worden.

Mutmaßliche Täter sind 14 und 16 Jahre alt

Zu der Prügelattacke war es bisherigen Erkenntnissen zufolge in der Nacht von Christi Himmelfahrt auf Freitag vor einem Kiosk im Stadtteil Neu Olvenstedt gekommen – zwischen dem Scharnhorstring und dem Bruno-Taut-Ring. Die drei mutmaßlichen Täter im Alter von 14 und 16 Jahren sollen den 33-Jährigen so schwer verletzt haben, dass er notoperiert werden musste. Als der Mann am Boden lag, sollen sie ihn laut Zeitung schwer am Kopf verletzt haben. Auch dazu wollte sich die Polizeisprecherin nicht äußern. Das Opfer starb vier Tage später an den Verletzungen. Bei einer Obduktion soll nun die genaue Todesursache herausgefunden werden.

Tatverdächtige auf freiem Fuß

Was genau zu der Eskalation mit den drei jugendlichen Tatverdächtigen geführt hat, sagten die Beamten nicht. Auch nicht, ob Alkohol eine Rolle gespielt haben könnte. Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit neue Vorwürfe gegen die drei Tatverdächtigen. Zunächst hatte der Haftrichter die Tat als gemeinschaftliche Körperverletzung bewertet und daher keinen Haftbefehl gegen die Jugendlichen erlassen. Nach Angaben der Behörde steht nach dem Tod des Opfers aber mindestens eine Körperverletzung mit Todesfolge im Raum.

Jugendclub, in dem die drei Tatverdächtigen Hausverbot bekommen haben.

In diesem Jugendclub haben die Verdächtigen laut Bild-Zeitung inzwischen Hausverbot bekommen.

Attacke wurde offenbar gefilmt

Die Magdeburger Volksstimme hatte am Donnerstag berichtet, dass es von der Tat ein Video geben soll. Nach aktuellen Erkenntnissen der Polizei sollen bei der Attacke keine Gegenstände oder Waffen zum Einsatz gekommen sein – die Verletzungen sind demnach mit Fäusten und Füßen verursacht worden. Ob die Tatverdächtigen vorbestraft waren oder nicht, ist aktuell nicht bekannt.

Wann Jugendliche in U-Haft genommen werden können

Aus dem Jugendgerichtsgesetz geht hervor, dass es eine Untersuchungshaft bei Jugendlichen nur dann geben darf, wenn andere Schritte (beispielsweise eine Unterbringung in einem Heim der Jugendhilfe) nicht ausreichen. Im Haftbefehl muss demnach erklärt werden, warum eine U-Haft im konkreten Fall nicht unverhältnismäßig ist. Begründet wird das im Gesetz mit besonderen Belastungen des Vollzuges für Jugendliche.

Sind Jugendliche noch unter 16 Jahre alt, darf U-Haft wegen Fluchtgefahr nur dann verhängt werden, wenn schon ein Fluchtversuch vorlag oder die Person in Deutschland keinen festen Wohnsitz oder Aufenthaltsstatus hat.

Befinden sich Jugendliche in U-Haft, muss das Verfahren besonders schnell durchgeführt werden.

Quelle: Jugendgerichtsgesetz

Die Magdeburger Staatsanwaltschaft teilte am Freitag mit, dass sie sich zu dem Fall nicht weiter äußern will. Das Verfahren solle nicht erschwert werden, zudem seien die "schutzwürdigen Interessen der jugendlichen Tatverdächtigen im Jugendstrafverfahren zu beachten".

MDR (Leonard Schubert, Nadine Hampel, Anja Höhne, Marvin Kalies, Moritz Arand, Norma Düsekow, Susanne Ahrens, Kalina Bunk) | erstmals veröffentlicht am 11. Mai 2024