Nordharzer Städtebundtheater

Sachsen-Anhalt Harztheater in finanziellen Schwierigkeiten – Beschäftigte demonstrieren für Erhalt

Stand: 31.05.2023 15:18 Uhr

Das Nordharzer Städtebundtheater wird zum Harztheater. Ab September ist die erste Spielzeit unter neuem Namen. Doch ob der Theaterbetrieb überhaupt eine Zukunft hat, scheint unklar: Das Haus ist während der Corona-Pandemie ins Minus gerutscht. Nun droht Stellenabbau. Dagegen haben am Donnerstag rund 100 Theaterleute vor dem Landtag in Magdeburg demonstriert.

Nordharzer Städtebundtheater

Das Nordharzer Städtebundtheater hat feste Häuser in Halberstadt und Quedlinburg und bespielt zudem diverse Orte im Landkreis Harz.

Das Nordharzer Städtebundtheater, künftig Harztheater, ringt mit Unterfinanzierung. Geschäftsführer Christian Fischer sagte am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Halberstadt, das werde nach dem Tal der Corona-Zeit nun deutlich. Demnach ist 2022 ein Defizit von rund zwei Millionen Euro aufgelaufen. Als Grund gab das Haus auch Tarifsteigerungen, Inflation und hohe Energiekosten an.

35 Stellen am Harztheater bedroht

Das Harztheater wird zu 50 Prozent vom Land Sachsen-Anhalt finanziert, die andere Hälfte kommt von den Trägerkommunen Landkreis Harz, Halberstadt und Quedlinburg. Diese sind den Angaben nach nicht bereit, das Defizit auszugleichen. Das Land müsse drauflegen, so Fischer. Andernfalls stünden 35 Planstellen zur Disposition – das mache das Orchester aus.

Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra sagte, die Zukunft des Theaterbetriebs habe hohe Bedeutung. Es obliege aber den Trägerkommunen, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, um den künstlerischen Betrieb auf eine solide finanzielle Grundlage zu stellen. Mehrere Gewerkschaften fordern einen runden Tisch, um Wege für die Finanzierung und die Zukunft des Theaters zu finden.  

Proteste vor dem Landtag in Magdeburg

Mit einer Demonstration vor dem Landtag in Magdeburg haben Beschäftigte des Harztheaters am Donnerstag auf die unsichere Situation ihres Hauses aufmerksam gemacht. Rund 100 Theaterleute demonstrierten mit Musik und Schildern vor dem Beginn der Landtagssitzung für den Erhalt des Nordharzer Städtebundtheaters mit seinen drei Sparten.

Auf ihren Schildern war etwa zu lesen: "Sichert die Zukunft des Harztheaters", "Sein oder nicht sein!?" und "Ist das Kunst oder kann das weg?". Auch Musiker*innen und Schauspiele*innen des Theaters Magdeburg waren bei den Protesten dabei und solidarisierten sich mit ihren Kolleg*innen, wie eine Sprecherin erklärte.

Pläne für die Spielzeit 2023/24

Für die kommende Spielzeit 2023/24 plant das Harztheater rund 16 Premieren. In der Musiktheatersaison stehen gleich zwei Jubiläen an: Zum einen werde das 1949 als Volkstheater eröffnete Halberstädter Theaterhaus 75 Jahre alt, was mit Richard Wagners "Das Rheingold" gefeiert werden soll. Das Musical "Elixier" von Kati Naumann und Prinzen-Frontmann Tobias Künze soll im September am Harztheater das 25. Jahr seiner Entstehung feiern. Des weiteren seien das Musical "My Fair Lady", die Operette "Schön ist die Welt" von Franz Lehár sowie die Oper "La Bohème" geplant.

Im Schauspiel bringt das Dreispartenhaus unter anderem die Farce "Mein Kampf" nach George Tabori auf die Bühne sowie "Corpus Delicti" nach Juli Zeh und "Misery" nach dem Roman von Stephen King. Die Harzer Sinfoniker haben sechs Sinfoniekonzerte geplant. Dabei sollen Werke von Béla Bartók, Ludwig van Beethoven und Felix Mendelssohn Bartholdy gespielt werden. Im Ballett steht das Tanzstück "Jagen" von Olga Labovkina auf dem Programm. Kinder können sich auf eine Ballettversion von "Der Kleine Prinz" freuen.

 (Quelle: dpa / redaktionelle Bearbeitung: Cornelia Winkler)