Sujetbild: Schafe auf einer Wiese | Tierschützer erheben Vorwürfe gegen einen Schäfer aus dem Kreis Neuwied. Er soll Tiere illegal geschlachtet haben, so die Kritik.

Rheinland-Pfalz Hat ein Schäfer im Kreis Neuwied Schafe illegal geschlachtet?

Stand: 09.07.2024 14:50 Uhr

Der Verein ANINOVA erhebt schwere Vorwürfe gegen einen Schäfer: Er soll immer wieder Tiere ohne Betäubung geschlachtet haben. Die Behörden haben reagiert.

Am Dienstagmorgen ist der Veterinär des Kreises Neuwied auf das Gelände in der Verbandsgemeinde Asbach gefahren, auf dem sich der Stall des beschuldigten Schäfers befindet. Der Kreisveterinär hat sich nach Angaben der Verwaltung selbst ein Bild von der Lage gemacht, weil man die Anschuldigungen ernst nehme.

Auch die Polizei war nach Informationen des SWR vor Ort, ebenso der beschuldigte Schäfer selbst. Hintergrund sind Videoaufnahmen, die mit versteckter Kamera aufgenommen wurden und Verstöße gegen den Tierschutz belegen sollen. Nach Angaben des Kreises gab es im Rahmen zurückliegender Kontrollen keine Auffälligkeiten in dem Betrieb.

Behörden machen bislang keine Angaben, auch Schäfer sagt nichts

Weder der Kreisveterinär noch die Polizei haben etwas zu den Vorwürfen gegen den Stallbetreiber gesagt, bevor sie das Gelände am Dienstag wieder verlassen haben. Nähere Auskünfte behält sich die Staatsanwaltschaft Koblenz vor. Sie hat dem SWR bislang nur bestätigt, dass sie Ermittlungen eingeleitet hat. Kurzfristig könne man dazu aber noch nichts sagen.

Auch der beschuldigte Schäfer hat den Hof verlassen ohne mit der SWR-Reporterin, die vor Ort war, zu sprechen.

Tierschutzverein macht Schäfer aus dem Kreis Neuwied schwere Vorwürfe

Hintergrund sind Beschuldigungen des Tierschutzvereins ANINOVA e.V.: Er wirft dem Schäfer vor, in seinem Stall in der Verbandsgemeinde Asbach immer wieder gegen den Tierschutz verstoßen zu haben.

Nach Angaben des Vereins werden in dem Stall im Westerwald rund 1.500 Schafe gehalten. Die Tierschützer haben nach eigenen Angaben dort zwischen Ende April und Ende Juni 2024 mit versteckten Kameras gefilmt. Die Videos sollen zeigen, wie der Schäfer selbst, aber auch Mitarbeiter Tiere schlagen, treten und misshandeln. Hauptvorwurf aber ist, dass die Videoaufnahmen auch mehrfach zeigen sollen, wie Schafe ohne vorherige Betäubung geschlachtet werden, indem ihnen die Kehle aufgeschnitten wird.

Die Polizei wertet dieses Aufnahmen jetzt aus.  

Informationen zu ANINOVA e.V.

Der Verein ANINOVA e. V. hieß ursprünglich Deutsches Tierschutzbüro e.V., er hat seinen Sitz in Sankt Augustin in Nordrhein-Westfalen. Sein Zweck ist es nach eigenen Angaben, Missstände in der industriellen Massentierhaltung und in der Zucht von Pelztieren zu dokumentieren und zu veröffentlichen. Neben dem Verein gibt es noch die ANINOVA-Stiftung, die eigenen Angaben zufolge Tiere aus der Massentierhaltung oder aus Pelzzuchtfarmen rettet und sie auf Lebenshöfen unterbringt und versorgt. Der Verein sorgt immer wieder für Schlagzeilen, weil er unter anderem mit versteckten Kameras Missstände in Schlachthöfen aufgedeckt hat. Etwa im November 2018 in einen Schlachthof in Oldenburg. Ein Gericht bestätigte später, dass auf den Videoaufnahmen strafbare Tierquälerei zu sehen war. Quelle: Wikipedia

ANINOVA e.V. fordert Tierhalteverbot für Schäfer aus dem Westerwald

Den Angaben von ANINOVA zufolge liegt dem Betrieb keine Schlachtlizenz vor. Zudem sei das betäubungslose Schlachten in Deutschland generell verboten und nur in Ausnahmefällen möglich.

Die Tierschutzorganisation hat nach eigenen Angaben am Dienstagmorgen die Kreisverwaltung informiert und auch eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Koblenz gestellt. Sie fordert ein Tierhalteverbot, sagt Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender von ANINOVA.

Sendung am Di., 9.7.2024 10:00 Uhr, SWR4 am Vormittag, SWR4

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