Flughafen Berlin-Brandenburg | picture alliance / Markus Mainka / CHROMORANGE

Nordrhein-Westfalen BER lahmgelegt: Scharfe Kritik an Aktion der Klimaaktivisten

Stand: 25.11.2022 10:06 Uhr

Für die Blockade des Flugbetriebs auf dem Berliner Flughafen BER müssen die Aktivisten der "Letzten Generation" viel Kritik einstecken. Auch Klimaforscher verurteilen das Vorgehen.

Anhänger der Klimagruppe "Letzte Generation" haben am Donnerstag den Berliner Flughafen BER ins Visier genommen und den Flugverkehr für etwa zwei Stunden lahmgelegt. Nach Angaben der Bundespolizei verschafften sich zwei Gruppen bestehend aus jeweils mehreren Menschen am Nachmittag Zugang zum Flughafengelände. Einige von ihnen hätten sich am Boden festgeklebt.

Für ihre Aktion mussten die Aktivisten viel Kristik einstecken. Im Podcast "Die Wochentester" nannte Klimaforscher Mojib Latif das Vorgehen "völlig kontraproduktiv". Es werde nicht mehr über das Thema Klima diskutiert, sondern nur noch über die Art des Protestes, kritisierte der Wissenschaftler vom Kieler Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung.

Die Aktionen seien in einer demokratischen Gesellschaft "ein No-Go". "Stellen Sie sich mal vor, jeder, der ein berechtigtes Anliegen hat, würde sich festkleben oder irgendwelche Kunstwerke beschädigen oder bewerfen", sagte Latif. "Wir würden im Chaos enden und das geht überhaupt nicht. Deswegen habe ich kein Verständnis dafür." Der Zweck heilige nicht die Mittel.

"Keine negativen Folgen für andere Menschen"

Auch die deutsche Sonderbeauftragte für internationale Klimapolitik, Jennifer Morgan, hat die Verhältnismäßigkeit der Proteste angemahnt. "Wir brauchen das Engagement der jungen Menschen und der Zivilgesellschaft. Aber jeder Einsatz für den Klimaschutz muss im Rahmen der Gesetze unserer Demokratie bleiben", sagte die Staatssekretärin im Auswärtigen Amt den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Klimaprotest darf keine negativen Folgen für andere Menschen haben."

Der Essener CDU-Bundestagsabgeordnete Matthias Hauer bezeichnete die "Letzte Generation" angesichts der neuerlichen Aktion als "kriminelle Vereinigung". "Der Rechtsstaat darf es sich nicht gefallen lassen, dass sie eine Straftat nach der anderen begehen."

Auch Bundesverkehrsminister Volker Wissing kritisierte das Vorgehen scharf. Das Demonstrationsrecht sei zwar ein Grundrecht, doch die Aktionen würden "immer skrupelloser", teilte der FDP-Politiker über eine Sprecherin mit. "Die Gesellschaft kann ein solches Verhalten nicht hinnehmen."

Insgesamt fünf Starts mussten durch die Aktion am Donnerstag gestrichen werden. Die Polizei nahm mehrere Personen in Gewahrsam. Gegen sie werde Anzeige wegen gefährlichen Eingriffs in den Flugverkehr, Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung erstattet, teilte das Polizeipräsidium Brandenburg mit.

Flugzeug mit NRW-Ministerin musste wieder umdrehen

Zu spüren bekommen hat die Aktion auch NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach. Sie war auf dem Weg nach Berlin zu einem Treffen mit anderen Ministern. Doch das Flugzeug musste wegen der Sperrung wieder umdrehen. Bei Twitter machte die CDU-Politikerin ihrem Ärger Luft.

Stream im Internet

Die Anhänger von "Letzte Generation" streamten die Aktion live bei Twitter. Dort war zu sehen, wie sie kurz nach 16 Uhr einen Zaun durchknipsten und auf das Flughafengelände gingen. Anschließend hielten sie Banner in die Kamera und erklärten ihre Motive. Es war auch zu sehen, wie sich Aktivisten am Boden festklebten und andere Fahrrad fuhren. Etwa zehn Minuten nach Beginn der Aktion war im Livestream Blaulicht zu erkennen, wenig später waren auch Polizisten zu hören.

In einer Erklärung hieß es, dass die Regierung den Flugverkehr jährlich mit Milliarden-Subventionen fördere, während eigentlich ein Umstieg von Flugzeugen und Autos in die Bahnen nötig sei. Gefordert wurde eine Fortsetzung des 9-Euro-Tickets.

Straßen, Gemälde und ein Dirigentenpult im Visier

Die Aktivisten der Gruppe haben in den vergangenen Wochen immer wieder den Straßenverkehr blockiert, sich an Gemälden in Museen festgeklebt und in dieser Woche in der Hamburger Elbphilharmonie an einem Dirigentenpult - um Aufmerksamkeit auf die Folgen des Klimawandels zu lenken. Stattdessen ernteten sie für die Aktionen aber viel Kritik. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der "Augsburger Allgemeinen" hielten 86 Prozent der Befragten die Proteste für kontraproduktiv.

Über dieses Thema berichten wir am 24.11.22 auch in der Aktuellen Stunde im WDR Fernsehen und in den WDR aktuell Hörfung-Nachrichten.

Quelle: wdr.de