Rewe-Einkaufskorb | dpa

Nordrhein-Westfalen Nach Obi jetzt auch Rewe: Supermarktkette stellt Werbeprospekte ein

Stand: 27.07.2022 18:29 Uhr

Die Rewe-Märkte wollen ihre Werbeprospekte zum 1. Juli 2023 einstellen. In einem ersten Schritt wird die Auflage ab August um vier Millionen gesenkt.

Mehr als 28 Milliarden Werbeprospekte landen jährlich in den Briefkästen deutscher Haushalte. Nach Deutschlands größter Baumarktkette Obi hat auch die Supermarktkette Rewe am Mittwoch angekündigt, darauf bald verzichten zu wollen: Zum 1. Juli 2023 sollen der Druck und die Verteilung der Prospekte komplett eingestellt werden. Obi macht das bereits seit Juni.

90 Prozent lesen gelegentlich Prospekte

Noch gehören Prospekte und Handzettel zu den am meisten verbreiteten Werbemitteln in Deutschland. Jede Woche landen sie in Abermillionen Exemplaren in den Briefkästen. "Viele Familien lesen sie samstags am Frühstückstisch. Sie werden aktiv konsumiert – und das macht sie für den Handel so wertvoll. Das ist etwas ganz anderes, als wenn man mit Fernsehwerbung, Radiospots oder Online-Bannern berieselt wird und das mehr oder weniger unwillig über sich ergehen lässt", sagt Jens-Peter Gödde vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH).

Nach einer repräsentativen Umfrage vom IFH lesen 90 Prozent der Menschen in Deutschland zumindest gelegentlich gedruckte Prospekte - gut drei Viertel aller Befragten sogar jede Woche. Auf Prospekte und Handzettel zu verzichten ist für Handelsketten also nicht ohne Risiko. Für die Umwelt aber ein enormer Zugewinn: "Die milliardenfache Herstellung gedruckter Werbung führt zu Unmengen unnötigen Abfalls, verschwendet Ressourcen und heizt massiv den Klimawandel an", sagt die Deutsche Umwelthilfe.

Positive Umwelt- und Energieeffekte

Gleichzeitig erhöhen die dramatisch gestiegenen Papierkosten den Druck auf die Händler, andere Wege in die Köpfe der Kunden zu finden. Allein Rewe lässt nach eigenen Angaben bisher wöchentlich rund 25 Millionen Handzettel verteilen. Rewe-Chef Lionel Souque betonte: Mit dem Verzicht auf Prospekte reduziere man den CO2-Fußabdruck massiv. Die Umstellung spare 7.000 Tonnen CO2, 1,1 Millionen Tonnen Wasser und 380 Millionen Kilowattstunden Energie pro Jahr. Mehr als 73.000 Tonnen Papier landen künftig nicht mehr Müll - das entspricht dem Gewicht von mehr als 600 Blauwalen.

Statt auf Prospekte will der Konzern stärker auf digitale Kanäle und Anzeigen in klassischen Medien setzen. In einem ersten Schritt will Rewe ab Anfang August die Auflage der Prospekte um vier Millionen Stück senken. Laut Leif Miller, Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), eine "wichtige Entscheidung zum Wohle der Natur, der hoffentlich viele Wettbewerber im Lebensmitteleinzelhandel folgen werden."

Andere Firmen machen es vor

Neben der Baumarktkette Obi haben auch andere Firmen gedruckter Werbung bereits abgedankt: 2018 stellten die Versandhäuser Otto und Obi die Produktion ihres Katalogs ein, 2020 folgte Möbelriese Ikea.

Kritik an Obi hatte unlängst der Bundesverband Druck und Medien (BVDM) geäußert: Wenn die Obi-Baumärkte die Umstellung von gedruckten Prospekten auf Online-Kommunikation mit dem Argument "der Umwelt zuliebe" begründeten, dann sei dies "scheinheilig". Die digitale Kommunikation mit ihrem deutlich größeren Bedarf an Energie und nicht nachwachsenden Rohstoffen sei mitnichten umweltfreundlicher als Print.

Aldi, Lidl und Edeka halten an Prospekten fest

Für Supermärkte sei der Verzicht auf Werbeprospekte nach Einschätzung von Experten jedoch eine noch größere Herausforderung. "Gerade in der aktuellen Zeit erwarten viele Kunden gezielt die Prospekt-Zustellung, um sich zu informieren, wo sie die günstigsten Lebensmittel in bester Qualität kaufen können", verteidigte etwa Aldi Süd die Prospekt. Auch Lidl schloss sich dem an. Beide Ketten verteilen zwar auch digitale Prospekte - halten aber an der gedruckten Ausgabe fest.

Ähnlich geht auch die Supermarkt-Kette Edeka vor: Zwar werde man künftig verstärkt auf digitalen Kanälen werben. Das Unternehmen wisse aber, dass viele Kunden nicht auf den gedruckten Handzettel verzichten möchten. "Und auch diese Menschen wollen wir erreichen."

Werbung unerwünscht? Das können Sie tun

Daneben gibt es viele Verbraucherinnen und Verbraucher, die mit Reklame in Form von Werbeprospekten rein gar nichts anfangen können und erbost darüber sind, dass sie all das Papier in ihrem Briefkasten auch noch entsorgen müssen. Um dieses Problem zu lösen, können sie einen Aufkleber "Werbung unerwünscht“ an ihren Briefkasten anbringen. Weitere Tipps bieten Verbraucherschützer:

Quelle: wdr.de