Die spanische Tattoo Künstlerin Debora Cherrys arbeitet am Arm einer Frau. | WDR/ picture alliance/ZUMAPRESS.com/Ramon Costa

Nordrhein-Westfalen Giftig? Deshalb sind viele Tattoofarben jetzt verboten

Stand: 04.01.2022 08:35 Uhr

Sich ein buntes Tattoo stechen lassen - damit ist jetzt erst einmal Schluss. Denn die EU hat einige der Farben verboten. Weil sie die Gesundheit schädigen sollen. Nur: Wirklich erwiesen ist das offenbar nicht.

Bitte ein Tattoo! Viele Frauen und Männer hierzulande lassen sich eins stechen. Nach einer repräsentativen Befragung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) haben rund zwölf Prozent der deutschen Bevölkerung einen solchen Körperschmuck.

Doch die Lust auf ein neues Tattoo dürfte vielen erst einmal vergangen sein. Denn die EU verbietet ab Dienstag zwei Drittel aller Farben, die beim Tätowieren zum Einsatz kommen. Der Grund: Zwei Farbpigmente enthalten Konservierungs- und Bindemittel, die im Verdacht stehen, gesundheitsschädlich und krebserregend zu sein. Einige Farben enthalten Schwermetalle wie Cadmium oder Nickel.

Nur noch dunkle Töne beim Tätowieren

Damit können ab sofort beim Tätowieren nur noch dunkle Töne verwendet werden. Doch was die Branche der Tätowierer in Rage bringt: Wissenschaftliche Studien, die die gesundheitsschädigende Wirkung der Farbstoffe eindeutig belegt, gibt es nach ihrer Einschätzung nicht.

Der Dermatologe Stephan Große-Büning sagte dem WDR, die hauptsächlichen Nebenwirkungen beim Tätowieren seien Allergien und Infektionen. Zudem könnten unter anderem die Schwermetalle, die einige Farben enthalten, zur Krebsentstehung beitragen. Allerdings sei nicht zweifelsfrei erwiesen, dass Tattoo-Pigmente eindeutig krebserregend sind. Es gebe aber auch keine Studien, die dies widerlegten.

Der Düsseldorfer Tätowierer Frank-Dieter Lodahl weiß nach eigenen Angaben von niemanden, der oder die durch die Tattoo-Farben gesundheitlich beeinträchtigt wäre. "Ich kenne Tätowierer in ganz Europa, und da ist nichts passiert, null Komma null", sagte Lodahl dem WDR.

Zweifellos schadstofffreie Farben als Lösung?

Lodahl sieht die Gefahr, dass viele nunmehr ins Ausland abwandern, um sich dort illegal tätowieren zu lassen. Eine Lösung des Problems könnte sein, dass die Hersteller möglichst bald zweifellos schadstofffreie Farben auf den Markt bringen. Aber das, betonte Farbenproduzent Ralf Michel gegenüber dem WDR, sei gar nicht so einfach. Entweder sind die Farben nicht brillant oder sie lassen sich einfach nicht vernünftig beim Tätowieren einsetzen.

Weil nunmehr viele Tattoo-Studios in Europa vor dem Aus stehen, haben deren Betreiber eine Petition gestartet. Sie wollen durchsetzen, dass die Regelung aufgeschoben oder ausgesetzt wird. Bislang haben 120.000 Menschen unterzeichnet. Damit ist sie eine der erfolgreichsten Eingaben, die beim Europäischen Parlament eingebracht wurde. Ob es den Tattoo-Freunden hilft? Abwarten.

Quelle: wdr.de