St. Marien Krankenhaus in Ratingen

Nordrhein-Westfalen Letzter Tag im St. Marien Krankenhaus in Ratingen

Stand: 15.05.2024 19:06 Uhr

Nach monatelangem Hin und Her hat das St. Marien Krankenhaus in Ratingen heute endgültig zu gemacht. Die Mitarbeiter und Ratinger trauern um das einzige Krankenhaus ihrer Stadt.

Von Joel Bamiselu

Der Himmel über dem St. Marien Krankenhaus ist grau, als Evita Schütz zum letzten Mal aus dem Backstein-Gebäude in Ratingen kommt. „Traurig, das ist schon ein Stich ins Herz. Wir haben versucht es mit den schönen Momenten gehen zu lassen, aber es ist schon echt traurig“, sagt die Gesundheits- und Krankenpflegerin. Ihre Augen fangen kurz an zu glänzen.

15.05.2024 18:07

Krankenpfelgerin Evita Schütz vor dem St. Marien Krankenhaus

Letzter Tag im St. Marien Krankenhaus in Ratingen

Obwohl schon seit einer Woche keine Patienten mehr im St. Marien Krankenhaus liegen, sind heute nochmal alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gekommen. Evita hat mit ihrem Team gefrühstückt, ist durchs Haus gezogen, hat sich an viele schöne, aber auch stressige Momente erinnert. Gleich nach der Schule hat sie hier ihr FSJ absolviert und anschließend die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin gemacht. Über 10 Jahre hat sie im St. Marien Krankenhaus gearbeitet. Das Haus ist für sie wie ein zweites Zuhause geworden. „Wenn man nicht zuhause war, war man hier. Das ist eine zweite Familie gewesen“.

Keine Lösung für das St. Marien Krankenhaus

Das endgültige Aus kam Anfang April, als die Insolvenz des Krankenhauses verkündet wurde. Dass es keine Zukunft für die Klinik gibt zeichnete sich jedoch schon lange ab. Seit dem vergangenen Jahr hatte die Geschäftsführung nach Investoren gesucht. Erfolglos. Die Auslastung des Krankenhauses sei zu niedrig, um kostendeckend zu arbeiten. Lange hatten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um ihr Krankenhaus gekämpft und eine Petition gestartet. Auch Gespräche zwischen der Stadt und dem Träger konnten die Schließung nicht verhindern. Für die nächsten Wochen bleiben zwei Notfallpraxen am St. Marien Krankenhaus geöffnet. Ab September sollen aber auch die schließen.

Anwohner sorgen sich um die Gesundheitsversorgung

Schild des St. Marien Krankenhauses Ratingen

Schild des St. Marien Krankenhauses Ratingen

Das St. Marien Krankenhaus war die einzige Klinik in Ratingen. Für die Menschen hier heißt das, dass sie im Notfall sehr viel weiter fahren müssen oder auf Hilfe warten müssen. Vielen Bürgern hier macht das Angst. Majid ist extra nochmal gekommen, um sich von der Klinik zu verabschieden. „Ich treibe viel Sport. Man hat mal ne offene Wunde, bricht sich was… Also dieses Krankenhaus hat mich und meine Freunde oft gerettet.“, sagt er und lacht dabei. Auch Anwohnerin Margot Kleinert macht sich sorgen, wie es ohne das Krankenhaus weitergehen soll. „Gruselig. Ganz ganz gruselig ist das. Mein Bruder ist gerade im Krankenhaus und der musste schon nach Mettmann. Da wird einem mal Bewusst was für Wege da jetzt auch zurückgelegt werden müssen, wenn was passiert.“ 

Nächsten Krankenhäuser in Kaiserswerth

Passantin am St. Marienhospital Ratingen

Passantin am St. Marienhospital Ratingen

Mit über 90.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist Ratingen die einwohnerstärkste Stadt ohne eigenes Krankenhaus. Doris Döpler macht das Angst. „Ja, das ist ganz schlecht. Wenn was passiert müssen wir gucken, dass wir nach Kaiserswerth kommen. Gerade für die Älteren, die nicht mehr mobil sind ist das ein Problem."

Gesundheits- und Krankenpflegerin Evita Schütz hat eine neue Stelle gefunden. Trotzdem wird sie ihr Team und das Haus in Ratingen vermissen. „Es ist ein Neustart, aber da ist auch viel Trauer. Ich gehe mit vielen positiven Erinnerungen. Die bewahre ich mir auch im Herzen.“

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter vor Ort