Fahrlehrer gibt der Fahrschülerin den Autoschlüssel

Nordrhein-Westfalen Fahrschulen in Westfalen-Lippe: Mehr Täuschungsversuche bei Prüfungen

Stand: 13.02.2024 11:14 Uhr

Nach Angaben von TÜV Nord wurden allein im vergangenen Jahr in ganz Westfalen 113 Täuschungsversuche aufgedeckt. Das hat wohl auch mit schwierigeren Prüfungen zu tun, sagt der Verband.

So wurde zum Beispiel ein Prüfling mit einer Minikamera im Knopfloch erwischt. Die Kamera hat das Bild nach außen übertragen. Ein anderer Fahrschüler hatte einen Stellvertreter zur theoretischen Prüfung geschickt, der für ihn die Aufgaben schreiben sollte. Diese und andere Täuschungsversuche hat TÜV Nord bei den Theorieprüfungen für den Führerschein in Westfalen-Lippe aufgedeckt.

Wer erwischt wird, muss mit Sanktionen rechnen. Möglich seien etwa mehrmonatige Sperren für eine erneute Prüfung oder die Anordnung einer medizinisch-psychologischen Untersuchung. Ob diese Instrumente genutzt werden, entscheidet allein die zuständige Fahrerlaubnisbehörde.

Täuschungsversuche nehmen insgesamt zu

Im Jahr 2023 gab es in Westfalen-Lippe 113 Täuschungsversuche, 19 davon allein im Kreis Warendorf. Insgesamt hätten Fahrschulen im vergangenen Jahr häufiger mit Täuschungsmanövern ihrer Schülerinnen und Schüler zu tun gehabt, sagt der TÜV Nord. Der Vergleich zum Jahr 2022 macht es deutlich: In ganz Westfalen-Lippe wurden nur 86 Täuschungsversuche aufgedeckt.

TÜV Nord: schwierigere Prüfungen

Bei den Ursachen für die steigende Zahl kann Class Alexander Stroh vom TÜV Nord nur mußmaßen. Möglicherweise werden mehr Täuschungsversuche entdeckt, weil die Prüfer und Prüferinnen sensibler dafür sind. Klar ist für Stroh aber auch: die theoretischen Prüfungen seien schwieriger geworden. Stroh verweist dabei auf die Digitalisierung.

Mittlerweile werden den Prüflingen Filmsequenzen vorgespielt, in denen komplexe Verkehrssituationen gezeigt werden, zu denen Fragen gestellt werden. "Wurden Fragen aus dem Katalog für die theoretische Führerscheinprüfung früher noch auswendig gelernt, ist dieses nicht mehr möglich. Wechselnde Bilder und Variationen der dargestellten Verkehrsszenarien machen ein schematisches Lernen nahezu unmöglich", meint Stroh.

Weniger Interesse am Verkehrsgeschehen

Fahrschüler und Fahrlehrerin sitzen in einem Auto.

Fahrschüler haben kaum Erfahrung mit Straßenverkehr

Deutlich spürbar sei außerdem ein sinkendes Interesse am Verkehrsgeschehen. Stroh sieht die Ursache an der steigenden Smartphone-Nutzung. Wer jahrelang als Beifahrer den Verkehr mitbeobachtet, habe mehr Erfahrung mit dem, was im Straßenverkehr passiert.

Stattdessen würden aber viele nur noch auf ihr Smartphone schauen und nicht am äußeren Geschehen teilnehmen. Das habe Einfluss darauf, ob die Prüflinge komplexe Verkehrssituationen - egal ob in Theorie oder Praxis - richtig beurteilen können, meint Stroh.

Fahrlehrerverband: sinkende Fähigkeiten

Der Fahrlehrerverband Münster stellt außerdem sinkende Fähigkeiten fest. Die meisten Schülerinnen und Schüler brauchen für das Erlernen von Theorie und Praxis mittlerweile deutlich länger als noch vor wenigen Jahren, so der Verband. An Sprachbarrieren könne es nicht liegen, meint der TÜV-Nord. Neben der deutschen Sprache können für die Prüfung mittlerweile zwölf weitere Sprachen ausgewählt werden.

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporterin
  • TÜV Nord
  • Fahrlehrerverband Münster

Über dieses Thema berichtet der WDR am 13.02.2024 im Fernsehen in der Lokalzeit Münsterland und im Radio auf WDR 2.