Kardinal Rainer Maria Woelki | dpa

Erzbistum Köln Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Woelki

Stand: 09.11.2022 20:06 Uhr

Nachdem eine frühere Mitarbeiterin der Personalabteilung des Erzbistums den Kardinal schwer belastet hat, ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft Köln gegen Rainer Maria Kardinal Woelki.

Eine ehemalige Mitarbeiterin hat den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki beschuldigt, frühzeitig über Missbrauchsvorwürfe gegen den früheren Sternsinger-Chef Winfried Pilz informiert worden zu sein. Woelki hatte in zwei eidesstattlichen Versicherungen vor Gericht erklärt, erst im Juni dieses Jahres mit Missbrauchs-Vorwürfen gegen Winfried Pilz befasst gewesen zu sein. In einem Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" sagt nun die frühere Assistentin des Personalchefs im Erzbistum, sie habe schon 2015 für den Kardinal eine Liste mit früheren Missbrauchstätern erstellt und den Kardinal persönlich damit befasst.

Sie habe es "nicht mehr ausgehalten (...), Dinge aus erster Hand zu wissen, die den öffentlichen Aussagen von Kardinal Woelki widersprechen, speziell zum Fall des früheren Sternsinger-Präsidenten Winfried Pilz", sagt die frühere Assistentin des Personalchefs im Erzbistum der Zeitung.

Mitarbeiterin erstellte Liste mit 14 Namen

Auf der Liste, die sie erstellt habe, hätten 14 Namen gestanden, darunter der von Pilz. Ihr Chef habe die Liste in ein Gespräch mit Woelki mitgenommen. Hinterher habe sie ihren Chef gefragt, was Woelki zu der Liste gesagt habe. Darauf habe dieser geantwortet: "Das hat den Kardinal überhaupt nicht interessiert." Sie sei daraufhin "wie versteinert" gewesen.

Auf die Frage, ob sie wegen ihres Gangs an die Öffentlichkeit arbeitsrechtliche Konsequenzen fürchte, sagt die Frau der Zeitung: "Wenn das Erzbistum das versuchen sollte, dann ist das eben so." Sie stelle aber eine Gegenfrage, nämlich, ob der Dienstgeber keine Loyalitätspflichten habe. "Ich finde, wie der Erzbischof hier mit den Tatsachen umgeht und sich nicht einmal im Ansatz bemüht, zumindest intern Klarheit zu schaffen, das ist eine Missachtung des Einsatzes und der guten Arbeit der Mitarbeitenden." Was der Erzbischof sage, sei illoyal - auch ihr gegenüber als Verfasserin der Liste.

Erzbistum weist Vorwürfe erneut zurück

Nachdem die Kölner Staatsanwaltschaft noch Ende September die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen mangelnden Anfangsverdachts abgelehnt hatte, hat sie laut Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn am Mittwoch förmliche Ermittlungen aufgenommen. Für das Erzbistum ist das keineswegs die Bestätigung der Vorwürfe gegen Woelki: Vielmehr werde nun geprüft, ob sich ein Verdacht erhärte. "Auch dieser erneute Versuch, Kardinal Rainer Maria Woelki eine falsche Eidesstattliche Versicherung zu unterstellen, ist unbegründet", teilte ein Sprecher des Erzbistums am Nachmittag mit.

Das Erzbistum will jetzt zudem prüfen, ob es gegen die ehemalige Mitarbeiterin im Generalvikariat, die seit vielen Jahren an einer anderen Stelle eingesetzt ist, arbeitsrechtliche Schritte einleitet.

Quelle: wdr.de