Die marode Stockleff-Mühle am Leinekanal in Göttingen ist kaputt und heruntergekommen.

Niedersachsen Wegen Denkmalschutz: Aus für Welthaus-Pläne in maroder Mühle

Stand: 16.05.2024 06:44 Uhr

Die Arbeitsgemeinschaft Welthaus will ihr Konzept nicht mehr in der Stockleffmühle in Göttingen umsetzen. Denkmalschutzauflagen stünden dem Raumkonzept entgegen. Die Stadt ist von dem Aus überrascht.

Von Wieland Gabcke

Die denkmalgeschützte Stockleffmühle am Göttinger Leinekanal steht seit rund 20 Jahren leer. Bedeutend ist das Fachwerkhaus wegen des massiven Dachstuhls aus dem 16. Jahrhundert. Eine Göttinger Initiative wollte das Gebäude denkmalgerecht sanieren und als sogenanntes Welthaus nutzen. Als Ort der Begegnung und des Austauschs für zivilgesellschaftliche Organisation. Vergangenen Sommer hatten die Initiative und die Stadt Göttingen gemeinsam eine Realisierungsstudie vorgestellt. Die Stimmung war hoffnungsvoll. Doch nun hat die AG Welthaus verkündet, die Pläne zu beerdigen.

Raumkonzept geplatzt: Denkmalschutz gegen Nutzung des Dachstuhls

Auslöser ist der Denkmalschutz. Die Landesdenkmalpflege hatte Bedenken geäußert, was die Nutzung des Dachbodens angeht. "Das eindrucksvolle Dachtragwerk wäre bei einer geplanten Dachnutzung als technikgeschichtliches Zeugnis von hoher Bedeutung wohl verloren gegangen", sagt Tobias Wolf von den Landesdenkmalpflege auf Anfrage des NDR in Niedersachsen. Das Landesamt habe jederzeit für Beratungsgespräche bereit gestanden, um eine denkmalgerechte Lösung zu entwickeln. Für die Baugenehmigung sei die Stadt Göttingen zuständig.

Die marode Stockleff-Mühle am Leinekanal in Göttingen ist kaputt und heruntergekommen.

Seit rund 20 Jahren steht die Stockleffmühle in Göttingen leer. Alle Pläne für eine Sanierung und Nutzung des städtischen Gebäudes sind bisher gescheitert.

AG Welthaus wirft Stadt Göttingen Hinhaltetaktik vor

Josef Weßling von der AG Welthaus zeigt sich irritiert von den Einwänden. Vor allem, nachdem die AG in enger Abstimmung mit der Stadt Göttingen die Realisierungsstudie entwickelt hatte. "Unser Konzept war damals aber schon, wir wollen den Dachboden nutzen", sagt Weßling. Sonst funktioniere das Raumkonzept für das Welthaus nicht. "Die Stadtverwaltung hat dann mit allen Mitteln versucht uns auszureden, den Dachstuhl zu nutzen", kritisiert Weßling. Außerdem seien wichtige Fragen seit Monaten nicht beantwortet worden. Die Initiative wirft der Stadt eine Hinhaltetaktik vor. "Da haben wir uns gesagt: Das macht alles keinen Sinn", sagt Weßling. Wenn sie die Flächen nicht nutzen könnten, dann passe es eben nicht.

Stadt ist überrascht von dem Rückzieher und bietet Gespräch an

Die Stadt Göttingen ist überrascht von der plötzlichen Absage. "Die Stadtverwaltung hat Gesprächsangebote gemacht und intensive Gespräche mit der Initiative und dem Architekten geführt", sagt Sprecherin Ute Kretschmann. Auf das Baurecht und das Denkmalrecht habe man immer wieder verwiesen. Die Realisierungsstudie könne nicht automatisch die Grundlage der Umsetzung sein. Oberbürgermeisterin Petra Broistedt (SPD) hat der AG Welthaus ein Gesprächsangebot unterbreitet. Die AG hat aber bereits deutlich gemacht, dass für ihre Idee in der maroden Stockleffmühle mit den vorhandenen Auflagen kein Platz zu sein scheint.

Entwurf für den Anbau der Stockleffmühle von Architekt Bernhard Kilper.

Im September 2021 waren die Ideen für eine denkmalgerechte Sanierung und Erweiterung des Stockleffmühle erstmals vorgestellt worden. Was nun aus dem Konzept wird, ist unklar. (Archiv)

Dieses Thema im Programm:
NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 16.05.2024 | 15:00 Uhr