Brandenburg Umweltministerin Lemke fordert Reduzierung der Oder-Einleitungen in Polen

Stand: 02.06.2023 13:09 Uhr

Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) hat Polen aufgefordert, die Einleitung von salzhaltigem Wasser in die Oder zu reduzieren. "Polen bestreitet nicht, dass das Salz im Fluss aus den Tagebauen kommt", sagte sie dem "Spiegel". "Das ist ein Fortschritt. Daher kommt es darauf an, dass in Polen die Einleitungen reduziert werden."
 
Im vergangenen Sommer hatte sich im Grenzfluss ein großes Fischsterben ereignet. Es wurden tonnenweise tote Tiere geborgen. Experten machten dafür unter anderem einen hohen Salzgehalt verantwortlich, der das Auftreten einer für Fische giftigen Algenart begünstigt haben dürfte.

Illustration: Goldalge unter dem Mikroskop. (Foto: picture alliance/blickwinkel)
Goldalgenblüte in weiterem Stausee an der Oder festgestellt

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"Auf polnischer Seite hat die Meldekette leider nicht funktioniert"

Insbesondere die Behörden hätten laut Lemke gegen die Verschmutzungen energischer handeln müssen. "Es gab in Polen Behörden, die dachten, dass alles nicht so schlimm werden würde. Auf polnischer Seite hat die Meldekette leider nicht funktioniert", führte Lemke aus.
 
Erst für gut einem Monat war die Bundesumweltministerin bei einer Beprobung an der Oder dabei. Das Leibnitz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei überprüfte die Zahl der Fische im Fluss. Die Ergebnisse: Die Fischbestände hatten sich einigermaßen erholt. Sobald das Wasser allerdings im Sommer wärmer wird, kann die giftige Goldalge wieder aufblühen.

Steffi Lemke (l, Bündnis 90/Die Grünen), Bundesumweltministerin, ist an Bord eines Forschungsschiffes vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) auf dem deutsch-polnischen Grenzfluss Oder und schaut auf einen Fisch der Art "Zope", der zuvor in einem Netz gefangen wurde. (Foto: dpa)
Keine Entwarnung für Oder - Forscher vermessen Fische

Die Gefahr einer erneuten Umweltkatastrophe an der Oder ist nicht gebannt. Wissenschaftler untersuchen nun, wie sich der Fischbestand entwickelt. Auch die Bundesumweltministerin ist auf einem Forschungsschiff mit dabei.mehr

Große Oder-Konferenz am Dienstag in Schwedt

Für den kommenden Dienstag plant das Bundesumweltministerium eine deutsch-polnische Konferenz mit dem Titel "Die Oder - wertvolles Ökosystem unter Stress" in Schwedt (Uckermark). Neben Bundesministerin Lemke sollen auch die Umweltminister von Brandenburg (Axel Vogel, Grüne) und Mecklenburg-Vorpommern (Till Backhaus, SPD) daran teilnehmen. Dem "Spiegel" zufolge will allerdings die polnische Umweltministerin Anna Moskwa kurzfristig nicht teilnehmen. Hintergrund seien die schweren Verstimmungen zwischen den beiden Ländern im Nachgang des Fischsterbens und dessen Aufarbeitung.
 
Ergebnisse der Konferenz werden erst am Dienstagabend erwartet. Am Mittwoch plant Bundesumweltministerin Lemke einen Besuch im polnischen Słubice, wo sie ihre polnische Kollegin Moskwa treffen soll. Lemke wird nach Angaben ihres Ministeriums an deutsch-polnischen Gesprächen zur Situation an der Oder teilnehmen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 02.06.2023, 11:30 Uhr