Michael-Ende-Schule Nürnberg

Bayern Eltern geschockt: Erfolgreiche Ganztagsmodelle vor dem Aus

Stand: 09.07.2024 16:25 Uhr

Der Freistaat hat die Förderung für 45 Modellprojekte in ganz Bayern beendet. In Nürnberg sind drei Schulen betroffen, mit mehr als 150 Betreuungsplätzen. Die Eltern sind entsetzt und kämpfen für den Erhalt der erfolgreichen Konzepte.

Von Tina Wenzel

"Wir waren einfach schockiert. Warum wird von heute auf morgen die Förderung gestrichen?", sagt Lisa Zollinger, betroffene Mutter und Vorsitzende des Gesamtelternbeirats in Nürnberg. Gleich drei Projekte mit Ganztagsbetreuung für Grundschüler stehen in Nürnberg auf der Kippe, weil der Freistaat die Modellförderung beendet hat. Gleichzeitig tritt 2026 der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Kraft. Zollinger kann nur den Kopf schütteln.

Die junge Mutter will aber nicht aufgeben und kämpft für den Erhalt der Ganztagskonzepte. Bei einem Podiumsgespräch macht sie Druck. "Qualitativ hochwertige Betreuung kostet. Aber es ist das bestinvestierte Geld überhaupt", appelliert die Mutter an Philipp Späth, Ministerialdirigent im Bayerischen Sozialministerium, der mit auf der Bühne sitzt.

Leuchtturmprojekt in sozial angespanntem Stadtviertel

Das Geld ging zum Beispiel an die Michael-Ende-Grundschule im Nürnberger Stadtteil St. Leonhard. In dem Stadtteil wohnen viele arme Familien und Alleinerziehende. Um die Kinder optimal zu fördern, arbeiten Lehrer und Hort-Erzieher eng zusammen. Erzieher sind etwa schon vormittags mit im Unterricht dabei. Im Tandem werden die Schüler betreut.

Am Nachmittag lernen die Kinder weiter in Arbeitsgruppen zusammen. Zudem werden Freizeitaktivitäten angeboten. "Es geht hier um Chancengleichheit", betont Zollinger.

Kurzes Aufatmen: Übergangslösung für ein Jahr gefunden

Die Position des Ministeriums ist klar: Jede Modellförderung sei zeitlich begrenzt, die Kündigung fristgerecht. Außerdem gehe die Förderung über das Landesförderprogramm Ganztag weiter. Das Geld reicht aber nicht für die kostenintensiven Modellprojekte wie an der Michael-Ende-Schule. Eine Finanzierungslücke bleibt.

Nach dem Aufschrei der Eltern gibt es aber einen Lichtblick. Im kommenden Schuljahr bleibt in der Michael-Ende-Schule nochmal alles beim Alten, sichert Philipp Späth bei der Podiumsdiskussion den Eltern zu. Der Freistaat finanziert eine Übergangslösung.

Stadt Nürnberg muss Lösung finden

Danach ist die Stadt Nürnberg gefordert, eine Lösung zu finden. Die Situation in der Frankenmetropole ist angespannt: Fürs nächste Schuljahr fehlen jetzt schon rund 1.000 Betreuungsplätze. Bis zum Rechtsanspruch im Jahr 2026 muss die Stadt rund 3.500 zusätzliche Plätze schaffen.

Die rund 150 Plätze an den drei Modellstandorten in Nürnberg will die Stadt deswegen nicht verlieren. Eine große Herausforderung für Nürnbergs Sozialreferentin Elisabeth Ries (SPD), denn der Haushalt der Stadt Nürnberg ist eng, viel Spielraum gibt es nicht.

Wird Erfolgskonzept gekürzt?

Die Mehrkosten für die Modellprojekte an der Gretel-Bergmann-Schule und an der Grundschule in Altenfurt übernimmt die Stadt für das kommende Schuljahr. "Pro Schuljahr sind das zusammen rund 120.000 Euro", sagt Ries. Das Konzept an der Michael-Ende-Schule sei aber nochmal kostspieliger. Nun muss die Stadt das Geld zusammenkratzen oder Abstriche beim Konzept machen.

Viel Zeit bleibt der Stadt nicht. Schon Ende des Jahres braucht es eine Lösung, denn dann startet die Anmeldung für die Zeit nach der Übergangsphase, betont die Rektorin der Michael-Ende-Schule, Tanja Beitelstein. Und die Unsicherheit sei nach wie vor groß. Auch die Eltern kämpfen mit einer Online-Petition weiter für das Ganztagskonzept der Michael-Ende-Schule.

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Quelle: Mittags in Franken 09.07.2024 - 12:00 Uhr