Ein Schüler greift nach einem Stift aus seiner Stiftemappe mit einem Zettel mit den Buchstaben des Alphabets  | Bildquelle: dpa

Reform der Buchstabiertafel Aus "Dora" wird wieder "David"

Stand: 03.12.2020 15:34 Uhr

"E" wie "Emil", "N" wie "Nordpol" - jahrzehntelang hat sich die offizielle Buchstabiertafel nicht verändert. Im Zuge einer Reform soll vorübergehend wieder die Version der Weimarer Zeit eingesetzt werden - ein Beschluss mit Symbolcharakter.

"Ida", "Ludwig", oder "Paula" - über Jahrzehnte prägten diese Namen die offizielle deutsche Buchstabiertafel. Nun soll sie reformiert werden - auch als Geste an das jüdische Leben in Deutschland. Denn aus der ursprünglichen Version der Tafel hatten die Nationalsozialisten viele jüdische Namen gestrichen.

Im Zuge der Reform soll daher ab kommendem Herbst vorübergehend wieder die Version der Weimarer Zeit eingesetzt werden. Das beschloss nach Informationen der Funke Mediengruppe der Arbeitsausschuss des Deutschen Instituts für Normung (DIN).

Der Beschluss hat Symbolcharakter: Die Nationalsozialisten hatten 1934 alle jüdischen Namen aus der damaligen Buchstabiertafel getilgt. So wurde aus "'D' wie David" zum Beispiel "Dora", aus "Nathan" "Nordpol". Zwar gab es 1950 eine Überarbeitung, die meisten Änderungen wurden allerdings nicht rückgängig gemacht.

Initiator der Aktion ist der Antisemitismusbeauftragte von Baden-Württemberg, Michael Blume. Er hatte einen Brief an das DIN geschrieben und sich für eine temporäre Rückkehr zur alten Buchstabiertafel ausgesprochen. "Mir geht es darum, dass die Tabelle der Nationalsozialisten nicht einfach weiter übernommen wird", so Blume. "Es ist ein schönes Signal für das Jahr, in dem wir 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschlands feiern, deutlich zu machen, wie die Tabelle ursprünglich aussah."

Im kommenden Herbst soll dann ein Reformvorschlag für eine neue normierte Buchstabiertabelle vorgelegt werden, für die voraussichtlich überwiegend Städtenamen verwendet werden sollen. Zeitgleich soll wieder die Weimarer Tabelle zum Einsatz kommen - und zwar so lange, bis die endgültige Reform im dritten Quartal 2022 in Kraft tritt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. Dezember 2020 um 13:00 Uhr.

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