Hintergrund

Chronik zum NSU-Terror Rassistische Mordserie, staatliches Versagen

Stand: 27.08.2013 12:59 Uhr

1. November 2011: In Döbeln bei Leipzig wird ein Dönerbuden-Betreiber erschossen. Der Täter kann fliehen. Medien spekulieren über einen "Auftragsmord" aus der "Auto-Mafia". Ermittler prüfen einen Zusammenhang mit den Neonazi-Terroristen aus Zwickau.

4. November: Nach einem Banküberfall in Eisenach (Thüringen) werden Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos tot in ihrem ausgebrannten Wohnmobil in einem Vorort von Eisenach gefunden. Angeblich erschoss Mundlos zunächst seinen Komplizen, setzte dann das Wohnmobil in Brand und erschoss sich dann selbst. In Zwickau (Sachsen) geht die Wohnung, in der die beiden mutmaßlichen Bankräuber mit Beate Zschäpe gelebt hatten, in Flammen auf und wird komplett zerstört.

Ein Polizist vor dem durch eine Explosion zerstörten Hauses in Zwickau.
galerie

Ein Polizist vor dem durch eine Explosion zerstörten Hauses in Zwickau.

7. November: Das Landeskriminalamt teilt mit, dass die Dienstpistolen der Heilbronner Polizistin und ihres Kollegen in dem ausgebrannten Wohnmobil entdeckt wurden.

8. November: Beate Zschäpe stellt sich der Polizei in Jena und wird festgenommen. Sie soll nach Polizeiangaben mehrere Alias-Namen benutzen.

11. November: Die Bundesanwaltschaft gibt bekannt, dass sie Verbindungen zwischen dem Polizistenmord von Heilbronn und der Mordserie an Migranten sieht. In der Wohnung der mutmaßlichen Rechtsterroristen werden zahlreiche Hinweise auf die Taten gefunden.

13. November: Ein weiterer Verdächtiger wird in Niedersachen festgenommen. Holger G. wird verdächtigt, Mitglied der NSU-Zelle zu sein oder die Terrorgruppe zumindest unterstützt zu haben. Zudem verdichten sich die Hinweise, dass die Neonazi-Terrorgruppe auch für einen Sprengstoffanschlag am 9. Juni 2004 in Köln verantwortlich ist. An diesem Tag waren in der von vielen Türken bewohnten Keupstraße in Köln 22 Menschen durch eine Nagelbombe verletzt worden. Zu diesem Anschlag gibt es sehr deutliche Hinweise auf der DVD der NSU-Terrorgruppe.

1/6

Das Bekennervideo des NSU

Die Neonazi-Terrorzelle ist mutmaßlich für die Morde an zehn Menschen sowie weitere Anschläge mit vielen Verletzten verantwortlich. tagesschau.de zeigt, wie sich die Rechtsterroristen in einem Video zu den Taten bekannten.

NSU

Die Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund hat sich in einem bizarren Video zu Morden und einem Anschlag bekannt.

14. November: Holger G. wird dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Gegen den Neonazi wird Haftbefehl erlassen wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. Laut Bundesanwaltschaft soll er der NSU-Zelle seinen Führerschein und seinen Reisepass überlassen haben.

15. November: Die rechtsextremistische Terrorzelle soll nach Informationen des ARD-Magazins "Fakt" einen weiteren Helfer gehabt haben. Matthias D. aus Johanngeorgenstadt soll demnach der Mieter der beiden Zwickauer Wohnungen sein, in denen das Terror-Trio lebte.

Bei einer Sitzung des Geheimdienstausschusses des Bundestags wird bekannt, dass ein Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes an einem Tatort der Mordserie an Migranten war. Der Mann sei inzwischen suspendiert und arbeite bei einer Bezirksregierung in Hessen, sagte der Vorsitzende des Ausschusses, Thomas Oppermann.

16. November: Der niedersächsische Verfassungsschutz sowie das Innenministerium räumen ein, in der Vergangenheit schwere Fehler begangen zu haben: Holger G. sei bereits 1999 in Niedersachsen auf Bitten aus Thüringen observiert worden, sagte Verfassungsschutzpräsident Wargel. Der Verdacht sei damals gewesen, dass G. dem untergetauchten Terror-Trio ein Quartier im Ausland vermitteln wollte. Diese Erkenntnisse seien in Niedersachsen nicht gespeichert und Holger G. später lediglich als Mitläufer eingestuft worden.

Thüringens Innenminister Geibert erklärt, bei den Durchsuchungen bei Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe 1998 sei einiges schiefgelaufen. Weder habe die Staatsanwaltschaft Gera einen Haftbefehl ausgestellt noch habe die Polizei die Verdächtigen nicht vorläufig festgenommen. Der Präsident des Landes-Verfassungsschutzes, Sippel, schließt nicht aus, dass der damalige Behördenchef Roewer Quellen geführt habe, die das Amt nicht kannte.

17. November: In der NPD sind nach einem Medienbericht weiterhin bis zu 100 V-Leute des Verfassungsschutzes aktiv. Die Zahl liege "im oberen zweistelligen Bereich" und damit noch höher als 2003, als bis zu 15 Prozent der Mitglieder in Landes- und Bundesvorständen der Nationaldemokraten für den Staat spitzelten, berichtet der "Kölner Stadt-Anzeiger" unter Berufung auf Berliner Sicherheitskreise. Die Zahl sei in führenden Koalitionskreisen bestätigt worden.

18. November: Ein Krisengipfel aus Bund und Ländern beschließt den Aufbau einer zentralen Datei für Ermittlungen gegen rechtsextreme Gewalttäter. Außerdem soll ein "Abwehrzentrum Rechts" gegründet werden, an dem das Bundesamt für Verfassungsschutz und das Bundeskriminalamt beteiligt sind. Auch ein NPD-Verbot ist wieder im Gespräch.

Laut Generalbundesanwalt Range war die Zwickauer Terrorzelle möglicherweise größer als bislang bekannt. Zusätzlich zu den beiden bereits in Untersuchungshaft sitzenden Verdächtigen Holger G. und Beate Zschäpe gebe es zwei weitere Beschuldigte. Sie sollen das Trio unterstützt haben.

Ermittler vermuten mehr als 20 Unterstützer der rechtsextremen Zwickauer Zelle
tagesschau 20:00 Uhr, 19.11.2011, Gunnar Breske, MDR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

21. November: Bei den Ermittlungen zur Neonazi-Mordserie haben die Behörden mittlerweile rund ein Dutzend Verdächtige und Beschuldigte im Visier. Zudem heißt es nun, die aus Thüringen stammende Polizistin Michele Kiesewetter sei offenbar doch gezielt von den Neonazis erschossen worden. In Kiesewetters Heimatort hatten Neonazis einen Gasthof gemietet. Die Familie der Polizistin bestreitet, dass es Kontakte zu Neonazis gegeben habe.

Festnahme Andre E. in Grabow
galerie

Der Rechtsextremist Andre E. (M.) wird abgeführt. Der Festgenomme sei dringend verdächtig, in zwei Fällen die terroristische Vereinigung "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) unterstützt zu haben, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

24. November: Ein weiterer mutmaßlicher NSU-Unterstützer wird verhaftet: André E. aus Zwickau. Er soll den Propagandafilm der Rechtsterroristen produziert haben. Laut Bundesanwaltschaft stand André E. "seit 2003 in engem Kontakt mit den Mitgliedern des NSU". E.s Bruder ist ebenfalls in der Neonazi-Szene aktiv, unter anderem bei der NPD-Jugendorganisation.

Bundespräsident Christian Wulff teilt mit, es werde für die Opfer der Neonazis im Februar eine offizielle Trauerfeier geben.

29. November: Der Neonazi Ralf Wohlleben kommt in Untersuchungshaft. Die Vorwürfe gegen den Ex-NPD-Funktionär sind umfangreich: Der 36-Jährige soll bei sechs Morden und einem versuchten Mord Beihilfe geleistet und den drei Haupttätern bei der Flucht geholfen haben. Wohlleben tauchte über Jahre immer wieder im Verfassungsschutzbericht Thüringens auf. Er war hochrangiger NPD-Funktionär, Kandidat bei mehreren Wahlen, Anmelder von Demonstrationen, Organisator von Rechtsrock-Festivals, Betreiber von Neonazi-"Weltnetzseiten", Mitglied im "Thüringer Heimatschutz" und ist vorbestraft.

Neonazi-Mordserie: Weiterer mutmaßlicher Terrorhelfer in Untersuchungshaft
30.11.2011

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Darstellung: