Meuthen, Chrupalla und Weidel von der AfD äußern sich in der Bundespressekonferenz. | dpa

AfD-Reaktionen auf Meuthen-Austritt "Immer dieses Rechts-Gedöns"

Stand: 29.01.2022 01:40 Uhr

Die Reaktionen innerhalb der AfD auf den Austritt des bisherigen Parteivorsitzenden Meuthen fallen sehr unterschiedlich aus: Während der Bundesvorstand sein Bedauern zum Ausdruck bringt, kritisieren andere Meuthens Rechtsruck-Vorwürfe.

Für den jetzt aus der AfD ausgetretenen Jörg Meuthen sind sie verantwortlich für einen radikalen Kurs der Alternative für Deutschland: Alice Weidel und Timo Chrupalla. Letzterer reagierte vergleichsweise gelassen auf die Vorwürfe: "Ich denke, die letzten Tage und Wochen haben auch gezeigt, dass sich Jörg Meuthen ein Stück weit von der Partei entfernt hat, und dass auch die Partei nicht mehr vollumfänglich hinter ihm stand. Ich finde das sehr schade, denn die Programmatik hat sich nicht geändert", sagte Chrupalla.

Mit dem Austritt seines bisherigen Co-Chefs Meuthen sieht Chrupalla die Spaltung der Partei überwunden. "Insgesamt, sag ich ganz ehrlich, hat Jörg Meuthen mit dem heutigen Tage die Spaltung der AfD beendet", sagte Chrupalla in der Nacht in der ZDF-Sendung "heute journal update". "Das ist wichtig und richtig." Er werde die Partei jetzt "zusammenführen, zusammenhalten". "Wir werden sie auf einen erfolgreichen Kurs führen. Wir haben schon einige Austritte verkraftet." Er sehe das "durchaus positiv".

Angesprochen auf Aussagen Meuthens, wonach er Teile der Partei nicht auf dem Boden der freiheitlich demokratischen Grundordnung sieht, sagte Chrupalla: "Das ist natürlich absoluter Quatsch, was er dort erzählt hat."

Weidel vermutet hinter Austritt Kalkül

Wenig gefasst reagierte die AfD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Alice Weidel. Sie warf Meuthen in der "Stuttgarter Zeitung" Charaktermangel vor. Sein Parteiaustritt sei vorgeschoben und habe mit der anstehenden Aufhebung seiner Immunität im Europaparlament zu tun, mutmaßte sie.

Durch Recherchen von CORRECTIV und dem ZDF-Magazin Frontal war 2017 bekannt geworden, dass Meuthen während seines Wahlkampfes im Jahr 2016 von der Schweizer Werbeagentur Goal AG Unterstützung im Wert von 90.000 Euro erhalten hatte. Parteispenden von mehr als 1000 Euro aus Nicht-EU-Staaten sind in Deutschland verboten.

Höcke reagiert zurückhaltend

Der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke, den Meuthen ebenso für den Rechtsruck der Partei verantwortlich macht, reagierte auf den Austritt zurückhaltend. Auf Twitter schrieb er, dass er die Entscheidung von Meuthen respektiere.

Brandner nennt Meuthens Vorwürfe "Rechts-Gedöns"

Auch der stellvertretende AfD-Bundessprecher Stefan Brandner ist einer derjenigen, die Meuthen zufolge den Rechtskurs mitbefeuert haben. Brandner wies das zurück. "Was soll er sonst sagen", sagte Brandner. "Das ist ja der Klassiker, das haben wir schon dutzendfach erlebt, dass Leute, die Karriere in der AfD gemacht haben, dass die plötzlich nicht mehr weiter kommen und merken, da ist irgendwie Widerstand da - und dann kommt immer dieses Rechts-Gedöns." Das sei nicht ernst zu nehmen, so Brandner. Meuthen habe in den ersten vier Jahren sehr gute Arbeit geleistet, später aber eingerissen, was er da aufgebaut habe.

Brandner stand dem offiziell aufgelösten Flügel in der AfD nahe, auf dessen Auflösung Meuthen hingewirkt hatte. So wollte Meuthen eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz abwenden.

Steinbach tritt als Reaktion in die AfD ein

Als Reaktion auf Meuthens Austritt erklärte die frühere CDU-Bundestagsabgeordnete und heutige Vorsitzende der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung Erika Steinbach auf Twitter, Mitglied der AfD werden zu wollen. Sie habe nicht vorgehabt, noch einmal in eine Partei einzutreten. Der indiskutable Umgang von Medien und Politik sowie der unfaire Austritt Meuthens hätten sie aber zum Umdenken bewogen.

Über Meuthen sagte sie, dieser stehe in einer Reihe mit dem AfD-Mitbegründer Bernd Lucke sowie der früheren Vorsitzenden Frauke Petri, die beide die Partei verlassen hatten. Diesen würde ebenso wie jetzt Meuthen niemand nachtrauern.

Bundesvorstand der AfD bedauert Meuthens Austritt

Joana Cotar, die von Meuthen bei ihrer letztlich erfolglosen Spitzenkandidatur für die AfD unterstützt wurde, zeigte sich enttäuscht, aber gefasst. "Ich bedauere das persönlich sehr", sagte sie. "Es ist seine persönliche Entscheidung, die wir zu respektieren haben. Ob die Entscheidung so gut war, das muss er wissen."

Der Bundesvorstand der AfD erklärte, er nehme den Parteiaustritt mit Bedauern zur Kenntnis und bedankte sich bei Meuthen für die "Weiterentwicklung der AfD als einzige Oppositionspartei in Deutschland".

Mit Material von Isabel Reifenrath, ARD Hauptstadtstudio Berlin

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 28. Januar 2022 um 21:45 Uhr.