Der Schatten eines Priesters, der am Karfreitag bei einer Zeremonie ein Kreuz trägt, fällt auf das Pflaster | dpa

Missbrauch in der katholischen Kirche Kritiker fordern konsequentes Handeln

Stand: 20.01.2022 18:24 Uhr

Nach dem Gutachten zu Fällen sexualisierter Gewalt im Erzbistum München und Freising fordern Kritiker ein konsequentes Handeln gegen Missbrauch in der katholischen Kirche.

Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, warf der katholischen Kirche in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe "kalten Pragmatismus" vor. "Das Gutachten hat einmal mehr den herzlosen, konsequenten Institutionenschutz offenbart, der über Jahrzehnte von der katholischen Kirche praktiziert wurde." Auch nach zehn Jahren als Missbrauchsbeauftragter habe es ihm fast die Sprache verschlagen.

Ich bin immer wieder verblüfft, wie die Kirche jahrzehntelang versucht hat, mit kaltem Pragmatismus Missbrauch wegzuverwalten.

Positiv bewertete er, dass die Gutachter zu den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche die Notwendigkeit eines "geschützten Raums" für die Betroffenen betont hätten.

Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp, rief zu konsequentem Handeln gegen Missbrauch in der katholischen Kirche auf. „Verantwortliche haben ihre Verantwortung nicht wahrgenommen“, sagte die Präsidentin der größten Vertretung der katholischen Laien. Dem Gutachten müssten Konsequenzen folgen, die „der dramatischen Lage gerecht werden“.

"Wir sind Kirche" fordert Schuldeingeständnis

Die Bewegung "Wir sind Kirche" forderte den emeritierten Papst Benedikt XVI. auf, sich seiner Verantwortung für die Missbrauchsfälle zu stellen. Benedikt XVI. war dem Gutachten zufolge in seiner Zeit als Münchner Erzbischof von 1977 bis 1982 in vier Fällen nicht ausreichend gegen Missbrauchs-Täter vorgegangen. "Sein persönliches Schuldeingeständnis für sein damaliges Handeln beziehungsweise Nicht-Handeln wäre ein dringend notwendiger Akt und gleichzeitig ein großes Vorbild für andere Bischöfe und Verantwortungsträger weltweit", erklärte die Organisation. Zugleich warnte "Wir sind Kirche" davor, die Untersuchung nur mit Blick auf die Rolle von Joseph Ratzinger zu betrachten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Januar 2022 um 18:00 Uhr.