Bundespolizisten eskortieren einen Verdächtigen in Leipzig zum Polizeiauto. | Bildquelle: dpa

Polizei-Großeinsatz Bundesweite Razzien wegen Scheinehen

Stand: 13.06.2018 15:32 Uhr

Die Bundespolizei geht gegen mehrere Schleuserbanden vor: Bei Razzien in Ost- und Süddeutschland ging es um gefälschte Heiratsurkunden, im Norden um arrangierte Scheinehen in Dänemark.

In einem Großeinsatz ist die Bundespolizei am Morgen gegen Schleuser vorgegangen: Beim Einsatz in mehreren Bundesländern durchsuchten die Behörden mindestens 27 Objekte.

Wie der MDR berichtet, besteht der Verdacht auf Bandenkriminalität bei der Organisation von "Scheinehen": Die Schleuser sollen indischen und pakistanischen Staatsbürgern gegen Geld falsche oder gefälschte Heiratsurkunden mit EU-Staatsbürgern verschafft haben, um ihnen den dauerhaften Aufenthalt in Deutschland zu ermöglichen.

Die Staatsanwaltschaft Leipzig ermittelt bereits seit dem Frühjahr 2017 in diesem Zusammenhang, berichtete der MDR. Das Verfahren richtet sich demnach gegen mindestens drei Beschuldigte. Sie sollen bei erfolgreicher Vermittlung eines Bleiberechts bis zu 22.000 Euro von den Menschen verlangt haben.

Die Razzia am Morgen zielte schwerpunktmäßig auf das sächsische Eilenburg und Hettstedt in Sachsen-Anhalt. Weitere Durchsuchungen sollen in Stuttgart, Frankfurt am Main, Wuppertal, Leipzig, Chemnitz und Wurzen stattgefunden haben.

Weitere Razzia in Norddeutschland und Dänemark

Im Norden gingen deutsche und dänische Ermittler bei einem weiteren Einsatz gegen eine Schleuserbande vor, die gegen Bezahlung Scheinehen in Dänemark organisiert haben soll - dort ist eine Heirat verhältnismäßig unbürokratisch möglich. Für jede Eheschließung hätten die Schleuser demnach eine hohe Provision kassiert. Die Behörden gehen dpa-Informationen zufolge davon aus, dass die Beschuldigten in den vergangenen zwei Jahren etwa 1000 Scheinehen vermittelten.

Konkret richtete sich der Einsatz nach Angaben der Bundespolizei und der Staatsanwaltschaft in Hannover und Hamburg gegen drei Betreiber einer Hochzeitsagentur sowie zwei weitere Beschuldigte. Etwa 170 Beamte hätten zwölf Objekte in Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremerhaven, Nordrhein-Westfalen und in Dänemark durchsucht und Beweise gesichert. Festgenommen wurde niemand.

Hintergrund: Bundesregierung zu Scheinehen

Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Parlament hervorgeht, deckte die Polizei im vergangenen Jahr 30 Fälle von Scheinehen auf, mit denen Visa oder Aufenthaltstitel erschlichen werden sollten. Im Jahr 2016 waren es demnach 25 Fälle. Insgesamt sind den Behörden seit dem Jahr 2007 870 Fälle bekanntgeworden.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Nachrichten am 13. Juni 2018 um 10:30 Uhr.

Darstellung: