Polizisten überprüfen Personalien  | Bildquelle: dpa

Bundesweite Großrazzia Transsexuelle in Bordellen ausgebeutet

Stand: 18.04.2018 12:43 Uhr

Bundesweit sind bei einer Großrazzia mehr als 100 Menschen festgenommen worden. Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht ein Paar, das vor allem thailändische Transsexuelle in Bordellen finanziell ausgebeutet hat.

Der von der Bundespolizei zerschlagene mutmaßliche Menschenhändlerring soll von Siegen aus vor allem thailändische Transsexuelle in ein bundesweites Bordell-Netzwerk geschickt haben. Im Fokus der Kriminellen standen nach Erkenntnissen der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main Transsexuelle, die mit hohen Verdienstmöglichkeiten als Prostituierte nach Deutschland gelockt worden seien.

Die Betroffenen hätten dann zumeist in Wohnungsbordellen - beispielsweise in Gewerbegebieten oder auch im ländlichen Raum - gearbeitet, sagte ein Sprecher der Behörde. Die mutmaßlichen Täter hätten auf diese Weise ein spezielles Segment im Rotlichtmilieu besetzen wollen.

Die Generalstaatsanwaltschaft geht davon aus, dass die 59-jährige Hauptbeschuldigte mit Helfern in Thailand Prostituierte angeworben und mit erschlichenen Touristen-Visa ausgestattet hat. In Deutschland angekommen sollen die Angeworbenen zunächst überwiegend in drei Bordellen in Siegen der Prostitution nachgegangen sein, die seit 2006 von der Frau und ihrem deutschen Lebensgefährten betrieben würden.

Einnahmen zunächst vollständig behalten

Die Einnahmen hätten beide zunächst behalten - zur Begleichung der angeblichen Schleusungskosten von bis zu 36.000 Euro sowie für Miete und Verpflegung. "Nach einer gewissen Verweildauer in den Siegener Bordellbetrieben sollen die Prostituierten in einer Art Rotationsprinzip in andere Bordellbetriebe des Netzwerks im gesamten Bundesgebiet verbracht worden sein", hieß es weiter.

Auch später soll die Hauptbeschuldigte dann einen Großteil der Einnahmen der Prostituierten erhalten haben. "Das ist wie so eine Art Schneeballsystem", sagte der Behördensprecher. Den Prostituierten seien bei einer Tätigkeit in Deutschland Gewinnversprechen gemacht worden, profitiert hätten dann aber vor allem die Drahtzieher. "Den Zweck hat man nicht verheimlicht, sie sind aber über die Konditionen getäuscht worden."

Oberstaatsanwalt Alexander Badle, Pressesprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main, berichtet vor Journalisten über Razzien und Festnahmen der Bundespolizei gegen die Organisierte Kriminalität im Rotlichtmilieu. | Bildquelle: dpa
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Oberstaatsanwalt Alexander Badle, Pressesprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main, hat über die Razzien und Festnahmen der Bundespolizei berichtet.

56 Verdächtige im Blick

Die Ermittler haben insgesamt 56 Verdächtige im Blick, 41 Frauen und 15 Männer im Alter zwischen 26 und 66 Jahren.

Nach SWR-Informationen waren Beamte seit sechs Uhr morgens in zwölf Bundesländern im Einsatz. Etwa 1500 Polizisten durchsuchten Bordelle und Privatwohnungen - bundesweit mehr als 60 Objekte. Mehr als 100 Personen wurden vorläufig festgenommen. An den Aktionen war auch die Spezialeinheit GSG 9 beteiligt.

Seehofer lobt den Großeinsatz

Bundesinnenminister Horst Seehofer bezeichnete die Großrazzia als einen beispiellosen Schlag gegen "ein bundesweit verzweigtes Netzwerk". "Viele Hunderte Frauen und Männer waren der menschenverachtenden grenzenlosen Profitgier von Schleusern über Jahre und Landesgrenzen hinweg ausgeliefert", so der Innenminister. Diesem skrupellosen Vorgehen und der sexuellen Ausbeutung in einem abscheulichen Ausmaß habe heute ein Ende gesetzt werden können.

Über dieses Thema berichteten am 18. April 2018 MDR aktuell (Hörfunk) um 09:36 Uhr und 13:06 Uhr sowie die tagesschau u.a. um 12:00 Uhr.

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