Hände auf der Tastatur eines Laptops. | dpa

Missbrauchsfall Bergisch Gladbach Razzia gegen Kinderpornografie

Stand: 01.09.2020 18:09 Uhr

Der Missbrauchsfall Bergisch Gladbach zieht immer größere Kreise: In mehreren Bundesländern wurden Wohnungen durchsucht - die Ermittler stellten Beweismaterial sicher. Mit jedem Verdächtigen würden weitere Täter entdeckt.

Im Zuge der Ermittlungen zum Missbrauchsfall Bergisch Gladbach sind heute bundesweit die Wohnungen von 50 Tatverdächtigen durchsucht worden. Es gehe um den Verdacht des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornografie, teilte die Kölner Staatsanwaltschaft mit. Die Durchsuchungen fanden in Brandenburg, Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Sachsen und Sachsen-Anhalt statt.

Es sei "eine große Zahl von Polizisten" an den Aktionen beteiligt gewesen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln. An mehreren Orten seien auch Spezialeinheiten im Einsatz gewesen. "Vier Personen wurden nach bisherigen Erkenntnissen leicht verletzt", erklärten die Ermittler. Eine "erste Sichtung und Bewertung sichergestellter Beweismittel" finde bereits statt. Details sollen Mittwochnachmittag bekannt gegeben werden.

Mit jedem Verdächtigen werden weitere Täter entdeckt

Zu der heutigen Razzia hatte die Auswertung der Daten im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach geführt. Die Ermittlungsgruppe "Berg" wurde eigens zur Aufarbeitung des im Oktober 2019 bekannt gewordenen Falls gegründet. Damals waren bei einem Familienvater tausende kinderpornografische Bilder und Videos gefunden worden. Die Polizei untersucht derzeit eine riesige Datenmenge.

Die Ermittler sprachen wiederholt von einem "Schneeballsystem", da sie mit jedem Verdächtigen auf weitere Täter aufmerksam werden. Der Leiter der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime NRW, Markus Hartmann, nannte die Zahl von 30.000 unbekannten Tatvedächtigen. Ende August führten die Spuren in alle Bundesländer. Mit Stand 27. August wurde alleine in Nordrhein-Westfalen gegen 84 Beschuldigte ermittelt, zehn Menschen waren bereits angeklagt, einer sitzt in Haft und acht befinden sich in Untersuchungshaft.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. September 2020 um 18:00 Uhr.