Polizeibeamte führen im Märkischen Viertel in Berlin eine Razzia durch. | dpa

Radikal-islamistisches Milieu Razzien in Berlin und Brandenburg

Stand: 25.02.2021 08:30 Uhr

Die Polizei in Berlin und Brandenburg hat am frühen Morgen zahlreiche Objekte durchsucht - es geht um eine radikal-islamistische Vereinigung, die seit heute verboten ist. Hunderte Polizisten sind im Einsatz.

Von Michael Götschenberg, ARD-Hauptstadtstudio

Seit den frühen Morgenstunden durchsucht die Polizei in Berlin und Brandenburg mehr als 25 Objekte. Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios richtet sich die Razzia gegen die radikal-islamistische Vereinigung Jama'atu Berlin oder auch Tauhid Berlin. Sie ist ab heute verboten und wird aufgelöst. Ihr werden rund 20 Personen zugerechnet, die überwiegend seit Jahren fest im radikal-islamistischen Milieu verwurzelt sind.

Michael Götschenberg ARD-Hauptstadtstudio

Die Vereinigung betreibt mehrere Social-Media-Kanäle, in denen sie den sogenannten "Islamischen Staat" verherrlicht, die Tötung von Andersgläubigen befürwortet und sich stark antisemitisch äußert. Darüber hinaus lehnt sie die staatliche Ordnung ab und befürwortet die Errichtung eines islamistischen Gottesstaates.

Hunderte Beamte im Einsatz

Die Polizei ist mit 850 Beamten im Einsatz, darunter auch Spezialkräfte. Ziel der Durchsuchungen ist es vor allem, Beweismaterial für das Vereinsverbot sicherzustellen. Gefahr ist nicht in Verzug - über mögliche Anschlagspläne der Gruppe ist nichts bekannt.

Die Mitglieder der Vereinigung trafen sich bisher vor allem in privaten Räumlichkeiten. Einzelne Mitglieder der Gruppe verkehrten früher in der berüchtigten Fussilet Moschee, die ein Anziehungspunkt für das dschihadistische Milieu Berlins war. Auch der Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz, Anis Amri, ging dort ein und aus.

Keine Festnahmen geplant

Die Fussilet Moschee war im Februar 2017 verboten worden. Auch im Rahmen der sogenannten "Lies!-Kampagne" der radikal-islamistischen Vereinigung "Die wahre Religion", bei der Korane verteilt wurden, waren Mitglieder der Jama‘atu Berlin aktiv. Diese Vereinigung war im November 2016 vom Bundesinnenministerium verboten worden.

Festnahmen sind bei den Durchsuchungen heute nicht geplant. Allerdings laufen Ermittlungsverfahren gegen einzelne Mitglieder der Gruppe, die in der Vergangenheit auch gegenüber Polizeibeamten extrem aggressiv aufgetreten waren. Am Vormittag will Innensenator Andreas Geisel im Rahmen einer Pressekonferenz Einzelheiten bekannt geben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Februar 2021 um 08:27 Uhr.