Die Raumsonde "Rosetta" und der Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko | Bildquelle: dpa

Kampf ums Weltall Monddorf oder "Space Force"?

Stand: 14.10.2018 04:46 Uhr

Der Weltraum-Hype bekommt durch US-Präsident Trump neue Nahrung: Er will die "US Space Force" gründen - um sich gegen Feinde zu schützen. Doch im All tummeln sich inzwischen viele Akteure.

Von Ute Spangenberger, SWR

Als Astronaut Fred Haise für seine Reise zum Mond trainierte, gab es im Weltall nur zwei Akteure: Die USA und die UdSSR. Im Kalten Krieg, in den 1950er- und 1960er-Jahren, lieferten sich die Großmächte einen Wettlauf: Wer ist zuerst auf dem Mond?

Haise, der inzwischen 84 Jahre alt ist, erinnert sich: "Wir waren zuerst auf dem Mond, und ich war froh, dass es den Wettbewerb gab. Nur deshalb haben die Regierungen so viel Geld für die Raumfahrt ausgegeben." Haise ist an diesem Wochenende zu Besuch im Technikmuseum Speyer - zum zehnjährigen Jubiläum von Europas größter Raumfahrtausstellung.

Der ehemalige Astronaut Fred Haise | Bildquelle: Ute Spangenberger
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Fred Haise gehörte zur berühmten Apollo-13-Mission, die den Flug zum Mond abbrechen musste.

Auf dem Weg zur Mondbasis

Er ist einer der Ehrengäste neben den beiden deutschen Astronauten Ulf Merbold und Thomas Reiter. Alle drei waren im Weltraum und erzählen über ihre Erlebnisse und Erfahrungen. Haise selbst war nie auf dem Mond. Er gehörte zu der legendären Apollo-13-Mission, die aus dem All zum Kontrollzentrum nach Houston funkte, dass sie ein Problem habe. Die Mission wurde abgebrochen.

Haise hofft, dass bald wieder Menschen zum Mond fliegen werden, aber wer das sein wird, da wagt er keine Prognose. Anders als zu seiner aktiven Zeit tummeln sich auf dem Weltraummarkt längst nicht mehr nur die Amerikaner und Russen, sondern auch andere Nationen wie China, aber auch Raumfahrtagenturen oder private Firmen wie das US-Unternehmen SpaceX.

Der deutsche ESA-Astronaut Thomas Reiter rechnet mit einer baldigen bemannten Mond-Mission und geht von einer permanenten Basis aus, um den Mond besser wissenschaftlich zu erforschen. "Das wird in internationaler Zusammenarbeit passieren", sagt Reiter, "einmal um die Belastungen für den einzelnen zu verringern, zum anderen hat diese Art der Zusammenarbeit auch den ganz wichtigen Aspekt der Völkerverständigung, was in Zeiten wie diesen nicht genug betont werden kann."

Der ehemalige Astronaut und heutige ESA-Koordinator Thomas Reiter (Archivbild vom 07.11.2017) | Bildquelle: picture alliance / Sebastian Gol
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Thomas Reiter glaubt, dass es bald eine internationale Mondbasis geben könnte.

Kampf im Weltraum?

Für solch ein Monddorf könne die Internationale Raumstation ISS als Vorbild dienen, auf der mehr als 100 Länder forschen. Blickt man auf die militärische Nutzung des Weltraums, sorgt derzeit ein Alleingang für Schlagzeilen: US-Präsident Donald Trump hatte vor kurzem angekündigt, eine "US Space Force", eine Weltraumarmee, aufzubauen. Ziel sei unter anderem, die amerikanischen Navigations- und Kommunikationssatelliten vor potentiellen Angriffen aus Russland, China, Nordkorea und dem Iran zu schützen, so US-Vizepräsident Mike Pence.

Heißt das womöglich "Kampf um den Weltraum" oder sogar "Kampf im Weltraum"? Erinnerungen an die Zeit, als Reagan US-Präsident war, werden wach. Aber Thomas Reiter mäßigt: "Ronald Reagan hatte diese SDI-Initiative ins Leben gerufen. Da ging es ja wirklich darum, den Weltraum zu bewaffnen." Davon sei heute "zumindest nach meinem Kenntnisstand erstmal nicht die Rede". Außerdem spiele sich Raumfahrt ja über viel längere Zeiträume ab als Legislaturperioden. "Insofern gibt es da guten Grund, optimistisch zu sein."

Ulf Merbold, der 1983 als erster ausländischer Raumfahrer mit einem US-Shuttle ins All flog, möchte zunächst abwarten, was Trump mit seiner "Space Force" wirklich vorhat. Wovor er aber warnt: "Das All als einen Ort zu missbrauchen, von dem man dann aggressiv etwa mit Lasern angreifen kann, das sollten wir uns als Menschheit dreimal überlegen und sollten die, die so etwas planen, ausgrenzen." Er sei strikt dagegen, "dass wir irgendwelche Sprengköpfe oder Hochleistungslaser in den Weltraum bringen".

Ulf Merbold | Bildquelle: picture-alliance / dpa/dpaweb
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Ulf Merbold war der erste Nicht-Amerikaner, der 1986 an einer Weltraum-Mission der NASA teilnahm.

Auch Bundeswehr hat Weltraum im Blick

Merbold ergänzt, dass nicht nur das amerikanische Militär, sondern auch die Bundeswehr das All für sich entdeckt habe. Christian Thiels, Verteidigungsexperte der tagesschau, beschreibt, dass die Bundeswehr künftig im Weltraum aktiver werden möchte. "Bislang hat sie dort nur einige Satelliten für Aufklärung und Kommunikation", erklärt er. "Im neuen Fähigkeitsprofil der Streitkräfte sind diese Bereiche auch als nationale Prioritäten festgelegt. Allerdings soll es langfristig auch die Möglichkeiten geben, eigene militärische Operationen im All durchzuführen - etwa, um Gegner an Angriffen auf deutsche Satelliten oder Raketenangriffe aus dem All auf Deutschland zu hindern."

Einen Blick in die Zukunft zu wagen, ist schwierig. Heute gibt es viele Akteure im Weltraum, und es werden immer mehr. Der Weltraum wird zunehmend auch als "Wirtschaftsraum" interessant werden. Der Abbau von Ressourcen etwa auf Asteroiden oder Planeten ist noch Zukunftsmusik, aber bereits mehr als nur ein Gedankenspiel.

Fred Haise freut sich, dass die Menschen das All weiter erkunden werden. Er erzählt, dass er damals nochmal zum Mond fliegen sollte, mit der Apollo-19-Mission. Die NASA habe das Programm aber eingestellt, sein Flug wurde abgesagt.

Raumfahrtausstellung im Technikmuseum Speyer | Bildquelle: Ute Spangenberger
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Die Raumfahrtausstellung im Technikmuseum Speyer feiert in diesem Jahr zehnjähriges Jubiläum.

Über dieses Thema berichtete SWR Aktuell am 13. Oktober 2018 um 11:50 Uhr.

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