Teilnehmer einer Demonstration ziehen mit roten Pyro-Fackeln durch den Leipziger Stadtteil Connewitz. | dpa

Ausschreitungen in Leipzig Wieder flogen Steine und Bengalos

Stand: 06.09.2020 06:31 Uhr

Den dritten Abend in Folge sind gewaltbereite Demonstranten durch Leipzig gezogen. Im Stadtteil Connewitz zündeten sie Pyrotechnik, warfen Steine und schlugen Scheiben ein. Die Polizei löste die Demonstration daraufhin auf.

Nach zwei Nächten mit schweren Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in Leipzig hat sich am Abend die Lage im Stadtteil Connewitz erneut zugespitzt.

Wieder zogen gewaltbereite Demonstranten durch die Straßen. Sie zündeten trotz Verbots Pyrotechnik und bewarfen damit Polizisten. Mit Steinen wurden Fensterscheiben von Neubauten eingeworfen. Nach Polizeischätzungen hatten sich etwa 500 Menschen zu der angemeldeten Demo versammelt.

Demo aufgelöst

Aufgrund der Verstöße beendete die Versammlungsbehörde die Demonstration in Connewitz offiziell. Das teilte die Polizei Leipzig auf Twitter mit. Versammlungen waren aber auch in anderen Stadtteilen angemeldet.

Die Polizei war erneut mit einem Großaufgebot vor Ort. Auch ein Wasserwerfer und ein Polizeihubschrauber waren im Einsatz. Gegen 15 Verdächtige wurden laut Polizei Ermittlungsverfahren eingeleitet. In der Nacht folgten mehrere Spontankundgebungen. Die Demonstranten bauten Barrikaden, zündeten Mülltonnen und einen Polizeiwagen an. Der Straßenbahnverkehr in Connewitz wurde gestoppt.

Protest nach Räumung besetzter Häuser

Die Veranstaltung war als Demonstration gegen Gentrifizierung und Verdrängung angemeldet. Die Proteste am Donnerstag- und Freitagabend waren Reaktionen auf eine Hausbesetzung in Leipzig, die von der Polizei beendet worden war. Leipzigs Polizeipräsident Torsten Schultze sagte, bei den Angreifern habe es sich um "augenscheinliche Linksextremisten" gehandelt. Insgesamt neun Beamte seien leicht verletzt worden.

Mit den Besetzungen und den gewalttätigen Auseinandersetzungen habe die Debatte um bezahlbaren Wohnraum einen schweren Rückschlag erlitten, erklärte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung. "Man schafft keinen Wohnraum, indem man Polizisten angreift und Barrikaden anzündet."

Die wichtige Wohnraumdebatte werde nun deutlich schwerer, denn jetzt müsse erst verloren gegangenes Vertrauen zurückgewonnen werden. Leipzig kämpft wie andere Großstädte auch mit steigenden Mieten und Verdrängungsdruck.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. September 2020 um 20:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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asimo 06.09.2020 • 00:12 Uhr

@ sisyphos

"man kauft die Wohnung statt dem Vermieter die "überteuerten" Mieten zu zahlen macht also selber den Reibach statt der Vermieter macht ihn" Das ist zwar auch die von mir praktizierte Art (und jeden Tag bin ich froh darüber), leider ist das aber nicht für alle möglich ei es aus eher externen Faktoren ("Kreditwürdigkeit") oder internen ("fehlende Kompetenz im Umgang mit Geld"). Letztere kann man zwar unter "selbst schuld" abheften, aber dennoch begrenzt das etliche. Indessen bin ich froh sowohl rechnen zu können, als auch eine gewisse Kreditwürdigkeit zu haben - allerdings bilde ich mir darauf nix ein, dass ich im Genetiklotto ein paar Gehirnzellen abbekommen habe und bildungsfördernde Eltern, ist ja nunmal nicht mein Verdienst, sondern letztlich Zufall.