Hongkong Proteste | Bildquelle: AP

Hongkong Proteste - digital und in Echtzeit

Stand: 12.09.2019 09:24 Uhr

Die Massenproteste in Hongkong dauern seit drei Monaten an. Dass die Demonstrationen so lebhaft und dynamisch verlaufen, liegt auch an der dezentralen und digitalen Organisation der Aktivisten.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Ein Einkaufszentrum im Hongkonger Stadtteil Taikoo vor einigen Tagen. Hunderte Menschen singen gemeinsam "Glory to Hong Kong". Das Lied ist eine Art inoffizielle Hymne der Hongkonger Protestbewegung. Massenhaft schicken sich Hongkonger seit einigen Tagen gegenseitig Videos von dieser Aktion.

Was so wirkt wie eine spontane Gesangsaktion, war ein geplanter Internet-Flashmob. Unterstützer der Hongkonger Anti-Regierungsproteste hatten sich dazu verabredet. Das taten sie über Chat-Gruppen in den Messenger-Diensten Whatsapp und Telegram. Außerdem nutzten sie Smartphone-Apps, mit denen man sich mittels Bluetooth kleine Grafiken, animierte Bilder und Videos verschicken kann - ohne Internetverbindung und über kurze Distanz.

Menschenkette durch Hongkong | Bildquelle: dpa
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Eine Menschenkette durch Hongkong. "Niemand steht an der Spitze der Demonstranten und führt diese an", sagen Experten.

"Es gibt keine Anführer"

Viele Aktivisten nutzen zum Beispiel die Apps "Bridgefy" und "Airdrop", um in der Hongkonger U-Bahn anderen Passagieren kleine digitale Flyer aufs Mobiltelefon zu schicken. "Es gibt keine Anführer", sagt Kevin Lai, für Asien zuständiger Chefökonom der japanischen Investmentbank Daiwa Capital Markets in Hongkong. Er verfolgt die Massenproteste seit Anfang Juni beruflich. "Niemand steht an der Spitze der Demonstranten und führt diese an. Und das, obwohl manchmal mehr als eine Million Menschen auf die Straßen gehen." Das mache es den Behörden in Hongkong und auch der Regierung in Peking so schwer, gegen die Bewegung vorzugehen.

Besonders bemerkenswert seien der dezentrale Charakter der Demos und Protestaktionen und die digitale Verbreitung von Infos, so Lai. So etwas habe es bisher noch nicht gegeben, weder in Hongkong noch anderswo. "Vor fünf Jahren, bei den Regenschirm-Protesten hier in Hongkong, gab es zwar bereits Facebook und Youtube. Aber das Ganze fand nicht live statt", sagt der Analyst. "Heute ist alles live. Dadurch fühlen sich die Menschen emotional viel stärker verbunden mit den Protesten."

Per Livestream auf dem Laufenden

Das zeigte sich unter anderem auf einem Demonstrationszug im Hongkonger Stadtteil Mong Kog Anfang August. Vor allem Familien waren gekommen, darunter viele Anwohner aus den riesigen Wohnhochhäusern, die hier stehen. Einer der Demonstranten war der 50-jährige John, von Beruf Pförtner. Er lief relativ weit hinten im Demonstrationszug mit. Währenddessen verfolgte er jedoch auf seinem Smartphone das, was sich rund einen halben Kilometer entfernt in der ersten Reihe abspielt.

"Ich schaue per Livestream zu, was vorne gerade abgeht", sagte er. "Auch per Telegram und mit einer Whatsapp-Gruppe halte ich mich auf dem Laufenden."

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nachtmagazin 00:00 Uhr, 12.09.2019, Lea Struckmeier, ARD Berlin

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Unzensierte Straßenschlachten

Zahlreiche Bloggerinnen und Blogger, aber auch Hongkonger Nachrichtenportale streamen seit Beginn der Proteste Anfang Juni fast täglich und stundenlang live von den Demos und Protestaktionen. Das geschieht zum Beispiel bei Facebook oder über die spezielle Hongkonger Social-Media-Plattform "Lindang". Sogar die Straßenschlachten zwischen radikalen Protestierenden und der Polizei lassen sich so live und unzensiert mitverfolgen - aus einigen 100 Metern Distanz, vom Sofa daheim oder vom Arbeitsplatz aus.

Diese technischen Voraussetzungen machen es möglich, dass sich immer wieder spontan Demonstrantinnen und Demonstranten den oft kurzfristig organisierten Aktionen anschließen. "Wir ziehen jetzt rüber in den Stadtteil Sai Wan", sagte ein maskierter Protestierenden bei einer der Demonstrationen. Er wollte seinen Namen nicht nennen und war gerade mit einigen Freunden zu Fuß unterwegs im Zentrum Hongkongs auf dem Weg zu einer Straßenschlacht in einem rund drei Kilometer westlich gelegenen Bezirk. "Einige unserer Leute sind dort gerade umringt von der Polizei", so der Demonstrant. "Wo wir jetzt genau hingehen, weiß ich noch gar nicht. Aber was ich weiß ist: Wenn wir uns zusammentun, sind wir stärker."

Digital und in Echtzeit: In Hongkong entsteht eine neue Kultur des Protestes
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
12.09.2019 08:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 12. September 2019 um 06:08 Uhr.

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