Das Bordell "Sex House", die Kneipe "Zur Ritze" und weitere Geschäfte auf der Reeperbahn  | Bildquelle: dpa

Corona-Beschränkungen Verband fordert Öffnung von Bordellen

Stand: 26.05.2020 11:28 Uhr

Auch Prostituierten brechen in der Corona-Krise die Einnahmen weg. Der Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen fordert nun, Bordelle wieder zu öffnen - und spricht eine Einladung an 16 Politiker aus.

Der Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen verlangt, die in der Corona-Krise verfügten Schließungen aller Prostitutionsstätten wieder aufzuheben. Eine weitere Schließung der Bordelle und ein Verbot der Prostitution seien durch nichts gerechtfertigt, heißt es in einem Offenen Brief an 16 Bundestagsabgeordnete, die jüngst sogar ein generelles Sexkaufverbot gefordert hatten.

Im Gegenteil müsse es angesichts der eingedämmten Pandemie auch der Prostitutionsbranche ermöglicht werden, "wieder Einnahmen zu generieren und den Kunden einen guten Service zu bieten, der menschlich, stabilisierend und für sie insbesondere in Corona-Zeiten existenziell ist", heißt es in dem Schreiben.

Hygienekonzept erarbeitet

Man habe, wie andere Branchen auch, dazu ein entsprechendes Hygienekonzept erarbeitet und der Politik vorgelegt. Weiter erklärte der Verband, Sexarbeiterinnen hätten per se ein großes Interesse an Hygiene und ihrer Gesundheit, "denn die ist ihr Kapital". Auch seien sie schon immer geübt, unter Beachtung von Schutzmaßnahmen zu arbeiten, nutzten etwa Kondome gegen sexuell übertragbare Erkrankungen und unterzögen sich Gesundheitschecks.

Einladung zum Dialog im Bordell

Weiter hieß es in dem Schreiben: "Wenn Sie in Ihrer Haltung noch nicht festgefahren und offen für andere Erfahrungen sind, laden wir Sie - nach der Corona-Öffnung - gern zu einem Bordellbesuch ein. Sie können sich einen Eindruck über die Abläufe in den verschiedenen Segmenten verschaffen und mit Sexarbeiter*innen in den Dialog treten."

Eine Gruppe von 16 Bundestagsabgeordneten, darunter der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, hatte sich in der vergangenen Woche dafür ausgesprochen, den während der Corona-Pandemie aus Infektionsschutzgründen verhängten Stopp bei der Prostitution beizubehalten und in Deutschland ein generelles Sexkaufverbot einzuführen. Die Arbeit der Prostituierten sei "menschenunwürdig, zerstörerisch und frauenfeindlich".

Über dieses Thema berichtete das NDR Fernsehen am 23. Mai 2020 um 19:30 Uhr im Schleswig-Holstein Magazin.

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