Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) | dpa

Corona-Pandemie Spahn gegen Sonderrechte für Geimpfte

Stand: 28.12.2020 08:33 Uhr

Auch Gesundheitsminister Spahn spricht sich dagegen aus, dass gegen das Coronavirus geimpfte Menschen Vorteile erhalten. Der Mediziner Montgomery kann sich dies langfristig vorstellen - und zog einen Vergleich mit der Masern-Impfpflicht.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn lehnt Sonderrechte für Geimpfte ab. "Viele warten solidarisch, damit einige als Erste geimpft werden können. Und die Noch-Nicht-Geimpften erwarten umgekehrt, dass sich die Geimpften solidarisch gedulden", sagte Spahn den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

"Keiner sollte Sonderrechte einfordern, bis alle die Chance zur Impfung hatten." Es sei diese gegenseitige Rücksicht, die die Nation zusammenhalte: "Gegen die Pandemie kämpfen wir gemeinsam - und wir werden sie nur gemeinsam überwinden", so der CDU-Politiker.

Spahn sieht Impfstoff-Lizenzproduktion kritisch

Spahn bezeichnete im BR den Start der Corona-Impfungen als "Riesenschritt" im Kampf gegen die Pandemie. "Impfen ist der Schlüssel um dieses Virus zu besiegen. Wie wir es unter Kontrolle halten können, mit AHA-Regeln, Abstand, Lockdowns, das wissen wir. Das ist anstrengend und nervig. Wie wir es besiegen können, den Schlüssel haben wir jetzt in der Hand."

Zu den Forderungen von FDP-Chef Christian Lindner, dass der Impfstoff in Lizenz auch von anderen Pharmafirmen produziert werden solle, sagte Spahn: "Ich hab den Eindruck, einige unterschätzen die Komplexität und auch die Anforderungen, gerade in der Qualität in der Impfstoffproduktion. Die baut man eben nicht mal in drei Tagen in einer beliebigen Halle, auch nicht eines Pharmaunternehmens auf."

Man sei in intensivem Kontakt mit Biontech und Pfizer um zusätzliche Produktionsstätten, auch in Deutschland, möglich zu machen. Ein Werk in Marburg sei von Biontech übernommen worden. Ziel sei, dass dort noch im ersten Quartal die Produktion beginnen könne. "Wenn das gelingen sollte, würde sich sehr sehr schnell die verfügbare Menge enorm erhöhen", versicherte Spahn.

Auch Seehofer und Lauterbach gegen Privilegien

Vor Spahn hatte sich unter anderem Bundesinnenminister Horst Seehofer zu Sonderrechten für Geimpfte geäußert. Der CSU-Politiker hatte am Wochenende versichert, es werde von staatlicher Seite keine Bevorzugung Geimpfter geben. Ansonsten komme dies einer Impfpflicht gleich - er sei aber gegen einen Zwang, betonte Seehofer in der "Bild am Sonntag". Er lehnte auch Ungleichbehandlungen durch private Unternehmen wie zum Beispiel Fluggesellschaften ab.

Ebenfalls gegen Privilegien für Geimpfte wandte sich der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Solche Privilegien wären "weder kontrollierbar noch gut zu rechtfertigen", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Im Übrigen sei nicht auszuschließen, dass Geimpfte andere Menschen noch mit dem Coronavirus anstecken könnten.

Montgomery zieht Vergleich mit Masern-Impfpflicht

Dagegen hält es der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, für denkbar, langfristig gegen das Coronavirus geimpften Menschen besondere Rechte einzuräumen. "Im Moment, wo man gar nicht allen Menschen eine Impfung anbieten kann, verbietet sich ein solches Vorgehen", betonte Montgomery im Deutschlandfunk. Später einmal, wenn alle Menschen die Chance zur Impfung hätten und über den Nachweis von Immunität im Blut mehr bekannt sei, seien entsprechende Entscheidungen möglich.

Er nannte andere Beispiele für ein vergleichbares Vorgehen: Einige Staaten hätten Einreiseverbote für Menschen erlassen, die nicht gegen Gelbfieber geimpft seien. Zudem gebe es eine Masern-Impfpflicht als Voraussetzung für die Aufnahme in einer Kindertagesstätte in Deutschland.

Montgomery erwartet für den Jahresverlauf 2021 ausreichend Impfstoff, um eine Herdenimmunität gegen Covid-19 in Deutschland zu erreichen.

Impfungen in EU gestartet

Am Sonntag waren die Impfungen EU-weit gestartet. Laut Impfplan für Deutschland werden zunächst Menschen in Alten- und Pflegeheimen sowie gefährdetes Personal in Krankenhäusern geimpft. Neben mobilen Impfteams stehen bundesweit mehr als 400 Impfzentren bereit.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. Dezember 2020 um 07:55 Uhr.