Ein Stapel mit verschiedenen Tageszeitungen liegt auf einem Tisch | Bildquelle: dpa

Reaktionen nach Landtagswahlen "Doppelte Ohrfeige"

Stand: 02.09.2019 11:03 Uhr

Auch international finden die Ergebnisse in Sachsen und Brandenburg Beachtung: von "Höhenflug der Ultrarechten" bis hin zu "Katastrophe vermieden". Die Zeitungskommentatoren stellten eine "paradoxe Erleichterung" fest.

Die Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg haben über die Grenzen Deutschlands hinaus Aufmerksamkeit erregt. Der Fokus lag auch hier auf dem Abschneiden der AfD: Sehr genau wurde verfolgt, wie stark das Pendel nach rechts ausschlagen würde. Meldungen ausländischer Medien im Überblick:

"Neue Zürcher Zeitung" (Schweiz): "Dieser Wahlsonntag macht einmal mehr deutlich, dass die AfD so schnell nicht wieder verschwindet. Eine Wahlparole wie 'Vollende die Wende', 30 Jahre nach dem Mauerfall, mag auf die meisten Deutschen verstörend wirken. Im Osten trifft die Partei damit das Empfinden einer großen Bevölkerungsschicht."

"Tages-Anzeiger" (Schweiz): "Die AfD erreicht mit den jüngsten Erfolgen eine neue Stufe in ihrer Entwicklung: Sie hat die Hülle einer reinen Protestpartei abgestreift und sich zumindest im Osten als neue Volkspartei etabliert."

"Der Standard" (Österreich): "Deutsche Landtagswahlen: Viel Frust im Osten. Weil der Jubel gar so laut war bei der AfD am Sonntag, sei vorab eines erwähnt: Richtig - viele Menschen haben die Partei gewählt. Die große Mehrheit der Wählerinnen und Wähler aber tat dies nicht."

"Höhenflug der Ultrarechten"

"De Telegraaf" (Niederlande): "Doppelte Ohrfeige für die instabile deutsche Koalition."

"Volkskrant" (Niederlande): "Die AfD hat bei den Wahlen in den Bundesländern Brandenburg und Sachsen enorme Gewinne erzielt - so groß, dass sie sich im Osten als 'Volkspartei' bezeichnen kann. Trotzdem wurden die Rechtspopulisten in beiden Staaten nicht die größte Partei."

"De Standaard" (Belgien): "Die AfD wurde lange Zeit als merkwürdige Randerscheinung gesehen. Ein irrationales Ventil für eine Gruppe frustrierter Radikaler, die sich außerhalb der Tradition des biederen deutschen Konservatismus aufstellen. Aber des Wahlergebnis verdeutlicht, dass die Partei dabei ist, zu einem festen Bestandteil der deutschen Politik zu werden."

"Corriere della sera" (Italien): "Höhenflug der Ultrarechten"

"La Repubblica" (Italien): "Es ist ein Schock, aber nicht das Erdbeben, das alle fürchteten. Ein Überholen der AfD konnte verhindert werden."

"Paradoxe Erleichterung"

"Le Monde" (Frankreich): "Starker Erfolg der extremen Rechten bei zwei regionalen Wahlen."

"Les Dernières Nouvelles d'Alsace" (Frankreich): "Die extreme Rechte rückt näher: Wahl für Wahl knabbert sie. Sie schiebt und bringt damit die Fundamente der Sozialdemokratie ins Wanken. Besonders im Osten des Landes ist es jeden Tag zu sehen, wo sie von der wirtschaftlichen Verzweiflung und der Existenzkrise profitiert. Sie surft hier auf der Welle des latenten und historischen Rassismus, der durch den massiven Zuzug von Migranten im Jahr 2015 noch verstärkt wurde."

"Politiken" (Dänemark): "Zwei deutsche Wahlniederlagen lösen paradoxe Erleichterung aus. Die konservative CDU von Bundeskanzlerin Angela Merkel und die SPD erlitten in zwei ostdeutschen Bundesländern deutliche Niederlagen, umgingen aber die große Katastrophe. "

"La Vanguardia" (Spanien): "Konservativen und Sozialdemokraten gelingt es, die Ultrarechte in Brandenburg und Sachsen zu bremsen."

"El País" (Spanien): "Die deutschen Regierungsparteien können im Osten den Aufstieg der Ultrarechten aufhalten. Der AfD gelingt es trotz starker Zugewinne nicht, stärkste Kraft in Sachsen und Brandenburg zu werden."

"The Guardian" (Großbritannien): "Die einwanderungsfeindliche Alternative für Deutschland hat am Sonntag bei zwei wichtigen Landtagswahlen starke Zugewinne erreicht und ihre Unterstützung erheblich ausgeweitet, die etablierten Parteien jedoch nicht gestürzt. Aber der scharfe Rechtsruck in Sachsen und Brandenburg - die AfD wurde in beiden Bundesländern zweitstärkste Kraft - ist ein Schlag für Angela Merkels Koalition aus Christdemokraten und Sozialdemokraten."

"Deutsche Rechte im Aufwind"

"Gazeta Wyborcza" (Polen): "Die Attacke der AfD-Populisten wurde abgewehrt, doch das Ergebnis ist rekordverdächtig."

"Rzeczpospolita" (Polen): "Das Ergebnis zeigt, dass die Kräfte Mitte-Rechts und Mitte-Links trotz sinkender Popularität an der Spitze bleiben werden. AfD zweite Kraft."

"Washington Post" (USA): "Deutschlands extrem rechte Partei hat am Sonntag in zwei der östlichen Bundesländer bedeutende Gewinne erzielt, hat es aber nicht geschafft, die etablierten Parteien zu überholen und die meisten Stimmen zu bekommen."

"Politico" (USA): "Deutsche Rechte bei Wahlen im Osten im Aufwind. Obwohl die AfD keinen der beiden Staaten gewann, wie einige befürchtet hatten, erzielte sie in beiden das bisher beste Ergebnis und sandte eine deutliche Botschaft an die Koalition Merkels in Berlin."

Quelle: dpa

Über dieses Thema berichtete die Extra-Ausgabe der Tagesschau am 02. September 2019 um 11:15 Uhr.

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