Zeitungen in der Slowakei berichten über die Ermordung des Enthüllungsjournalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten. | Bildquelle: dpa

Rangliste der Pressefreiheit Europa rutscht ab

Stand: 25.04.2018 10:36 Uhr

Pressefreiheit und Demokratie gehen Hand in Hand. Doch im Osten Europas sehen die "Reporter ohne Grenzen" beides gefährdet. In keiner anderen Weltregion habe sich die Lage so rasant verschlechtert.

Von Andrea Müller, ARD-Hauptstadtstudio

Es steht nicht gut um die Pressefreiheit in Europa. In keiner Region der Welt habe sich die Lage so verschlechtert, heißt es im Bericht von "Reporter ohne Grenzen". Es gibt ein Ost-West-Gefälle, sagt Geschäftsführer Christian Mihr. Skandinavien bleibt vorbildlich. Andere rutschen ab in der Rangliste. Nach Ungarn und Polen jetzt auch Tschechien und die Slowakei, beide um rekordverdächtige zehn Plätze.

"In diesen Ländern sehen wir Demokratie als nicht gefestigt", sagt Mihr. Medien würden pauschal diffamiert. "Reporter ohne Grenzen" beobachte diese Entwicklung "mit großer Sorge".

Die dortigen Regierungschefs spielen mit dem Feuer, warnt "Reporter ohne Grenzen" und fordert die EU auf, das nicht länger tatenlos hinzunehmen. Brüssel könne durchaus Druck machen, sagt Mihr, etwa Sanktionen gegen Mitglieder verhängen oder bei Fortschrittsberichten "Ross und Reiter" nennen.

Deutschland bleibt stabil

Für die Rangliste verteilt Reporter ohne Grenzen Fragebögen an Journalisten, Wissenschaftler und Juristen weltweit. Auch Verhaftungen, Entführungen und Gewalttaten fließen in die Berechnung der jährlichen Rangliste ein. So etwa der Fall der Journalistin Daphne Caruana Galizia: Bekannt wurde sie wegen ihrer kritischen Artikel über die Regierung Maltas, die durch Korruption belastet sei. Im Oktober starb Galizia, als unter ihrem Auto eine Bombe detonierte.

Erst im Februar dieses Jahres wurden in der Slowakei die Leichen des Investigativjournalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten entdeckt - beide wurden durch Schüsse in Brust und Kopf getötet. Kuciak hatte über möglichen Steuerbetrug in den Regierungskreisen des Landes berichtet.

Deutschland liegt auf Platz 15 nahezu stabil. Als Problem nennt Reporter ohne Grenzen seit Jahren die Überwachung von Smartphones und sozialen Medien - im aktuellen Bericht spielt aber auch in Deutschland das Thema Gewalt eine Rolle, etwa beim G20-Gipfel oder bei "Pegida"-Demonstrationen. Auch gebe es Regionen, in denen Journalisten etwa Recherchen zum Thema Rechtsextremismus nur unter Polizeischutz durchführen könnten.

Besonders scharf fällt die Kritik an der Türkei aus. Nirgendwo sonst sitzen so viele Journalisten im Gefängnis. Daran hat sich auch mit der Freilassung von Deniz Yücel nichts geändert, sagt Christian Mihr. Schließlich säßen viele Journalisten dort immer noch im Gefängnis, auch wenn "die Aufmerksamkeit" nachgelassen habe.

Gambia ist im aktuellen Bericht ein Lichtblick. Nach dem Ende der Diktatur hat sich das afrikanische Land zum Aufsteiger des Jahres 2017 entwickelt. "Das hat zu einer Blüte von Medien geführt", sagt Mihr. Drohungen seien zurückgegangen. "Es macht Mut zu sehen, was möglich ist", so Mihr weiter.

Rangliste Pressefreiheit 2018
A. Müller, ARD Berlin
25.04.2018 11:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. April 2018 um 06:15 Uhr.

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